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Polnischer Wissenschaftsminister stellt für CORDIS News Forschungsstrategie vor

In einem Interview mit CORDIS News betonte der polnische Minister für Wissenschaft und Technologien der Informationsgesellschaft Professor Michal Kleiber, dass sein Land große Anstrengungen unternehme und viel Geld investiere, um die polnische Forschungsleistung zu verbessern....

In einem Interview mit CORDIS News betonte der polnische Minister für Wissenschaft und Technologien der Informationsgesellschaft Professor Michal Kleiber, dass sein Land große Anstrengungen unternehme und viel Geld investiere, um die polnische Forschungsleistung zu verbessern. Polen stellt jedoch auch Forderungen an die Europäische Kommission. Der Minister legte dar, wie die Forschungsrahmenprogramme seiner Meinung nach angepasst werden sollten, um für seine Landsleute zugänglicher zu werden. Obgleich Polen derzeit hinsichtlich der Beteiligung am Sechsten Rahmenprogramm (RP6) auf dem zehnten Platz liegt, reicht dies nach Ansicht des Ministers nicht aus. Tatsächlich zahlt Polen derzeit mehr in das RP6 ein, als es in Form von Fördermitteln wieder zurückerhält. 'Diese Situation ist für Polen natürlich nicht akzeptabel', erklärt Professor Kleiber. 'Infolge der Einführung neuer Instrumente in das RP6 [Integrierte Projekte und Exzellenznetzwerke] wird die Kluft zwischen den Mitgliedstaaten größer', erklärt Professor Kleiber unter Bezugnahme auf die geringe Beteiligungsrate in den neuen EU-Mitgliedstaaten. Polen hat daher gemeinsam mit den anderen Visegrad-Ländern und Slowenien eine Liste mit Änderungen entworfen, die die Mitwirkung der neuen Mitgliedstaaten erleichtern würden. Diese umfassen die Vereinfachung administrativer Verfahren, die Beschleunigung von Verhandlungen und Vertragsabschlüssen, den verstärkten Einsatz traditioneller Instrumente wie z.B. spezifische gezielte Forschungsprojekte (STREPs), Programme für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie die Verbesserung der Verbindungen zwischen Forschung und Industrie. Professor Kleiber schlägt außerdem eine neue Initiative vor, die auf dem System der Technologieplattformen aufbaut, jedoch stärker auf gesellschaftliche Belange ausgerichtet ist. Die 'Europäischen Sozial- und Umweltplattformen' würden zu nachhaltigem Wachstum sowie der Entwicklung der Sozial-, Wirtschafts- und Umweltwissenschaften beitragen, so der Minister. Mit Forschungsausgaben in Höhe von nur 0,56 Prozent des BIP in 2003 hat Polen deutlichen Handlungsbedarf im eigenen Land, um seine Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Forschung zu steigern. Im Nationalen Entwicklungsplan war eine Erhöhung der Investitionen auf 1,5 Prozent des BIP bis 2006 vorgesehen, die jedoch voraussichtlich nicht erfolgen wird. Professor Kleiber räumt ein, dass geringe Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) der Hauptgrund für die sinkende Zahl von Erfindungen und Patenten in Polen sind. Anstatt jedoch in Selbstmitleid zu versinken, hat das Land eine Reihe von Initiativen eingeführt, mit denen die polnische Forschung unterstützt werden soll. Der neue Nationale Entwicklungsplan 2007-2013 wird die Ziele der Lissabon-Strategie integrieren - Europa bis 2010 durch die Entwicklung einer Wissenswirtschaft zur weltweit wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft zu machen. Im Rahmen eines horizontalen Programms innerhalb des Nationalen Entwicklungsplans - 'Wissenschaft, moderne Technologien und Informationsgesellschaft' - werden neue Instrumente der Wissenschaftspolitik sowie eine effizientere Nutzung öffentlicher und privater Finanzierungsquellen eingeführt, erklärt Professor Kleiber. Mit dem Programm werde die Entwicklung einer Informationstechnologie (IT)-Infrastruktur finanziert, eine Fokussierung auf Spitzentechnologie in denjenigen Bereichen, in denen Polen international stark ist, sowie die Schaffung neuer Verbindungen zwischen der polnischen und der internationalen (insbesondere der europäischen) Wissenschaft. Das Programm diene außerdem der Förderung von multi- und transdisziplinären Programmen, Partnerschaften zwischen Forschung und Industrie sowie der Entwicklung eines Umfelds, das für FuE für die Industrie förderlich ist, fügt Professor Kleiber hinzu. Obgleich die Mittel aus öffentlicher Hand begrenzt seien, werde bereits in den Aufbau neuer Forschungseinrichtungen, die Entwicklung eines der Wissensgesellschaft angemessenen Bildungssystems, die Einrichtung einer Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)-Infrastruktur sowie die Stärkung des polnischen Risikokapitalsektors investiert, erklärt der Minister. In Bezug auf Kritik an den schwachen Verbindungen zwischen akademischer Welt und Industrie hat das Ministerium für Wissenschaft und Technologien der Informationsgesellschaft die Einrichtung von Abteilungen für Forschungsmarketing in Hochschul- und Forschungseinrichtungen vorgeschlagen sowie die Einrichtung aktiver Netzwerke und die Prüfung guter Praktiken in ganz Europa. Die Regierung hat bereits dazu beigetragen, vier 'Makroregionen' mit folgenden Namen zu schaffen: 'Marine Cluster', 'Hi-Tech Highway', 'Central Innovation District of the 21st Century', und 'Aircraft Valley'. Diese Konzentration auf die Forschung ging bereits mit einigem Erfolg einher. Polen hat nicht so stark unter dem Braindrain gelitten wie einige Nachbarländer und das Land ist an vielen internationalen Projekten und Programmen beteiligt. 'Es lässt sich feststellen, dass die polnischen Wissenschaftler als Forschungspartner weltweit hohes Ansehen genießen, was durch eine Reihe von gemeinsamen Veröffentlichungen bestens dokumentiert wird - hier liegt Polen über dem EU-Durchschnitt', erklärt Professor Kleiber. Abschließend bezeichnet der Minister die polnische Wissenschaft als 'Spitzenreiter in der zweiten Liga' und äußert seine Zuversicht, dass 'das Potential viel größer ist und besser genutzt werden kann, wenn der Wissenschaftssektor in Polen reformiert wird und die zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen erhöht werden.'

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