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Inhalt archiviert am 2023-01-20

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Kommission gründet Epigenom-Exzellenznetzwerk für die postgenomische Ära

Seit den wichtigen Entdeckungen durch Persönlichkeiten wie Gregor Mendel und Theodore Boveri zählt Europa zu den führenden Nationen in der Gen- und Chromosomenforschung. Es wurden große Fortschritte hinsichtlich unseres Verständnisses der Grundsätze der Vererbung erzielt. Nac...

Seit den wichtigen Entdeckungen durch Persönlichkeiten wie Gregor Mendel und Theodore Boveri zählt Europa zu den führenden Nationen in der Gen- und Chromosomenforschung. Es wurden große Fortschritte hinsichtlich unseres Verständnisses der Grundsätze der Vererbung erzielt. Nachdem vor kurzem die Sequenzierung einiger Genome von wissenschaftlichem Interesse abgeschlossen wurde, einschließlich der des menschlichen Genoms, wurde deutlich, dass die Größe eines Genoms von der Komplexität des jeweiligen Organismus abhängt. Gleichzeitig ist jedoch auch offensichtlich, dass sich eine höhere Biokomplexität nicht in einer entsprechend höheren Anzahl protein-kodierender Gene in jedem Genom ausdrückt, da diese Zahl bei einer Fliege beispielsweise 15.000 und beim Menschen 40.000 beträgt. Dies legt die Vermutung nahe, dass die DNA-Sequenz selbst nicht der einzige Träger der Erbinformation ist und dass andere Mechanismen als die Informationen aus der DNA-Sequenz im Laufe der Evolution angenommen wurden. Die Entdeckung von epigenetischen Mechanismen, die das Informationspotential des genetischen Codes beträchtlich erweitern, bedeutet, dass wir mehr als nur die Summe unserer Gene sind. Damit eröffnet sich eine postgenomische Ära, in der die molekulare Basis unserer Identität klarer definiert werden wird. Um sicherzustellen, dass Europa auf diesem Gebiet führend bleibt, hat die Europäische Kommission beschlossen, über das Sechste Rahmenprogramm (RP6) ein neues Exzellenznetzwerk (NoE) namens "Epigenom" zu finanzieren. Das Netzwerk soll eine kohärente Plattform für Europas epigenetische Forschungsgemeinschaft über die kommenden fünf Jahre darstellen. Das Epigenom-Netzwerk umfasst 25 der führenden europäischen Forschungsinstitute auf diesem Gebiet und wird von Professor Thomas Jenuwein vom Forschungsinstitut für molekulare Pathologie in Wien, Österreich, koordiniert. Professor Jenuwein erklärt, dass die epigenetischen Veränderungen zwar vom genetischen Code unabhängig seien, jedoch trotzdem an Nachkommen weitergegeben werden können: "Möglicherweise gibt es einen epigenetischen Code, der die Expressionsmuster der Gene über viele Zellgenerationen hinweg bestimmen kann." Das durch das Exzellenznetzwerk geschaffene "virtuelle Institut" verfolgt drei wesentliche Zielsetzungen: die Einrichtung eines gemeinsamen Forschungsprogramms zur Verbesserung des Verständnisses epigenetischer Mechanismen, die Integration von 22 der vielversprechendsten neu gebildeten europäischen Forschungsteams in die Initiative (NET-Programm) sowie die Einrichtung einer interaktiven Website für den Wissenstransfer an die Wissenschaftsgemeinschaft sowie die Öffentlichkeit. Über das NET-Programm wird das Epigenom-Netzwerk nach und nach erweitert, da über den Zeitraum der EU-Finanzierung zusätzliche Forschungsteams integriert werden. 25 Prozent der gesamten Fördermittel für das Exzellenznetzwerk werden für die Aufnahme neu gebildeter Forschungsteams für einen Zeitraum von drei Jahren verwendet. Angesichts des Wettbewerbs vonseiten bereits bestehender Teams werden junge Wissenschafter regelmäßig mit dem Problem konfrontiert, die Finanzierung ihrer Forschung nicht sichern zu können, erklärt Professor Jenuwein. "Mit dem NET-Programm haben wir das System umgekehrt - bestehende Teams stellen Fördermittel für die herausragendsten jungen Kollegen in Europa bereit", gab er an. Darüber hinaus bieten die Fördermittel allen Mitgliedern des Netzwerks Zugang zu Infrastrukturen, die eigens geschaffen wurden, um ihnen die Möglichkeit zu geben, das gesamte Potential ihrer Forschungsergebnisse zu nutzen sowie alle zwei Jahre eine Konferenz über Epigenetik und zahlreiche weitere öffentliche Veranstaltungen zu organisieren. Die Mitglieder des Exzellenznetzwerks sind sich jedoch der Tatsache bewusst, dass es sich bei 12,5 Millionen Euro um ein Gründungsinstrument handelt und dass zusätzliche Ressourcen sichergestellt werden müssen, um die Initiative über die Anfangslaufzeit (bis 2009) hinaus verlängern zu können. Die Teilnehmer sind allerdings davon überzeugt, dass die Epigenom-Initiative zum richtigen Zeitpunkt erfolgt, um einen noch entstehenden und hochdynamischen Forschungsbereich zu formen. Sie führen an, dass die Folgen der epigenetischen Forschung für die Humanbiologie und die menschliche Gesundheit, einschließlich Krebs und Alterung, weitreichend seien. Es werde nicht nur das Verständnis unserer molekularen Identitäten verbessert, sondern dieses Wissen werde in der Zukunft auch zu einer Grundlage für rechtliche, politische und sozio-ökonomische Entscheidungen werden.

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