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Inhalt archiviert am 2023-03-01

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Genetische Sequenzierung zeigt: Schimpansen und Menschen sind sich "so nah und doch so fern"

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat den genetischen Code des Schimpansen, unseres engsten lebenden Verwandten, sequenziert und ihn mit dem menschlichen Genom verglichen. Der Vergleich zeigt, dass die DNA-Sequenz der beiden Arten zu 99 Prozent identisch ist. Das G...

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat den genetischen Code des Schimpansen, unseres engsten lebenden Verwandten, sequenziert und ihn mit dem menschlichen Genom verglichen. Der Vergleich zeigt, dass die DNA-Sequenz der beiden Arten zu 99 Prozent identisch ist. Das Genom des Schimpansen ist das erste Primatengenom, das sequenziert wurde. Die weitere Forschung wird sich auf die Bedeutung der Unterschiede konzentrieren und versuchen aufzudecken, was Menschen menschlich macht und sie somit von Tieren unterscheidet. Die Studie wurde von einer internationalen Gruppe unter dem Namen Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium durchgeführt. Sie bestand aus 67 Wissenschaftlern von 23 Forschungseinrichtungen in den USA, Deutschland, Italien, Israel und Spanien. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht. Die Arbeit bietet einen Katalog der genetischen Unterschiede, die aufgetreten sind, seitdem sich vor etwa sechs Millionen Jahren aus einem gemeinsamen Vorfahren Menschen und Schimpansen entwickelt haben. Diese Daten und alle zukünftigen Daten des Konsortiums werden öffentlich zur Verfügung gestellt, was bedeutet, dass Wissenschaftler weltweit zu der Arbeit beitragen können. Vor mehr als einem Jahrhundert behaupteten Darwin und Huxley, dass die Menschen und die afrikanischen Menschenaffen gemeinsame Vorfahren in der jüngeren Geschichte haben. Diese Annahme wurde durch moderne Molekularstudien bestätigt, die zeigen, dass der gemeine Schimpanse (Pan troglodytes) und der Bonobo (Pan paniscus oder Zwergschimpanse) die engsten lebenden Verwandten der Menschen in der Evolutionsgeschichte sind. Schimpansen eignen sich daher besonders, uns etwas über uns selbst zu lehren, nicht nur was Ähnlichkeiten, sondern auch was Unterschiede zu Menschen angeht, die sich durch spezifisch menschliche Eigenschaften ausdrücken, wie z.B. aufrechter Gang, Gebrauch von Werkzeugen, ein weit größeres Gehirn und eine komplexe Sprache. Wichtige Ähnlichkeiten und Unterschiede konnten auch in Bezug auf das Auftreten und die Schwere von verschiedenen häufigen menschlichen Krankheiten festgestellt werden. Der Vergleich des menschlichen und des Schimpansengenoms kann dazu beitragen, die molekulare Basis für diese Merkmale aufzudecken sowie die evolutionären Kräfte, die zur Bildung von Arten geführt haben, einschließlich zugrunde liegender Mutationsprozesse und selektiver Einschränkungen. Das Konsortium hat festgestellt, dass die Genome des Schimpansen und des Menschen "verblüffend ähnlich sind und sehr ähnliche Proteine kodieren". Die Studie zeigt, dass wir uns bezüglich der Gene, die die Proteine kodieren, die unseren Körper aufbauen und erhalten, nur zu 1,2 Prozent unterscheiden. Der Unterschied beträgt etwa 4 Prozent, wenn man DNA-Insertionen und -Deletionen oder nicht kodierende DNA berücksichtigt. Die Forscher erklären, dass Menschen und Schimpansen im Laufe der Evolution mehr potenziell gesundheitsschädliche Mutationen in ihren Genomen angehäuft haben als Mäuse, Ratten und andere Nagetiere. Während solche Mutationen Krankheiten verursachen und die Gesundheit einer Art insgesamt schwächen können, glauben die Forscher, dass sie vielleicht auch der Ursprung der Anpassungsfähigkeit von Primaten an schnelle Umweltveränderungen sein könnten und es ihnen ermöglicht haben, einzigartige evolutionäre Anpassungen zu erzielen. In den nächsten Jahren wird uns dieser Vergleich ermöglichen, mehr darüber zu erfahren, wie sich das menschliche Genom entwickelt hat und besser zu verstehen, warum Menschen Krebs und andere Krankheiten bekommen, an denen Schimpansen äußerst selten leiden.

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