DFG gibt zehn Preisträger bekannt
Der Bewilligungsausschuss für die Allgemeine Forschungsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat heute die Preisträgerinnen und Preisträger im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm der DFG für das Jahr 2005 bestimmt. Zwei Wissenschaftlerinnen und acht Wissenschaftler werden mit dem renommiertesten deutschen Förderpreis ausgezeichnet. Die Fördersumme von 1,55 Millionen Euro ist für Forschungsarbeiten in einem Zeitraum von fünf Jahren vorgesehen und kann nach den Bedürfnissen der Preisträger flexibel eingesetzt werden. "Ziel des 1985 eingerichteten Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter Nachwuchswissenschaftler zu erleichtern", so die DFG. "Für den Preis können Wissenschaftler aus allen Fachgebieten nominiert werden. Der Nominierungsausschuss der DFG [...] wählt vor allem diejenigen Wissenschaftler aus, von denen er sich durch zusätzliche Förderung eine besondere Steigerung der wissenschaftlichen Leistungen verspricht", fügte die DFG hinzu. Die feierliche Verleihung der Preise im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm für 2005 findet am 2. März 2005 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt. Der Biochemiker Peter Becker von der Universität München wird für seine Arbeiten zur Dynamik von Chromatin-Strukturen, d.h. zu den Verpackungszuständen der DNA, ausgezeichnet. Peter Becker geht der Frage nach, wie sich die Verpackung der DNA im Zusammenhang mit der Regulierung von Genaktivitäten verändert. Es ist ihm mit seinen Arbeiten gelungen, ein neues Prinzip der Chromatin-Dynamik aufzudecken. Diese Forschungsergebnisse sind von großer Bedeutung für das Verständnis der Genaktivitäten bei der Entstehung von Krebs oder der embryonalen Entwicklung. Immanuel Bloch, 32 Jahre alt und Professor der Experimentalphysik an der Universität Mainz, wird für seine Arbeiten im Bereich der Bose-Einstein-Kondensate ausgezeichnet. Durch den Einsatz von Laserstrahlen hat er dabei erstmals ein Bose-Einstein-Kondensat so verändert, dass es in einen neuen Materiezustand überführt wurde, den so genannten Mott-Isolator-Zustand. Dieser Materiezustand hat grundlegend neue Eigenschaften, die unter anderem für die Entwicklung von Quantencomputern genutzt werden. Eine der beiden Wissenschaftlerinnen, die mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet werden, ist Stefanie Dimmeler von der Universität Frankfurt/Main. Das Arbeitsgebiet von Stefanie Dimmeler ist die Biologie der Blutgefäße. Sie hat wesentlich zum Verständnis der Arteriosklerose (Arterienverkalkung) beigetragen. Darüber hinaus bildeten ihre Arbeiten die Grundlage für erste klinische Studien zur Stammzelltherapie bei Infarktpatienten. Durch ein besseres Verständnis der biologischen und pathologischen Prozesse in der Gefäßwand will Professor Dimmeler die Grundlage für neue Behandlungsmethoden von Herz-Kreislauf-Erkrankungen schaffen. Jürgen Gauß von der Universität München wird für seine methodischen Beiträge im Bereich der Theoretischen Quantenchemie ausgezeichnet. Professor Gauß hat seine Erkenntnisse in leistungsfähige Computerprogramme umgesetzt, die inzwischen weltweit von vielen Forschungsarbeitsgruppen genutzt werden. Ein weiterer Preisträger ist Günther Hasinger, einer der weltweit führenden Wissenschaftler in der Röntgenastronomie. In den letzten Jahren hat sich Günther Hasinger am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching mit der Erforschung des Röntgenhintergrunds beschäftigt. Aktuell befasst er sich sowohl mit Untersuchungen aktiver Galaxienkerne als auch mit der Suche nach der Dunklen Materie. In diesem Zusammenhang ist er mit der Entwicklung von Röntgenteleskopen befasst, die unter anderem auch Fragen nach der Verteilung von Materie und der frühen Entwicklung von Sternen und Galaxien beantworten sollen. Christian Jung von der Universität Kiel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Ihm gelang es, ein Resistenz-Gen zum Schutz von Zuckerrüben gegen Fadenwürmer zu bestimmen. Darüber hinaus befasst sich Christian Jung sehr erfolgreich mit Genen, die die Geschlechtsausprägung von Pflanzen bestimmen. Professor Jung hat darüber hinaus einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion um die Grüne Gentechnik geleistet. Preisträger Axel Ockenfels, der an der Universität Köln Experimentelle Wirtschaftsforschung lehrt, hat mithilfe der Spieltheorie ein Verhaltensmodell entwickelt, das scheinbar widersprüchliche ökonomische Entscheidungsmuster erklären und vorhersagen kann. Dr. Ockenfels gehört derzeit zu den meist zitierten Autoren in seinem Arbeitsgebiet. Ein Schwerpunkt der Arbeit von Wolfgang Peukert ist die Partikeltechnik im Submikronbereich. Das Verhalten und die Wechselwirkung von Partikeln ist ausschlaggebend für die Eigenschaften eines Produktes. Professor Peukert lehrt Mechanische Verfahrenstechnik an der Universität Erlangen-Nürnberg. Durch seine Arbeiten zum Verhalten von Partikeln im Submikron- und Nanometerbereich hat Wolfgang Peukert die wissenschaftlichen Zusammenhänge geklärt und die Grundlagen für die gezielte Herstellung von Produkteigenschaften und damit für die Anwendung geschaffen. Die zweite Preisträgerin ist Barbara Stollberg-Rilinger, Professorin der Geschichte der frühen Neuzeit an der Universität Münster. Ihr wissenschaftliches Interesse gilt den politischen und kulturellen Bewegungen in Europa im 17. und 18. Jahrhundert. Ihre aktuellen Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Frage, wie die Ordnung der Stände und Ränge in der frühen Neuzeit durch symbolisches Handeln - beispielsweise Rituale und Zeremonien - konstituiert wurde. Andreas Tünnermann von der Universität Jena hat bahnbrechende Arbeiten zur Entwicklung von Hochleistungs-Faserlasern vorgelegt und damit die Grundlage für die Fertigung einfacher, kompakter und robuster Laser mit hoher Strahlqualität erarbeitet. Entscheidende Pionierarbeiten gelangen ihm auch bei der Verbesserung der optischen Eigenschaften von Glasfasern zur Lichterzeugung und damit ihrer Funktionalität als Lasermedium. Durch die Arbeiten von Andreas Tünnermann eröffnen sich neue Möglichkeiten für den Einsatz moderner Laserfasern, von der Grundlagenforschung über die Materialentwicklung bis hin zur Biophotonik.
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