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Frankreich lernt aus Chikungunya-Epidemie und ergreift Maßnahmen, um die Ausbreitung des H5N1-Virus aufzuhalten

Frankreich, der weltweit viertgrößte Geflügelexporteur, ist dazu übergegangen, seine Geflügelbestände zu impfen, um eine Ausbreitung des "Vogelgrippe"-Virus H5N1 von den bestätigten Fällen im Südwesten des Landes zu verhindern. Es wird das erste Land sein, das Impfungen auf na...

Frankreich, der weltweit viertgrößte Geflügelexporteur, ist dazu übergegangen, seine Geflügelbestände zu impfen, um eine Ausbreitung des "Vogelgrippe"-Virus H5N1 von den bestätigten Fällen im Südwesten des Landes zu verhindern. Es wird das erste Land sein, das Impfungen auf nationaler Ebene durchführt. Impfstoffe gegen H5N1 für Menschen werden in Kürze zur Verfügung stehen, und Forscher, einschließlich der im Rahmen des von der EU finanzierten Universal-Vaccine-Projekts tätigen Forscher, untersuchen die Möglichkeit der Entwicklung weitreichender Grippeimpfstoffe zur Eliminierung der Krankheit. Die französische Impfaktion für Geflügel erfolgt zeitgleich mit der Zusicherung von 35 Millionen Euro für das französische Inselterritorium Réunion zur Abschwächung der Auswirkungen der Chikungunya-Epidemie, mit der ein Fünftel der lokalen Bevölkerung infiziert ist. Frankreich hat gesehen, was während einer Epidemie passieren kann, und möchte alles daran setzen, um sicherzustellen, dass das Land und der Rest der Welt nicht mit einer H5N1-Epidemie konfrontiert werden. Dies könnte passieren, wenn das Virus mutiert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Man hofft jedoch, dass eine Massenimpfung das Risiko verringern wird. 50 Länder haben Vertreter zur Weltorganisation für Tiergesundheit in Paris geschickt, um über das H5N1-Virus zu diskutieren, ohne dass es stichhaltige Informationen über die Art der Ausbreitung von H5N1 gibt. Von den 35 Millionen Euro, die Réunion zugesichert wurden, wird ein Viertel - neun Millionen Euro - zur Erforschung des Chikungunya-Virus verwendet, das zuvor nicht so virulent war. Chikungunya wird durch Moskitos verbreitet. Zu den Symptomen gehören schmerzhafte Arthritis (der Begriff Chikungunya kommt aus dem Swahili und bedeutet "gekrümmt laufen"), Ausschlag, Fieber und Kopfschmerzen oder Photophobie. Das Virus findet sich üblicherweise bei lokalen Ausbrüchen in Südostasien und Afrika und ist normalerweise nicht tödlich, obwohl die sehr hohe Infektionsrate laut Angaben der französischen Regierung zu 77 Todesfällen in "direktem oder indirektem" Zusammenhang mit der Krankheit geführt hat. Der Ausbruch auf Réunion begann vor einem Jahr und die Krankheit verbreitete sich stetig bis Ende 2005, als die Übertragungsrate dramatisch anstieg. In der Woche des 17. Februar 2006 wurden auf Réunion mehr als 22.000 Chikungunya-Infektionen verzeichnet. Die Krankheit hat sich auf Réunion so stark verbreitet, dass Touristen die Krankheit bei ihrer Rückkehr nach Frankreich meldeten, wobei in einem einzigen Pariser Krankenhaus mehr als 30 Fälle behandelt wurden. Die Krankheitsfälle nehmen jetzt auch auf den Nachbarinseln zu. Der französische Premierminister Dominique de Villepin sicherte Réunion bei einem kürzlichen Besuch die Mittel zu. "Wir setzen alles daran, [Chikungunya] zu verhindern, indem wir die Moskitos dezimieren und die notwendigen medizinischen Dienstleistungen erbringen, um eine Lösung für alle Betroffenen bereitzustellen", sagte er. Kurzfristig wird die Bekämpfung der Chikungunya-Epidemie einfach sein - 500 französische Truppen sollen die Mückenpopulation auf der Insel minimieren, was die Infektionsraten verringern wird. Auf dem französischen Festland wird das H5N1-Virus nicht so leicht aufzuhalten sein. Die französische Geflügelindustrie hat einen geschätzten Wert von sechs Milliarden Euro pro Jahr und die französische Regierung hat beschlossen, eine Million Freilandenten, -hühner, -gänse und andere Vögel zu impfen, um die Ausbreitung von H5N1 einzudämmen. Durchschnittlich 25.000 Vögel werden täglich geimpft, aber mehrere Länder haben bereits beschlossen, die Einfuhr von französischem Geflügel zu verbieten. Die französische Regierung wurde wegen der empfundenen langsamen Reaktion auf den Chikungunya-Ausbruch auf Réunion massiv kritisiert und geht mit dem H5N1-Virus daher nun kein Risiko ein. Geflügelfarmer Daniel Clair beschrieb der Zeitung "Le Parisien", wie das H5N1-Virus "wie ein Blitz" eingeschlagen hat und 400 Truthähne in einer Nacht dahinraffte. Da die Truthähne von Clair in Ställen gehalten wurden, gehen die Forscher davon aus, dass sie möglicherweise durch Exkremente von Wildenten auf ihrem Stroh infiziert wurden. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre es ein Indikator dafür, wie ansteckend der H5N1-Stamm ist. Aktuelle Entwicklungen umfassen die erstmalige Endeckung von H5N1 in Schweden und das Auffinden einer infizierten toten Katze auf der Insel Rügen, wo mehrere Wildvögel nachgewiesenermaßen mit H5N1 infiziert waren. Dies ist nicht das erste Mal, dass das Virus von einem Vogel auf eine Katze übertragen wurde, und die WHO hält die Übertragung nicht für bedeutsam, aber es ist die erste dokumentierte Übertragung von einem Vogel auf ein Säugetier in Europa. In Afrika wurde das Virus unter Vogelpopulationen in Nigeria, Ägypten und Niger bestätigt, mit unbestätigten Fällen in Äthiopien und Kenia. Über die Methode der Übertragung von H5N1 zwischen Vögeln ist nicht sehr viel bekannt. "Wir wissen fast nichts über das Virus; wir verfügen nur über anekdotenhafte Informationen darüber, wo es existiert und welche Vögel es infiziert", sagte Vittorio Guberti, ein Vogelgrippe-Experte des italienischen Nationalinstituts für Wildtiere, gegenüber der New York Times. "Wir wissen noch nicht einmal, worauf wir uns konzentrieren sollen. Wir müssen das Auftreten der großen Epidemie abwarten und in der Zwischenzeit wird es wahrscheinlich immer wieder kleine Ausbrüche geben." Mit Beginn des Frühjahrs "werden zwei Millionen Enten aus Nigeria, wo es ein großes Problem gibt, in Italien ankommen. Und wir wissen nichts über sie", sagte er. Wissenschaftler in Hongkong haben das Fortschreiten der Krankheit seit ihrem Auftreten in der chinesischen Provinz Guangdong vor 1997 studiert. Sie sind der Meinung, dass die Krankheit ursprünglich bei Hausgeflügel aufgetreten ist und sich über Zugvögel wie Wildenten oder -gänsen verbreitet hat. Jüngste Tests an Hausgeflügel und wilden Zugvögeln im Westen Chinas bestätigten denselben genetischen Typ von H5N1 wie bei den ersten Fällen in Guangdong. Viele dieser Vögel sind inzwischen bis nach Europa gezogen. "Mehrere Wochen lang regnete es in ganz Europa tote Schwäne, worüber sich alle den Kopf zerbrachen", sagte Jan Slingenberg von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN in Rom in einem Interview mit der New York Times. "Sind die Schwäne nur die Spitze des Eisbergs? Wann sollten wir anfangen, beunruhigt zu sein? Aber angesichts der schnellen geografischen Verbreitung an so vielen verschiedenen Orten empfiehlt es sich für jedermann, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken." Das H5N1-Virus hat insgesamt 93 Todesopfer von 173 bestätigten Fällen seit 1991 gefordert. All diese Übertragungen sollen von Vögeln auf Menschen erfolgt sein und die infizierten Menschen lebten oder arbeiteten üblicherweise in der Nähe von Vögeln. Die hohe Sterberate (53,8 Prozent) hat jedoch zu einer sehr genauen Untersuchung der Ausbreitung dieses Stamms geführt. Die EU genehmigte am 22. Februar Impfungen zur Vermeidung der Ausbreitung von H5N1. Experten befürchten, dass bei Personen, die bereits mit der "saisonalen" Grippe infiziert sind und das H5N1-Virus in sich tragen, die beiden Viren mutieren könnten, um einen Stamm zu erzeugen, der so ansteckend und tödlich wie H5N1 ist, aber von Mensch zu Mensch übertragen wird. In Zukunft könnten weitreichende Grippeimpfstoffe dank Programmen wie das von der EU finanzierte Universal-Vaccine-Projekt eine Möglichkeit zur Bekämpfung der Übertragung darstellen. Der Name des Stamms, H5N1, bezieht sich auf Proteintypen. Es gibt 16 verschiedene H-Typen und neun verschiedene N-Typen, die 144 Virustypen ergeben. Jeder Impfstoff müsste diese spezifischen Kombinationen blockieren. Es gibt jedoch eine dritte Proteingruppe mit der Bezeichnung M2, die den Forschern zufolge seit ihrer Entdeckung im Jahr 1933 konstant in allen Grippetypen vorkommt. Impfstoffe, die auf diese Gruppe abzielen, würden ein breites Spektrum abdecken. Das Forscherteam aus Belgien, Schweden, den Niederlanden und dem VK hofft, bis 2007 mit der klinischen Versuchsphase des Impfstoffs beginnen zu können. Erfolgreiche Impfungen könnten Menschen lebenslang schützen und die Grippe potenziell auf dieselbe Art und Weise wie Pocken in die Geschichte verbannen. Die British Royal Society, die britische nationale Akademie der Wissenschaften und die Academy of Medical Sciences haben eine Studie eingeleitet, um "eine rechtzeitige Analyse der zugrunde liegenden Wissenschaft zur Vogelgrippe und Grippepandemie zu liefern", so der Vorsitzende Sir John Skehel. Die Gruppe wird die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse untersuchen, um die besten Behandlungsformen, klinische Versorgung und Überwachungsmodelle zu beurteilen, sollte eine Pandemie auftreten. Sie wird außerdem bestehende Modelle der Krankheit und Katastrophenpläne sowie wissenschaftliche Erkenntnisse und soziale Faktoren berücksichtigen, um herauszufinden, wie diese die öffentliche Politik und Vorbereitung im Falle eines Ausbruchs beeinflussen werden.

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