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The transnational mobility of cheap print: British chapbooks in Italy, 1800-1850

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Britische und italienische Arbeiterklasse des 19. Jahrhunderts hatte mehr Gemeinsamkeiten als gedacht

Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert las man in ganz Europa volkstümliche Literatur, die sogenannten „Volksbücher“, auch als Lesehefte bekannt. Aufzeichnungen darüber wurden jedoch weitgehend vernachlässigt, womit die Forscherinnen und Forscher des EU-finanzierten CHAP-Projekts nun erstmals einige dieser Publikationen ins rechte Licht rücken.

Gesellschaft

Obgleich die elitären gesellschaftlichen Schichten Europas im 17. bis 19. Jahrhundert regelmäßig Ideen, Literatur und Wissen untereinander austauschten, hatten die einfachen arbeitenden Menschen nicht die Möglichkeiten der Reichen. Deshalb schien eher wahrscheinlich, dass sie vom Einfluss anderer europäischer Ländern weitgehend isoliert waren. Überraschenderweise scheint es sich jedoch nun herauszustellen, als ob die ärmeren Klassen in ganz Europa mehr Gemeinsamkeiten als bisher angenommen hatten. In diesem Zeitraum wurden in ganz Westeuropa billige gedruckte Bücher mit 12 bis 24 Seiten, sogenannte „Volksbücher“, verkauft. Sie wurden aus einer Originalsprache in verschiedene andere europäische Sprachen übersetzt und fungierten als ein „Zugangstor“ zu örtlichen Gemeinschaften und den Kulturen anderer Länder. „Sie bildeten ein bedeutendes Element des Bekanntwerdens dieser Menschen, insbesondere aus ländlichen Gebieten, mit der Welt und den nationalen und internationalen Kommunikationsnetzen“, erklärt Dr. Niall Ó Cíosáin, Koordinator des Projekts CHAP von der National University of Ireland, Galway. „So lasen einfache Briten und Italiener in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in einigen Fällen die gleichen Texte.“ Volksbücher und Einblattdrucke Volksbücher waren unterhaltsam, enthielten oftmals Witze, Rätsel, Lieder, praktische Ratschläge, Kalender, Geschichten von Banditen und Mördern oder das Leben von Heiligen, Prophezeiungen und von mittelalterlichen Romanzen inspirierte Erzählungen. Tatsachenberichte über aktuelle Ereignisse entnahmen die Leute den Einblattdrucken, einer anderen Art populärer Literatur, die oft aus anderen Sprachen übersetzt wurde. Ein Einblatt war eine auf einzelnen Blättern gedruckte Ausgabe, normalerweise sogar billiger als ein Volksbuch, das an einer Wand ausgehängt wurde, damit es die Leute lesen konnten. Sie enthielten gewöhnlich Balladen, Proklamationen und Edikte, Berichte über Gerichtsverfahren, Todesurteile und Nachrichten. Volksbücher und Einblattdrucke wurden von reisenden Hausierern verkauft, die von Dorf zu Dorf zogen und außer Büchern auch Kleidung, Kleineisenwaren, Medikamente und andere Waren verkauften. Vergessener Aspekt der Druckkultur Um die Volksbücher zu untersuchen, reisten die EU-finanzierten Forscherinnen und Forscher zwischen dem Vereinigten Königreich, Irland und Italien umher, um Material in den Archiven hinzuzuziehen und den Einfluss der englischsprachigen Texte auf die populären italienischen Volksbücher jener Zeit zu messen. In Italien sammelte man 152 Texte. Viele dieser Texte hatte man bislang nie katalogisiert oder organisiert und so waren sie für die Forscherinnen und Forscher nahezu unzugänglich. Ein zentrales Ergebnis dieses Projekts bestand darin, Volksbücher und Einblattdrucke wiederauferstehen zu lassen, die uns nun einen neuen Einblick in das Leben der arbeitenden Klassen in Europa gewähren. „Dieses Projekt hat einen vergessenen Aspekt der gemeinsamen länderübergreifenden Druckkultur des neunzehnten Jahrhunderts gerettet und ans Licht gebracht“, sagt Dr. Ó Cíosáin. Das Projekt analysiert die Volksbücher und Einblattdrucke auf einer problemlos zugänglichen Internetseite, zeichnet sie dort auf und gliedert sie, begleitet von einer Artikelserie, die sich auf die Rolle der Übersetzung bei der Entwicklung des billigen und kurzlebigen Druckens im Italien des 19. Jahrhunderts konzentriert. „Ziel ist, eine Online-Bibliothek der Volksbücher aus dem Italien des 19. Jahrhunderts aufzubauen, die aus anderen Sprachen stammen oder Texten in anderen Sprachen entsprechen“, erläuterte Dr. Ó Cíosáin. „Das wird die Erforschung der interkulturellen Dimension billiger Druckerzeugnisse aus dem 17. bis 19. Jahrhundert vorantreiben, fördern und vereinfachen.“

Schlüsselbegriffe

CHAP, Veröffentlichung, Verlagswesen, Druck, Volksbücher, Lesehefte, neunzehntes Jahrhundert, Literatur, Translation, Übersetzung, Gesellschaft, Klasse

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