Brinkhorst fordert neues Sozialmodell für die EU
Nur durch längere Arbeitszeiten und in Anlehnung an das Gesellschaftsmodell der USA wird Europa in der Lage sein, die Ziele von Lissabon zu erreichen, so meinte Laurens Jan Brinkhorst, niederländischer Wirtschaftsminister, in einer Rede in Brüssel am 7. Oktober. Die Modernisierung des europäischen Gesellschaftsmodells ist sehr dringend, wenn Europa auf lange Sicht sein Lieblingsmodell beibehalten und in punkto Produktivität zu den USA aufschließen will. "Ich möchte behaupten, dass sich das aktualisierte europäische Gesellschaftsmodell deutlich von dem derzeitigen unterscheiden sollte", erklärte Minister Brinkhorst. "Es wird unvermeidlich dem amerikanischen Modell mehr ähneln, als dies derzeit der Fall ist. Aber es wird immer noch ein europäisches Modell sein und die europäischen Vorlieben für soziale Eingliederung und soziales Umfeld widerspiegeln. Die wichtigsten Bedingungen, um dies zu erreichen, sind Wachstum und Beschäftigung." Laut Minister Brinkhorst funktioniert das derzeitige europäische Modell nicht adäquat, und er wies darauf hin, wie weit Europa hinter die USA zurückgefallen ist. "Seit dem Beginn der 90er Jahre haben die USA Europa in punkto Wirtschaftswachstum weit überholt. Zwischen 1991 und 2003 verzeichnete die US-Wirtschaft ein Wachstum von 47 Prozent, wogegen es in der EU nur 28 Prozent waren." Minister Brinkhorst machte auch auf die Tatsache aufmerksam, dass das BIP in den USA im Jahr 2003 um 55 Prozent höher lag als in der EU. Er fügte hinzu, dass Wirtschaftswachstum für einen hohen und nachhaltigen Lebensstandard der zukünftigen Generationen unverzichtbar ist, und der einzige Weg dorthin führt über längere Arbeitszeiten und eine längere Lebensarbeitszeit. Auch die Flexibilität bei der Arbeitszeit muss zunehmen, wenn wir wollen, dass Europa in Zeiten des globalen Wettbewerbs eine bessere Figur macht. "Wenn die Europäer pro Woche zwei Stunden mehr arbeiten würden, würde das BIP in der EU um 6 Prozent wachsen", erklärte Minister Brinkhorst und bewies damit seine Behauptung, "eine kleine Veränderung könne einen großen Unterschied machen". "Wir müssen einen Gang zulegen und die Agenda [von Lissabon] wieder auf mehr Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Wettbewerb ausrichten", schloss Brinkhorst und forderte flexiblere Arbeitsmärkte, Anreize für Innovation durch Exzellenz in der Forschung, bessere Gesetzgebung und niedrigere Steuern für mehr Produktivität und besseres Geschäftsklima.
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