ISS-Astronauten auf Konferenz: Wir möchten Symbol für internationale Kooperation sein
Könnte es ein besseres Symbol für die großen Fortschritte in der Raumfahrttechnologie im zweiten Teil des 20. Jahrhundert sowie den Anteil der internationalen Zusammenarbeit am Erzielen dieser Fortschritte geben als die Internationale Raumstation ISS? Auf einer Konferenz zum Thema 'Winning through cooperation' am 17. Februar in Brüssel, Belgien, wurde daher eine Direktverbindung zur derzeitigen Besatzung der ISS - Leroy Chiao aus den USA und Salischan Scharipow aus Russland - hergestellt. 'Ich möchte betonen, wie wichtig die Raumfahrt meiner Meinung nach ist. Ich bin sehr glücklich darüber, an dieser internationalen Mission mitzuwirken. Wir arbeiten gut zusammen und ich hoffe, Teil eines Symbols für die internationale Zusammenarbeit zu sein', erklärte Dr. Chiao. Bei der Konferenz, an der Minister aus aller Welt teilnahmen, wurden wiederholt Forderungen nach verstärkter Zusammenarbeit laut. Gleichzeitig wurden Erklärungen abgegeben, warum diese so wünschenswert sei. Professor John Logsdon, Leiter des Space Policy Institute an der George Washington University in den USA, verfolgte hierbei einen pragmatischen Ansatz und erklärte, warum die nationalen Regierungen zwar Zusammenarbeit wünschen, sie häufig aber auch als sehr schwierig empfinden: 'Die Regierungen investieren nicht in die Raumfahrttechnologie, weil sie gut ist, sondern weil sie eine Möglichkeit bietet, Fortschritte in anderen Gesellschaftsbereichen zu erzielen. Sie dient als Mittel zum Zweck, um eigene nationale Interessen zu verfolgen, ob es dabei nun um die politische Führungsposition oder um die beste Arbeitsweise in einem bestimmten Bereich geht. Die Motive sind sehr unterschiedlich und verändern sich mit der Zeit.' Eine weitere vom Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) Jean-Jacques Dordain genannte Schwierigkeit liegt darin, dass sich der Nutzen von Weltraumaktivitäten oft erst kurz vor Abschluss eines Projekts nach vielen Jahren der Zusammenarbeit zeigt. Dies hat jedoch nicht den Wunsch der ESA geschwächt, mit anderen zusammenzuarbeiten: 'Wir in Europa sind zu neuen Abenteuern mit europäischen und internationalen Partnern bereit', erklärte Dordain. Ein wichtiges Konferenzthema waren Europas Weltraum-Erfolge. Viele Redner zählten das Programm Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES) sowie das europäische Satellitennavigationssystem Galileo als Beispiele auf. Die deutsche Ministerin für Bildung und Forschung Edelgard Bulmahn berichtete von den jüngsten Bildern des Saturnmondes Titan, die von der ESA-Sonde Huygens aufgenommen wurden. Die Bilder haben für 'Stolz und Freude gesorgt sowie Respekt vor der Weite des Universums' hervorgerufen, erklärte Bulmahn. Dordain führte die vielen weiteren Erfolge der ESA an: 'Trotz des wesentlich geringeren Budgets im Vergleich zu anderen Raumfahrtagenturen ist die ESA die einzige Agentur, die den Mond und den Mars umkreist, auf dem Titan gelandet ist, Kometen jagt und sich darauf vorbereitet, zur Venus zu fliegen.' Die EU wurde bei der Konferenz von Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen vertreten, der erklärte, warum die Raumfahrttechnologie nun auf der EU-Agenda weit oben stehe, und höhere Fördermittel ab 2007 versprach. Durch die EU-Erweiterung auf 25 Mitgliedstaaten habe die EU auf internationaler Ebene nun eine wichtigere Rolle sowie ein stärkeres Interesse an Außen- und Sicherheitspolitiken. In dieser Hinsicht 'stellt die Raumfahrtpolitik einen unentbehrlichen strategischen Vorteil dar', erklärte Verheugen. Sie sei zudem von wirtschaftlichem Interesse. Der Satellitennavigationsmarkt werde bis 2020 schätzungsweise 200 Milliarden Euro pro Jahr wert sein und der Raumfahrtsektor im Allgemeinen biete viele Arbeitsplätze mit hohem Mehrwert. 'Wohlstand und Wachstum können jedoch nicht ohne Investitionen erreicht werden. Wachstumsmotoren wie Forschung und Entwicklung [FuE], moderne Technologie, höchstmögliche Qualifikationen und effiziente Netzwerke haben ihren Preis. In Übereinstimmung mit Kommissar Potocnik habe ich beschlossen, die FuE-Bemühungen für die Raumfahrt wesentlich zu verstärken. Ich hoffe, dass sich darüber hinaus entsprechende öffentlich-private Partnerschaften entwickeln werden. EU-Geld muss jedoch auch Wert haben. Neue Instrumente müssen maximalen Wert erbringen. Wir müssen den Mut haben, Prioritäten zu setzen und nicht nur zu europäisieren [...]' erklärte Verheugen. Auf die Frage nach dem zukünftigen EU-Raumfahrtbudget erklärte Verheugen, dass das Budget im Siebten Forschungsrahmenprogramm (RP7) 'beträchtlich höher' sein werde als im RP6. Er fügte hinzu, dass er 'vollkommen zufrieden' mit den Gesprächen mit Kommissar Potocnik über die Raumfahrtbudgetbeschränkung sei.