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Inhalt archiviert am 2023-03-01

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Potocnik: Internationalisierung von F&E - Chancen höher als Risiken

Die heutige zunehmend globale Wirtschaft hat viele Folgen und im wissenschaftlichen Bereich ist die vielleicht offensichtlichste davon die Internationalisierung von Forschung und Entwicklung (F&E). Unternehmen, die Forschungsarbeiten durchführen möchten, können inzwischen in...

Die heutige zunehmend globale Wirtschaft hat viele Folgen und im wissenschaftlichen Bereich ist die vielleicht offensichtlichste davon die Internationalisierung von Forschung und Entwicklung (F&E). Unternehmen, die Forschungsarbeiten durchführen möchten, können inzwischen in jedem Teil der Welt Forschungsstätten einrichten und gründen ihre Entscheidung eher auf lokale Möglichkeiten und die Verfügbarkeit und Kosten qualifizierter Forscher als darauf, wo die Einrichtung ihren Hauptsitz hat. Welche Herausforderungen und Möglichkeiten schafft dieser Trend und wie können die öffentlichen Behörden diesen Prozess unterstützen und möglicherweise entstehende negative Folgen abmildern? Diese Fragen versuchten Regierungsminister, Unternehmensleiter und Wissenschaftler auf einem von der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am 29. und 30. März in Brüssel organisierten Forum anzugehen. Wie zahlreiche Delegierte herausstellten, waren die grenzüberschreitenden F&E-Ströme bisher hauptsächlich auf die "Triade" USA, Japan und Europa begrenzt. Tatsächlich werden 80 Prozent der Unternehmensforschung im Ausland derzeit in diesen drei Regionen durchgeführt. Aber laut dem EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung Janez Potocnik scheint sich dies zu ändern. "Länder wie China, Indien und Brasilien werden ein neues Element in die Internationalisierung von F&E einbringen", sagte er. "Laut einer Studie von 2004 sind diese Länder jetzt die Ziele erster, dritter bzw. sechster Wahl für neue F&E-Investitionen im Ausland." Potocnik bewunderte den schnellen Fortschritt Chinas innerhalb von nur ein paar Jahren und verglich die F&E-Globalisierung des Landes mit der von gut entwickelten, wenn auch kleineren europäischen Ländern. "Grundsätzlich profitieren alle von diesem Trend. Wir müssen ihn unterstützen und die Vorteile für die teilnehmenden Länder hervorheben, da dies dem Protektionismus sicherlich vorzuziehen ist." "Aber wir dürfen die damit verbundenen Risiken nicht ignorieren - wir müssen sie verringern. Die asymmetrische Entwicklung der internationalen F&E könnte bestimmten Teilen der Welt einen unfairen Vorteil verschaffen und andere benachteiligen. Beispielsweise wird der 'Brain Drain' qualifizierter europäischer Forscher als ein Problem angesehen - eines das real genug ist, um Maßnahmen zu veranlassen", sagte der Kommissar. Potocnik nannte das Beispiel des Biotech-Sektors, in dem viele der besten Biotech-Forscher Europas in die USA abgewandert sind, mit dem Ergebnis, dass sich inzwischen eine riesige Kluft hinsichtlich des Finanzierungsniveaus für die Biotech-Forschung zwischen der EU und den USA eröffnet hat. Die Reaktion Europas muss nach Auffassung des Kommissars darin bestehen, seine Attraktivität als Standort für private Forschungsinvestitionen zu maximieren. "Dies wird umfassende politische Maßnahmen unterschiedlicher Natur erfordern, darunter verschiedene steuerliche Anreize, verbesserte Rahmenbedingungen, qualifizierte Humanressourcen, effektive Systeme im Bereich des geistigen Eigentums und Infrastrukturen für die Grundlagenforschung und angewandte Forschung. Leider werden nur langsam Fortschritte erzielt, was sich - insbesondere in den Mitgliedstaaten - ändern muss", sagte er. Europa muss außerdem die für beide Seiten vorteilhafte Forschungszusammenarbeit sowohl mit Industrieländern als auch mit aufstrebenden Volkswirtschaften intensivieren, was Potocnik zufolge dazu beitragen wird, die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu verbessern und die besten Forscher auf diesen Kontinent zu bringen. Ein Delegierter aus Südafrika fragte Potocnik, der zuvor die Abwanderung hoch qualifizierter europäischer Forscher in andere Teile der Welt, insbesondere die USA, bedauert hatte, wie der Wunsch Europas, die besten internationalen Forscher auf den europäischen Kontinent zu bringen, als "fair" angesehen werden könnte. "Mobilität ist gut, aber Brain Drain ist schlecht, um es ganz einfach auszudrücken", antwortete er. "Die EU möchte unbedingt die internationale Mobilität fördern. Wenn also beispielsweise Forscher aus Entwicklungsländern zum Arbeiten nach Europa kommen, wird das letzte Jahr der EU-Finanzierung zur Finanzierung von Arbeiten in ihrem Heimatland verwendet - wir wollen, dass sie in ihre Heimat zurückkehren!" Das Argument des Kommissars wurde durch Kommentare des Direktors für bilaterale Angelegenheiten im ungarischen Nationalen Büro für Forschung und Technologie Andras Roboz unterstützt. "Mobilität ist ein Konzept, das wir fördern müssen. Der Brain Drain selbst ist kein großes Problem, aber die mangelnden Gelegenheiten zur Rückkehr sind es." Doch selbst im Fall von Forschern, die ihre Heimatländer verlassen, um niemals zurückzukehren, sieht Roboz einen potenziellen Nutzen: "Diese Forscher können sehr nützlich für den Aufbau von Netzwerken in ihrem Gastgeberland sein." Während es möglicherweise gewisse Trends in der Internationalisierung der F&E gibt, die die politischen Entscheidungsträger in diesem Bereich gerne umkehren möchten, halten dennoch viele Europa für gut platziert, um von dem zunehmend grenzüberschreitenden Charakter der wissenschaftlichen Anstrengungen zu profitieren. Schließlich hat die EU über zwanzig Jahre lang die internationale Forschungszusammenarbeit unter ihren Mitgliedstaaten durch die Rahmenprogramme gefördert. Falls irgendeine Region der Welt weiß, wie aus wissenschaftlicher Zusammenarbeit maximaler Nutzen gezogen werden kann, so sollte dies Europa sein, wird argumentiert. Kommissar Potocnik scheint dem zuzustimmen: "Die Herausforderungen für die Menschheit sind zunehmend global und wir müssen Möglichkeiten finden, sie durch einen koordinierten Ansatz anzugehen. Die Internationalisierung der F&E kann Antworten auf diese Herausforderungen liefern. Es stimmt, dass dieser Ansatz mit Risiken verbunden ist, aber die Zahl der Chancen ist wesentlich höher", sagte er abschließend.

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