EURAB bestürzt über mangelnden Fortschritt bei Geistes- und Sozialwissenschaften
Der Europäische Forschungsbeirat (EURAB) hat seine im Januar 2004 abgegebenen Empfehlungen zur Forschung im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften im Europäischen Forschungsraum (ERA) mit einem Fortschrittsbericht fortgeführt, aus dem hervorgeht, wie wenig die Empfehlungen bislang berücksichtigt wurden. Die Empfehlungen richteten sich ursprünglich an die Kommission zur Vorbereitung des Siebten Forschungsrahmenprogramms (RP7). Sie bezogen sich jedoch auch auf das aktuelle Rahmenprogramm und sollten auf die verbleibenden Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen unter dem RP6 Einfluss nehmen. In seinem jüngsten Bericht beklagt der EURAB, dass Forschung im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW) zwar nicht grundsätzlich aus den verbleibenden Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen oder den Gesprächen über das RP7 ausgeschlossen sei, ihr allerdings auch kein besonderer Stellenwert eingeräumt werde. "Angesicht der (potentiell) bedeutsamen Rolle der GSW in Verbindung mit der Tatsache, dass sie im Vergleich zu Natur-, Medizin- und Ingenieurwissenschaften relativ unterrepräsentiert sind, ist dies besonders besorgniserregend", so der EURAB. Der EURAB vertritt darüber hinaus die Auffassung, dass die GSW im Marimon-Bericht zur Effektivität der neuen Instrumente unter dem RP6, im Rahmen der jüngsten Sitzungen des Rats für Wettbewerbsfähigkeit sowie in der Agenda und Prioritätenliste der niederländischen Präsidentschaft schlichtweg ignoriert wurden. Auch wenn das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) einige der Empfehlungen des EURAB in einen kürzlich veröffentlichten Bericht aufgenommen hat, ist der Forschungsbeirat der Meinung, dass die Geisteswissenschaften und der damit verbundene besondere Bedarf weiterhin vernachlässigt werden. "Der Fokus liegt mehr denn je auf den Naturwissenschaften, auf technologischen Entwicklungen und technologischer Innovation", so der Wortlaut der EURAB-Berichts. Als einer der möglichen Gründe werden die kontinuierlichen Anstrengungen genannt, die Ziele von Lissabon und Barcelona zu erreichen, bei denen es darum geht, Europa zur wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft weltweit zu machen bzw. die Forschungsinvestitionen auf drei Prozent des BIP zu erhöhen. "Wirtschaftswachstum und höhere Wettbewerbsfähigkeit sind keine selbsterklärten Ziele und führen nicht immer - und nicht automatisch - zu mehr und besseren Arbeitsplätzen für alle Bürger, zu einer höheren Lebensqualität oder zu sozialer Kohäsion und Stabilität in einer erweiterten Europäischen Union", so der EURAB weiter. "[Die] entscheidende Rolle, die die GSW im Hinblick auf zentrale Fragestellungen spielen, die für die zukünftige Entwicklung Europas überlebenswichtig sind, wird immer noch nicht anerkannt [...]. [Viele] der Probleme, mit denen Europa derzeit konfrontiert ist, müssen über die GSW bearbeitet werden, z.B. die Legitimität der europäischen Institutionen, Terrorismus und europäisches Kulturerbe", fährt der EURAB in seinem Bericht fort. Der EURAB weist darauf hin, dass die von der Kommission eingeleiteten Initiativen wirkungsvoller und effektiver wären, wenn eine bessere Einbeziehung von Arbeitsgruppen oder Beiräten sichergestellt würde.