Anlässlich seines Abschieds von der Europäischen Kommission reflektiert Philippe Busquin über Errungenschaften und Herausforderungen
Als Philippe Busquin seinen Abschied von dem nach seinen Worten "bisher besten Job in meinem Leben" vorbereitete, reflektierte er über die vergangenen fünf Jahre als EU-Forschungskommissar. Gegenüber CORDIS Nachrichten sprach er über seine seiner Ansicht nach größten Erfolge und über seine Pläne für die Zukunft als neues Mitglied des Europäischen Parlaments. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Philippe Busquin seine Arbeit so beendet, wie er sie begonnen hat - mit Worten über Frauen und Wissenschaft. Am 10. September wird er in Tallinn an einer ENWISE-Veranstaltung (enlarge women in science to the East) teilnehmen. Ab dem 13. September wird Philippe Busquin die belgische sozialistische Partei im Europäischen Parlament vertreten. Es wird kein völliges Neuland für den Kommissar sein, der bereits zwischen Juni und September 1999 kurze Zeit Mitglied des Parlaments war. Doch diese Tätigkeit gab er sofort nach seiner Ernennung zum Kommissar durch die belgische Regierung auf. Auf die Frage nach seinen größten Erfolgen als EU-Forschungskommissar nennt er unverzüglich drei Themen: Den Europäischen Forschungsraum (ERA), die Zusage aller Staats- und Regierungschefs der EU, die Ausgaben für Forschung zu steigern, so dass diese bis 2010 fast 3 Prozent des BIP betragen, und das Aufkommen einer europäischen Forschungspolitik. Er erklärte: "Das von mir auf den Weg gebrachte Konzept eines Europäischen Forschungsraums ist Realität. Er ist in allen Mitgliedsstaaten, in Wissenschaftskreisen und in der Industrie wirklich zu einer Referenz geworden. Für einen Anfänger ist das nicht schlecht!." Er fügte hinzu, dass auch der 3-Prozent-Plan zu einer Referenz und zu einem Vergleichsmodus sowie einem Anreiz für mehr Forschung und Innovation in den Mitgliedsstaaten der EU geworden ist. Aus dem oben Genannten folgt schließlich, dass nach Ansicht von Herrn Busquin Forschung und Innovation sowohl auf europäischer Ebene als auch in vielen Mitgliedsstaaten nun auf der politischen Tagesordnung stehen. "Als ich mit meiner Arbeit begann, hatte die Kommission ein Rahmenprogramm. Nun hat sie eine Forschungspolitik, und das Rahmenprogramm ist das Instrument für die Verwirklichung dieser Forschungspolitik. Und natürlich ist die Forschungspolitik viel größer als das Rahmenprogramm." Philippe Busquin ist auch zuversichtlich, dass das Konzept des ERA seine Amtszeit als Kommissar überdauern wird. Europas berühmte wissenschaftliche Institutionen haben erkannt, dass es eine europäische Dimension des Forschens geben muss, meinte er, und die erforderliche Struktur wird eingerichtet. "Natürlich müssen wir sie weiterhin fördern. Das Siebte Rahmenprogramm (RP7) wird ihre Schaffung weiterhin unterstützen." Man hat den Eindruck, dass der Kommissar etwas enttäuscht ist, zu einem so interessanten Punkt für die europäische Forschung aus seinem Amt auszuscheiden. Er gibt zu, dass er nicht alles erreicht hat, was er gerne erreicht hätte. Insbesondere hätte er gerne mehr zur Einrichtung des Europäischen Forschungsrats (EFR) und der Technologieplattformen beigetragen. Er gesteht auch, dass er die Akte des ITER, des internationalen thermonuklearen Experimental-Reaktors, gerne "geschlossen" hätte. Doch anscheinend ist nun eine Lösung in Sicht. Nach monatelangem Ringen darum, ob der Reaktor nun in Europa oder Japan stehen soll, hat es laut Herrn Busquin auf der Seite der Japaner eine gewisse Bewegung gegeben. Es scheint nun, dass der Reaktor an sich in Frankreich stehen wird, während die Stoffforschung in Japan durchgeführt wird. Am 8. September wird Philippe Busquin seinen Kollegen in der Kommission ein Papier zur aktuellen Lage vorlegen. Von seinem Platz im Europäischen Parlament aus wird Philippe Busquin jedoch auch in Zukunft zur europäischen Forschung beitragen. "Das ist meine Leidenschaft", meinte er, sichtlich erstaunt über die Tatsache, dass irgend jemand an seinen Prioritäten als Mitglied des Europäischen Parlaments zweifeln könnte. Er wird Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie sein und wird in dieser Position auf die Verdoppelung des Forschungshaushalts der EU drängen, wie dies in dem Vorschlag über die Finanzperspektiven der Kommission dargelegt ist. Weiterhin hofft er auf eine Schlüsselrolle im Gremium zur wissenschaftlich-technischen Folgenabschätzung (STOA - Scientific and Technological Options Assessment). Während die Unterstützung der europäischen Forschung seine Haupttätigkeit sein wird, möchte er auch zur Debatte über die Gesundheitswirtschaft beitragen. Vor allem interessiert er sich dafür, wie Europa einen Markt für Dienstleistungen, vor allem im Gesundheitsbereich, schaffen und gleichzeitig eine typisch europäische Philosophie beibehalten kann. Seiner Ansicht nach würde ein europäischer Gesundheitsmarkt mehr Solidarität in Europa ermöglichen. Obwohl Philippe Busquin bedauert, aus der Kommission auszuscheiden, freut er sich nach seinen Worten über "das Weitermachen in einer neuen Funktion" in einem Gebäude, das er bereits aus dem Fenster seines derzeitigen Büros sehen kann.