Deutschland fordert mehr Innovation
Deutsche Unternehmen müssen mehr Mut bei der Umsetzung von Erfindungen in vermarktbare Produkte beweisen, so Bundeskanzler Gerhard Schröder in einem Plädoyer zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Bei der Eröffnung einer bundesweiten Initiative zur Förderung talentierter Nachwuchswissenschaftler lenkte der Bundeskanzler die Aufmerksamkeit auf ein neues Maßnahmenpaket der Regierung im Wert von 1,9 Milliarden Euro. Mit den Maßnahmen sollen Universitäten und Spitzenforschungszentren bei der Entwicklung innovativer Technologien und Produkte unterstützt werden. "Niemand sagt, dass wir Risiken ignorieren sollen", sagte Schröder. "Es wäre allerdings gleichermaßen unangebracht, ständig zu analysieren, was schief gehen könnte und wie wir die Folgen auf ein Mindestmaß reduzieren könnten. Deutschland braucht eine Kultur, die sich vor allem auf die Chancen konzentriert, und dabei selbstverständlich die Risiken nicht gänzlich aus dem Blick verliert." Des Weiteren sicherte Schröder 140 Millionen Euro staatliche Beihilfen für innovative Start-Ups zu und forderte die Bundesländer auf, mehr Mittel für Verbesserungen im Bildungswesen freizusetzen. Technologische Fortschritte wie das Faxgerät oder das Mobiltelefon sind zu Symbolen des Einfallsreichtums der deutschen Forschung geworden - aber auch zum Symbol für die Unfähigkeit des Landes, aus diesen lukrativ vermarktbare Produkte zu machen. Die Basistechnologie kommt angeblich aus Deutschland, doch sind es Unternehmen aus anderen Ländern, die letzten Endes mit dem Verkauf der Produkte Gewinn machen. Aus diesem Grund ist die Notwendigkeit, Innovation, Forschung und Entwicklung (F&E) zu fördern, zu einem Hauptthema der deutschen Politik geworden. Regierung und Opposition erarbeiten gleichermaßen Pläne zur Verbesserung dessen, was sich scheinbar zum Schwachpunkt der Wirtschaft des Landes entwickelt hat. Am 18. April organisierte die Opposition das "Forum Innovation" zur Innovation in Deutschland. Hierbei kritisierte die CDU-Vorsitzende Angela Merkel die Regierung wegen der ihrer Aussage nach repressiven Einmischung in die Freiheit von Wissenschaft und Forschung. "Wir sollten gewährleisten, dass Forschungsprojekte nur von Forschern bewertet werden", so Merkel. "Wenn die Politik Einfluss auf die Wissenschaft nimmt, hat dies negative Auswirkungen auf die Innovation. Politiker tendieren dazu, nur jene Projekte zu unterstützen, die in der Öffentlichkeit bereits bekannt sind und die eine gewisse Anerkennung erlangt haben." Merkel warf den Grünen in Deutschland außerdem Voreingenommenheit gegenüber der Gentechnik vor. Laut der Oppositionsführerin ziele ein jüngst angenommenes Gesetz zur Gentechnik der rot-grünen Regierungskoalition unmissverständlich darauf ab, Innovation in der Landwirtschaft zu verhindern, statt diese Technologie zu fördern. Beobachter gehen nun davon aus, dass Parteistrategien zur innovativen Wirtschaft in Deutschland wahlentscheidend sein könnten. "Eine Partei, die dieses Thema vernachlässigt, wird Deutschland große Probleme bereiten", so der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuther gegenüber der "Deutschen Welle". "Die Förderung der Innovation ist eine unabdingbare Angelegenheit für alle politischen Organisationen geworden", fügte er hinzu.
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