USA setzen ihre Kernfusionshoffnungen auf ITER
Trotz der weiter anhaltenden internationalen Pattsituation in der Frage, wo der internationale thermonukleare Experimental-Reaktor (ITER) stehen soll, ist das US-amerikanische Energieministerium (DOE) entschlossen, die Arbeit an einem sechs Jahre alten nationalen Kernfusionsprojekt einzustellen. Seit der US-Kongress 1998 das Energieministerium aufgefordert hatte, aus dem ITER-Projekt auszusteigen, arbeitet ein Team aus rund 50 Forschern an einem Projekt, das unter dem Namen FIRE (Fusion Ignition Research Experiment) bekannt ist. Kurz vor dem Wiedereintritt in das ITER-Projekt im Jahr 2002 legte das Energieministerium die Frist Juli 2004 fest, um zu entscheiden, ob das FIRE-Projekt weitergeführt wird, sollten sich die Verhandlungen über ITER weiter hinauszögern. "Wenn es bei ITER keine Fortschritte gibt, sollte FIRE als US-basiertes Experiment zu brennendem Plasma mit einer starken Förderung internationaler Beteiligung vorangetrieben werden", gab das Energieministerium bekannt. Mittlerweile scheint das Ministerium jedoch die Fortsetzung des eigenen Projekts in Frage zu stellen, obgleich erstmalig auch ernsthafte Bedenken geäußert wurden, dass ITER scheitern könnte. Anne Davies, Leiterin des Amtes für Fusionsenergiewissenschaften im Energieministerium, erklärte gegenüber dem New Scientist: "Wir haben keinen Ersatzplan. Wir konzentrieren uns darauf, ITER funktionieren zu lassen. Wenn ITER nicht funktioniert, werden wir eine Menge Neubewertungsarbeit durchführen müssen." Der Widerwillen des Ministeriums, FIRE fortzusetzen, rührt von der Tatsache, dass dieses Projekt auf dem Einsatz von Kupfermagneten anstelle der für ITER geplanten supraleitenden Magneten beruht, was Davies als "zukunftslose Technologie" bezeichnet. Sie ist außerdem der Ansicht, dass es ohne internationale Kooperation schwierig sein wird, den Kongress davon zu überzeugen, das Budget in Höhe von einer Milliarde Euro zu genehmigen, das für den Bau von FIRE erforderlich wäre. In den USA sind jedoch auch viele der Meinung, dass es angesichts der derzeitigen Sackgasse, in der ITER steckt, zu früh sei, um eine Entscheidung über FIRE zu fällen. Der Bewertungsausschuss für brennendes Plasma des National Research Council der USA argumentierte folgendermaßen: "[Es] ist wichtig, sich einzugestehen, dass die ITER-Verhandlungen erfolglos bleiben könnten. Daher ist es klug, eine angemessene Planung für diesen Fall vorzubereiten, bis eine Entscheidung zu ITER gefällt wird." Und obgleich der Leiter des FIRE-Entwicklungsteams Dale Meade der Ansicht ist, dass das Energieministerium "darauf drängen sollte, eine Entscheidung zugunsten des Baus von ITER zu erreichen", drängte er außerdem die US-amerikanische Regierung, ihre Entscheidung, das Ersatzprojekt aufzugeben, noch einmal zu vertagen. "Gehen Sie nicht wieder dorthin zurück, wo die amerikanische Fusionsstrategie angefangen hat", mahnte Dr. Meade.
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