Bericht: Finanzierungslücke stellt die europäische Biotechnologie-Branche vor Probleme
In einem neuen Bericht, in dem die Situation der Biotechnologie-Branche in Europa mit der in den USA verglichen wird, wird das Fazit gezogen, dass der mangelnde Zugang zu Finanzierung ein Haupthindernis für die Biotechnologie-Unternehmen in Europa darstellt. Der Bericht, der von der Biotechnologie-Unternehmensberatung Critical I veröffentlicht wurde, ist der erste seiner Art, in dem eine einheitliche Definition von Biotechnologie verwendet wird und der somit einen echten Vergleich zwischen den Ländern ermöglicht. Obwohl es einige positive Tendenzen gibt, zeigen die Ergebnisse insgesamt, dass Europa noch viel tun muss, um mit den USA gleichzuziehen. So heißt es zum Beispiel in dem Bericht: "[O]bwohl es in Europa und den USA die gleiche Anzahl von [Biotech-] Unternehmen gibt, sind in der Biotechnologie-Branche in den USA doppelt so viele Menschen beschäftigt, wird fast dreimal so viel für Forschung und Entwicklung ausgegeben [und] drei- bis viermal so viel Risikokapital investiert." In dem Bericht wird das so genannte "europäische Eliteunternehmen" definiert - es ist relativ groß, befindet sich im Wachstum und investiert kontinuierlich in Forschung und Entwicklung (F&E). "Europäische Eliteunternehmen können mit US-Firmen hinsichtlich Finanzen, Personal und Geschäftsabschlüssen konkurrieren", erläutert John Hodgson, Direktor von Critical I. "Das Problem ist, dass es einfach nicht genug davon gibt." Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Finanzierungslücke wahrscheinlich das größte Hindernis für die europäische Biotech-Branche ist. Insbesondere führen fehlende geeignete Finanzierungsmöglichkeiten zu einem späteren Zeitpunkt im Konjunkturzyklus häufig dazu, dass viele Unternehmen nach drei bis fünf Jahren aufgeben müssen. Eine wichtige Rolle, um dieser Finanzierungslücke entgegenzutreten, spielt laut Johan Vanhemelrijk, Generalsekretär von EuropaBio, dem Verband der Biotechnologie-Branche, die Reaktion auf EU-Ebene. "Es ist entscheidend, dass die Europäische Union, z.B. die [Europäische Investitionsbank] und der [Europäische Investitionsfonds] neu überlegen, wie sie den Markt so stimulieren können, dass in Innovation investiert wird", sagte er. Es gibt einige positive Zeichen in der europäischen Biotechnologie-Branche. Obwohl in Europa weniger Mitarbeiter beschäftigt sind und weniger Einkünfte erwirtschaftet werden, gibt es mehr Biotech-Unternehmen als in den USA und es werden derzeit jedes Jahr viel mehr neue gegründet als dort. Die immer größer werdende Lücke bei den Forschungsinvestitionen - die so entscheidend für neue Produkte und Märkte sind - bereitet der Kommission jedoch große Sorgen. Beim internationalen Forum der Biowissenschaften BioVision am 14. April in Lyon unterstrich das Kommissionsmitglied für Unternehmen und Industrie Günter Verheugen, dass Europa 1990 für die pharmazeutische Forschung 50 Prozent mehr als die USA ausgegeben habe, die Situation sich jedoch bis 2001 - mit 40 Prozent höheren Ausgaben in den USA - gewandelt habe. "Wir dürfen diese wachsende Lücke nicht unterschätzen. Der Verlust von F&E in den Biowissenschaften wird erhebliche soziale und wirtschaftliche Konsequenzen für Europa haben", so der Kommissar. "Ich möchte die Situation nicht übermäßig dramatisieren, doch es ist höchste Zeit, diesen Trend umzukehren und Europas Potenzial frei zu machen. Ich bin überzeugt, dass der Biotechnologie-Sektor eine bedeutende Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung Europas spielen kann, und ich möchte nicht, dass er im Hinblick auf die globale Wettbewerbsfähigkeit weiter zurückfällt." "Was mich betrifft, beabsichtige ich, alle der Kommission zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um [...] zu gewährleisten, dass europäische Unternehmen bei der Entwicklung und Anwendung von Biotechnologie mit an der Spitze stehen", schloss der Kommissar.