Gewinner des Descartes-Preises: "Die Vermittlung von Wissenschaft muss die Menschen emotional berühren"
Wolfgang Heckl gehört zu einer seltenen Art von Menschen - er ist ein führender Wissenschaftler, dessen Bemühungen, seine Arbeit einem breiten Publikum zu vermitteln, ihn in Deutschland und darüber hinaus bekannt gemacht haben. Professor Heckl ist nicht nur Professor für Experimentalphysik und Nanowissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität und Direktor des größten Museums in Deutschland, dem Deutschen Museum in München, er tritt auch häufig im Fernsehen und Radio auf und veröffentlicht regelmäßig Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Für diese und andere Leistungen erhielt Professor Heckl 2004 den Descartes-Preis für die Vermittlung von Wissenschaft der EU, den er sich mit einer anderen führenden Persönlichkeit in der Popularisierung von Wissenschaft, Sir David Attenborough, teilt. Er wird auch einer der Referenten auf der Konferenz "Communicating European Research" der Kommission sein, die am 14. und 15. November in Brüssel stattfindet. Auf die Bitte, CORDIS-Nachrichten das Geheimnis erfolgreicher Wissenschaftskommunikation zu verraten, rückte Professor Heckl, vielleicht nicht überraschend, sofort das Publikum in den Mittelpunkt. "Man muss auf sein Publikum achten", meinte er. "Man muss mit ihm kommunizieren und nicht dozieren - daher lese ich nie einen zuvor verfassten Text vor." Für Wissenschaftler sei es wichtig, die Gefühle derjenigen zu respektieren, mit denen sie versuchen zu kommunizieren, fügte er hinzu. Wenn beispielsweise Menschen besorgt sind, dass ein bestimmtes Gebiet der Wissenschaft gefährlich sein könnte, sei es nicht ausreichend, einfach zu sagen: "Vertrauen Sie mir, ich bin der Experte". Während die wissenschaftliche Methode zum Ziel habe, den Wissenschaftler als Persönlichkeit von seiner Forschung zu trennen, ist es laut Professor Heckl bei der Kommunikation wichtig, das menschliche Element zu beachten. "Ich bin Physiker, aber ich bin auch ein Mensch", betonte er. Am wichtigsten für den Vermittler von Wissenschaft sei jedoch, ein Element in seinem Thema zu finden, dass die Seele der Zuhörer berührt. "Man muss Beispiele finden, die die Zuhörer auf emotionaler Ebene berühren und die Wissenschaft für sie und ihr Leben relevant machen", so seine Überzeugung. Doch die wissenschaftliche Forschung wird immer spezialisierter. Wie können Wissenschaftler also wirksam ein Thema, das z. B. so komplex wie die Nanowissenschaft ist, einem allgemeinen Publikum vermitteln? "Ja, auf einer gewissen Ebene ist die Komplexität für uns eine Herausforderung, da beispielsweise die unsichtbare Quantenwelt sehr schwierig zu erklären ist. Doch es ist vielleicht weniger schwierig zu erklären, wie ein Dieselmotor funktioniert, als die Theorie selbstordnender Moleküle oder die Quantenkryptographie, aber für die Menschen kann dies faszinierender und spannender sein, und damit hat man immer gewonnen", argumentiert Professor Heckl. Die tatsächliche Gefahr liege darin, sein Publikum zu unterschätzen, meint er. "Nehmen Sie nicht an, dass Ihre Zuhörer dumm sind - geben Sie zu, dass die Welt komplex ist, und versuchen Sie, damit klar zu kommen. Nicht jeder wird verstehen, was Sie sagen - wenn alle das tun, haben Sie es wahrscheinlich zu einfach gemacht - aber hoffentlich gehen die Leute mit der Motivation nach Hause, mehr zu lernen." Eine allgemeine Regel für Wissenschaftskommunikation, so Professor Heckl, sei, dass es wichtiger ist, dem Publikum Fragen zu stellen, als zu versuchen, ihm alle Antworten zu geben. Was die Wissenschaftler selbst betrifft, ist Professor Heckl nicht der Auffassung, dass alle sich verpflichtet fühlen sollten, erfolgreiche Vermittler zu sein. Einige Einzelne werden immer ihren größten Beitrag im Labor leisten, und er meint, sie sollten das Recht haben, ihrer Arbeit so nachzugehen, wie sie es für angemessen halten. "Wir können nicht alle gute Vermittler sein", sagt er, "aber trotzdem sollte es heutzutage mehr davon geben." Anstatt das Argument zu predigen, dass öffentliche Förderung der Wissenschaft die Forscher verpflichtet, ihre Arbeit den Bürgern zu vermitteln (auch wenn dies zutreffen mag), schlägt Professor Heckl vor, an "egoistischere" Belange zu appellieren. "Wenn man seine Forschung vermittelt, hört man ständig neue Ansichten dazu, sowohl von Laien als auch Fachleuten, was einem neue Ideen geben und in neue Richtungen führen kann", erklärt er. Aus eigener Erfahrung sagt der Professor, dass die Auszeichnung mit einem so anerkannten Preis wie dem Descartes-Preis dazu beigetragen hat, ihm mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, was seine Arbeit sehr viel einfacher macht. Er argumentiert, dass eine größere Anerkennung und Anreize für andere Wissenschaftsvermittler helfen würden, die Qualität und die Wirkung ihrer Bemühungen zu steigern. Mit seinen Auftritten in Fernsehen und Radio und regelmäßigen Beiträgen in der nationalen Presse in Deutschland ist Professor Heckl schon immer für eine breite Nutzung von Medien zur Vermittlung von Wissenschaft eingetreten. "Alle Medien haben ihre Vorteile, wenn sie richtig genutzt werden, und genauso gibt es sowohl schlechtes Fernsehen als auch schlechte Zeitungsartikel. [...] Entscheidend ist, seinen Kommunikationsstil jedem Medium anzupassen, und indem man allen Arten von Medien Aufmerksamkeit schenkt, kann man ein ganz unterschiedliches Publikum erreichen", erläutert er. Professor Heckl, betrachtet das Deutsche Museum, dessen Direktor er ist, ganz sicher als ein effektives Medium für Wissenschaftskommunikation. Wenn es darum geht, es voll zu nutzen, versuchen er und sein Team sich die Möglichkeiten des interaktiven Lernens ganz zum Vorteil zu machen. "Unsere Einrichtung ist sowohl ein Museum als auch ein Wissenschaftszentrum", erklärt er, "und wir haben hier Sozialwissenschaftler, die beobachten und versuchen, aus den Interaktionen zwischen Experten und Besuchern zu lernen. Wir experimentieren direkt mit der Wissenschaftskommunikation." Auf die Frage von CORDIS-Nachrichten, was seiner Meinung nach das übergeordnete Ziel von Wissenschaftsvermittlern sein sollte, antwortete Professor Heckl: "Zu einer demokratischen Gesellschaft und der Schaffung 'verantwortlicher Bürger' beizutragen. Das ist nicht das einzige Ziel, aber wenn Sie mich nach dem übergeordneten Ziel fragen, dann ist es dieses." Mit Blick auf seinen Vortrag bei der Konferenz in Brüssel und in Gedanken darüber, was Europa tun kann, um die Qualität der Wissenschaftskommunikation zu verbessern, sorgt sich Professor Heckl, dass es für die politischen Entscheidungsträger darauf keine einfache Antwort gibt, da dies eine komplexe Frage sei. "Dann wiederum könnte man argumentieren, dass viele der Punkte, die ich gerade genannt habe, bereits hinreichend bekannt sind, doch entscheidend ist, jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun, und dabei würde den Wissenschaftsvermittlern etwas mehr Hilfe von Nutzen sein. Sie brauchen Fortbildung und Anreize, und auch wenn nicht jeder ein David Attenborough oder ein Carl Sagan sein kann, brauchen wir mehr davon in Europa", meinte er abschließend.
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