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Inhalt archiviert am 2023-03-01

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IST-Projekt schafft erste virtuelle Gesellschaft

Seit der Einführung der sozialen Simulation Anfang der 90-er Jahre, die Computerprogramme nutzt, um mit sozialen Systemen zu experimentieren, sind in diesem Bereich stetige Fortschritte erzielt worden. Aufgrund der Einschränkungen im Bereich der Datenverarbeitung hat sich die ...

Seit der Einführung der sozialen Simulation Anfang der 90-er Jahre, die Computerprogramme nutzt, um mit sozialen Systemen zu experimentieren, sind in diesem Bereich stetige Fortschritte erzielt worden. Aufgrund der Einschränkungen im Bereich der Datenverarbeitung hat sich die Forschung bisher allerdings auf die Entwicklung einfacher sozialer Systeme konzentriert. Eine im Rahmen des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) der EU finanzierte internationale Zusammenarbeit wird dies nun ändern. Das Projekt NEW TIES (New and Emergent World Models Through Individual, Evolutionary and Social Learning - Neue und sich entwickelnde Weltmodelle durch individuelles, evolutionäres und soziales Lernen) zielt darauf ab, die weltweit erste, hoch entwickelte virtuelle Gesellschaft, die auf computersimulierten Individuen beruht, zu schaffen. Das Konsortium umfasst führende Wissenschaftler der Bereiche künstliche Intelligenz, Sprachentwicklung, agentenbasierte Simulation und Computerentwicklung von Universitäten der Niederlande, des VK und Ungarns. Ihre dreijährige Zusammenarbeit wird im Rahmen des Programms "Technologien der Informationsgesellschaft (IST)" des RP6 mit einem Betrag in Höhe von 1,55 Millionen Euro finanziert. Laut Aussagen des Konsortiums werden die künstlichen Wesen im Laufe der gesamten Computersimulation voneinander unabhängige Verhaltensweisen aufzeigen, ganz ähnlich wie die Charaktere beliebter Computerspiele wie z. B. "SIMS" oder "Black and White". Der Hauptunterschied liegt darin, dass die NEW TIES-Charaktere lern- und entwicklungsfähig sind. Das Ziel besteht darin, eine Gesellschaft zu entwickeln, die durch Kooperation und Interaktion in der Lage ist, ihre Umgebung zu verstehen und zu erkunden. Um dieses Ziel im Rahmen eines derart komplexen Programms zu erreichen, werden die künstlichen Wesen oder "Agenten" mit der Fähigkeit ausgestattet, ein Kommunikationssystem oder eine Sprache zu entwickeln, damit sie kooperieren und überleben können. Die Agenten selbst werden dabei also die Aufgabe haben, diese besondere Sprache zu entwickeln. Sie sollen diese und weitere fortgeschrittene Fähigkeiten durch individuelles, evolutionäres und soziales Lernen entwickeln. Die Fähigkeit des sozialen Lernens der Agenten durch gegenseitige Weitergabe von Kenntnissen, beispielsweise durch "Mütter", die ihre "Kinder" lehren, ist in der Tat eines der vielen neuartigen Elemente des Projekts. Ein mögliches Ergebnis dieses sozialen Lernprozesses, das bei dem Team sicherlich Begeisterung hervorrufen würde, sind Anzeichen einer sich entwickelnden Kultur, die gemeinsam von den Agenten des Programms geschaffen wird. Neben der technologischen Innovation des Projekts wird damit gerechnet, dass die Forschung auch erhebliche Auswirkungen auf die Gestaltung der Informationstechnologien, evolutionäre Computersysteme, agentenbasierte Computerprogrammierung, künstliche Intelligenz und vor allem auf die Linguistik haben wird. Nach Ansicht des Teammitglieds Nigel Gilbert von der Universität Surrey im VK stellt dieses Projekt den nächsten Schritt im Bereich der Erforschung der Sprachentwicklung dar. "Bisher war ein derartiges Projekt nicht durchführbar und gehörte in den Science-Fiction-Bereich. Niemand hielt die Durchführung eines derartigen Projekts für möglich. Doch nun, da die gewaltigen Computerressourcen, die zur Schaffung einer künstlichen Gesellschaft notwendig sind, einfacher zugänglich und die Arbeiten zur Sprachentwicklung weiter fortgeschritten sind, sind wir in der Lage, den Versuch zu starten, eine derartige künstliche Gesellschaft zu schaffen", so Professor Gilbert weiter. Der Projektkoordinator Gusz Eiben von der Freien Universität Amsterdam erklärt, dass selbst, wenn das Team erfolgreich sein sollte, noch große Hürden zu nehmen seien: "Eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen dieses Projekts besteht nicht nur in der Entwicklung einer Sprache, sondern auch darin, diese zu verstehen." "Doch sollte sich unsere Hoffnung tatsächlich bestätigen und eine Sprachentwicklung stattfinden, wie können wir verstehen, worüber sich die Individuen unterhalten? Wir beabsichtigen, den Sprachentwicklungsprozess als solchen zu beobachten und nicht nur das Endergebnis zu berücksichtigen. Dabei hoffen wir, dass wir mit der Sprachentwicklung Schritt halten können", so Professor Eiben abschließend.

Länder

Ungarn, Niederlande, Vereinigtes Königreich

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