Europa muss innovativer werden, sonst droht langsamer Niedergang, so Verheugen
Der EU-Kommissar für Unternehmen und Industrie Günter Verheugen appellierte an alle Beteiligte der Innovationskette, ihren Teil dazu beizutragen, dass Europa den Herausforderungen aus den USA und aufstrebenden Wirtschaften zuversichtlich begegnen kann. Verheugen forderte, dass alle Interessengruppen zusammenarbeiten und dass Regierungen ihre nationalen Reformprogramme jetzt umsetzen und ihren Unternehmen die Möglichkeit geben, das Beste aus ihren unternehmerischen Erfahrungen und ihrem Know-how zu machen. Außerdem solle die EU die Mobilisierung des privaten Sektors durch Förderungen zusichern. "Entweder erreichen wir einen innovativeren Wachstumspfad, oder wir erleben einen langsamen Niedergang", so seine ultimative Forderung. Einzelne Mitgliedstaaten und Regionen, seien sie auch noch so engagiert, könnten allein nicht die notwendige kritische Masse aufbringen, mit der die EU die Innovationen verwirklichen kann, die erforderlich sind, um auf dem Weltmarkt konkurrieren zu können, sagte der Kommissar. Europäische Unternehmen müssten daher auf einen effektiven Binnenmarkt aufbauen können, sei es für den Verkauf ihrer Produkte und Dienstleistungen oder den Zugang zu wichtigem Kapital, Qualifikationen oder Ressourcen. "Zersplitterte Märkte sind ein strukturelles Defizit, das nicht leicht überwunden werden kann. Die Notwendigkeit, unser innovatives Potenzial umzusetzen, erfordert jedoch Reformen", sagte er. Die Mitgliedstaaten haben durch nationale Reformprogramme schon einiges dazu beigetragen, die notwendigen Änderungen herbeizuführen. Die Pläne werden zurzeit von der Kommission geprüft. "Ich kann jedoch bereits sagen, dass die Zukunft nicht durch die Formulierung von Programmen, sondern nur durch deren Umsetzung gewonnen werden kann", sagte Verheugen. Der Kommissar wies auf die anhaltende Trägheit des privaten Sektors in Bezug auf die Forschungsinvestitionen hin. Eine erhöhte Förderung der Forschung durch die Industrie habe sich als "zentrale Herausforderung" herauskristallisiert, fuhr er fort. Theoretisch könnten die EU und nationale Innovationsmaßnahmen jedoch dagegen ansteuern. "Die richtige Politik ist nicht nur permissiv, sondern auch unterstützend", sagte er. Sie sollte Unternehmen nicht nur in die Lage versetzen, erforderliche Technologie und Finanzen sowie notwendiges Wissen ausfindig zu machen, sondern auch ermutigen, neue Marktchancen zu identifizieren und zu entwickeln. Verheugen wies auf den neuen Aktionsplan für Forschung und Innovation der Kommission hin, der vier zentrale Ziele umfasse: Unterstützung der kontinuierlichen Entwicklung von Unternehmensclustern; Unterstützung der Regionen bei der Zusammenarbeit; Verbesserung des Zugangs zu Risikokapital und Unterstützung der Internationalisierung kleiner Technologieunternehmen durch Innovation Relay Centres (IRC). Der Kommissar schloss mit einem optimistischen Blick in die Zukunft. Seit mehreren Jahren bereite Europa die Grundlagen für eine allgemeine Innovationsstrategie vor, sagte er. Daher seien bereits wichtige Schritte zur Entwicklung einer gemeinsamen Innovationsstrategie unternommen worden. "Wenn wir sie letztendlich umsetzen können - und dies hängt davon ab, wie gut wir und unsere Mitgliedstaaten in den nächsten Jahren zusammenarbeiten -, könnten wir möglicherweise ein Modell entwickeln, das von unseren amerikanischen Partnern, die keine föderale Innovationsstrategie haben, bewundert würde."