RP7 nimmt neue globale Paradigmen in Angriff, sagt stellvertretender Referatsleiter
Am 26. Mai stellte Khalil Rouhana, stellvertretender Referatsleiter der Europäischen Kommission, einem Publikum von führenden finnischen IKT-Experten die Zukunft der europäischen Forschungsagenda für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) vor und erklärte, dass sich zwei'Megatrends' im Bereich der IKT abzeichnen. Die Europäische Kommission möchte diese Aspekte sowohl im Sechsten Rahmenprogramm (RP6) als auch im bevorstehenden RP7 in Angriff nehmen, sagte Rouhana, der stellvertretender Leiter des Referats Strategie der Forschung und Entwicklung für IKT bei der GD Informationsgesellschaft (INFSO) ist. "Bei den beiden Megatendenzen, die festgemacht wurden", erläuterte Rouhana, "handelt es sich um den wachsenden weltweiten Wettbewerb und die zunehmende Komplexität der Systeme. Wir reden nicht mehr von den drei Wettbewerbspolen, nämlich der EU, den USA und Japan. Nun werden auch die aufstrebenden Länder zu einer Herausforderung, sowohl in Bezug auf die Qualität als auch hinsichtlich der Produktionskosten. Die EU muss ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern und Fachkräfte aus der ganzen Welt hinzuziehen." Darüber hinaus, fügte Rouhana hinzu, hebe die zunehmende Komplexität von Systemen den dringenden Bedarf an Leuten hervor, die im Bereich der IKT arbeiten, da immer mehr Prozesse beherrscht und unterschiedliche Disziplinen miteinander verbunden werden müssen. Diese Tendenz könne anhand der Dienstleistungen und Anwendungen verfolgt werden, nicht nur in der IKT, sondern auch auf anderen Gebieten, fuhr er fort. Angesichts dessen, erklärte Rouhana, sei sich die Kommission der Notwendigkeit bewusst, sich diesen wachsenden Tendenzen und neuen Paradigmen anzupassen, und arbeite an mehreren Projekten. Das erste ist der Start einer 'Korrekturausschreibung' ("Corrective Call") im Juni. Diese Ausschreibung wird auf einer aktualisierten Version des Arbeitsprogramms für die Jahre 2003 und 2004 basieren und über ein Gesamtbudget von 258Mio. Euro allein für die Priorität IST verfügen. Für diese Ausschreibung hat die Kommission die Notwendigkeit der Förderung von internationaler Zusammenarbeit zum Schwerpunkt gemacht. "Die Dritte Ausschreibung soll die Teilnahme der neuen Mitgliedstaaten und assoziierten Kandidatenländer ankurbeln, fördern und erleichtern", erläuterte Rouhana. Der zweite Fokus der Dritten Ausschreibung sei die Notwendigkeit, die IKT mit anderen Forschungsgebieten wie beispielsweise der Nanotechnologie, Materialforschung, Biotechnologie, Biochips, Bioinformatik usw. zu verbinden. "Die Europäische Kommission reagiert schnell auf Markt- und weltweite Trends", sagte Rouhana. "Ein weiterer bedeutender Punkt, den wir in Zukunft angehen müssen, ist die Notwendigkeit, mehr Schwerpunkte zu setzen. Wir müssen die Menschen davor bewahren, ihre Zeit mit dem Verfassen von Vorschlägen zu verschwenden, wenn sie dann nicht ausgewählt werden." Das Arbeitsprogramm für 2004 und 2005 befinde sich in der Vorbereitung, sagte Rouhana. Es werde zwei bis drei Ausschreibungen mit einem Budget von insgesamt 1,2Mrd. Euro geben. Hauptziel dieses Programms sei, "die Ziele des RP6 zu vervollständigen, den Start von RP7 vorzubereiten und die Integration der neuen Mitgliedstaaten zu erleichtern", erklärte Rouhana. "Es sind keine drastischen Veränderungen in diesem Arbeitsprogramm zu erwarten, was die Abdeckung und die Anzahl der strategischen Ziele angeht. Aber es besteht die Notwendigkeit, die strategischen Ziele zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen, insbesondere in Bereichen mit hohen, übermäßigen Einschreibungsraten." Aspekte der Zusammenarbeit zwischen der Industrie und den Hochschulen werden immer wichtiger, ebenso wie die Partnerschaftsbildung zwischen den Branchen. In der Tat sei es für ein einzelnes Unternehmen schwierig, über das ganze Know-how zu verfügen, das zur Entwicklung neuer Technologien erforderlich sei, erklärte Rouhana. Die Kommission anerkennt außerdem die Bedeutung, eine bessere Erläuterung der Aufgaben der unterschiedlichen Akteure bereitzustellen, insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). "Wir haben sie in den ersten beiden Ausschreibungen verloren", beklagte Rouhana. "Ihre Beteiligung ist zwar bereits gestiegen, aber wir brauchen mehr. Das Ziel ist, eine Quote von 18 bis 20 Prozent Beteiligung zu erreichen. Ferner muss die Bildung von KMU-Ghettos vermieden werden. Der echte Mehrwert ist die Kooperation zwischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Forschungsinvestoren, öffentlich wie privat." Bezüglich des RP7 erläuterte Rouhana, dass die Vorbereitungen in der GD Informationsgesellschaft in einer 'Dreifachstrategie' im Gange seien. Rouhana bedauerte die Verzögerungen aufgrund des komplizierten Konsultationsverfahrens und informierte die Zuhörer darüber, dass eine Mitteilung über die RP7-Vorschläge der Kommission im Frühjahr 2005 veröffentlicht werde. "RP7 wird auf einem '5+2 (+2)'-Ansatz basieren", sagte Rouhana, "nämlich: Unterstützung für einzelne Forschungsteams; Unterstützung für Forschungskapazitäten; öffentlich-private Partnerschaften (das Technologieplattform-Konzept); Netzwerkbildung und Zusammenarbeit sowie Koordinierung nationaler und regionaler Forschungsprogramme und -politiken. Die '+2'-Achsen sind Raum und Sicherheit, während spektrumübergreifend Innovation und internationale Kooperation stehen." Von diesen Achsen seien die 'Untersuchung der einzelnen Forschungsteams' und die 'öffentlich-privaten Partnerschaften durch europäische Technologieplattformen' neu, erläuterte Rouhana. Hinsichtlich der einzelnen Forschungsteams erklärte Rouhana, dass die Unterstützung für die Grundlagenforschung durch individuelle Stipendien den Wettbewerb ankurbeln würden. Exzellenz werde das Hauptkriterium für die Auswahl sein und es werde kein Konzept der genauen Gegenleistung ("juste retour") geben, betonte er. Eine schlanke Administration werde benötigt und es gebe Gespräche über die Ausgliederung an eine ausführende Agentur, einen potentiellen Europäischen Forschungsrat, fügte er hinzu. Rouhana schloss seinen Vortrag mit der Äußerung, dass die "IKT nicht ausreichen, die IKT-Forschung ist ein wesentlicher Bestandteil, weil sie das Hauptinstrument zur Unterstützung der politischen Prioritäten der Gemeinschaft ist. Wir sollten realisieren, dass sich die IKT entwickelt hat und wir müssen Lösungen in Angriff nehmen, die die IKT in andere Technologien integrieren und sich neuer Gebiete annehmen wie den Bio-, Nano- und Cogno-Technologien." Als Antwort auf die Kommentare Rouhanas bezüglich der Grundlagenforschung sagte Olli Martikainen von der Universität Oulu, dass es seiner Ansicht nach ein Fehler sei zu glauben, dass Fortschritt durch simples Ausschütten von Geld in diese Forschungsgebiete stattfinde. "Investitionen in die Grundlagenforschung in Universitäten bringen der Industrie keinen Mehrwert", erklärte er. "Das würde bedeuten, dass die Forschung ein linearer Prozess ist, aber das stimmt nicht, insbesondere bei der IKT. Es geht eher um ein Netzwerk von unterschiedlichen Akteuren." Die Grundlagenforschung müsse über klare Verbindungen zur industriellen Entwicklung verfügen, fügte er hinzu. Die Biotechnologie sei das einzige Gebiet, das wirklich von der Wissenschaft angetrieben sei. IKT sei das nicht. Die richtige Art der Investition, sagte Professor Martikainen, sei einen Mittelweg zu finden zwischen der Investition in neue Aktivitäten und mittelfristige. Pekka Silvennoinen vom Technischen Forschungszentrum von Finnland (VTT) stimmte dem zu und erklärte, dass "die Grundlagenforschung im RP7 unterstützt wird, aber sie sollte nicht zu sehr von anderen Aktivitäten getrennt werden." Kari Tilli von der finnischen Nationalen Technologieagentur (TEKES) schlug vor, dass die Kommission Forschungsvorhaben finanzieren sollte, die Patente schaffen, und nicht einfach die Grundlagenforschung zu fördern.
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