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Afrika-Malaria-Tag 2006 fördert Bekämpfung der weltweit drittgrößten Infektionskrankheit

Jährlich sterben bis zu zwei Millionen Menschen an Malaria und 300 bis 500 Millionen Menschen werden mit der Krankheit neu infiziert. Die einzigen Infektionskrankheiten, an denen mehr Menschen sterben, sind Tuberkulose und HIV/AIDS. Am häufigsten treten die drei Krankheiten in...

Jährlich sterben bis zu zwei Millionen Menschen an Malaria und 300 bis 500 Millionen Menschen werden mit der Krankheit neu infiziert. Die einzigen Infektionskrankheiten, an denen mehr Menschen sterben, sind Tuberkulose und HIV/AIDS. Am häufigsten treten die drei Krankheiten in Entwicklungsländern - vor allem in afrikanischen Ländern südlich der Sahara - auf, wo sie zugleich die verheerendsten Auswirkungen haben. Am 25. April hat die Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa im Europaparlament in Brüssel eine Pressekonferenz veranstaltet, um für den Afrika-Malaria-Tag zu werben und an die neue "Roll Back Malaria"-Kampagne anzuknüpfen, die am 24. April angekündigt wurde. Unter den Rednern befanden sich Awa-Marie Coll-Seck, Exekutivsekretärin von "Roll Back Malaria", und der kongolesische Gesundheitsminister Emile Bongeli, die über das Schicksal von Kindern berichteten, die heutzutage an Malaria erkranken. Das größte Risiko besteht für Kinder unter fünf Jahren. "Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria", berichtete Sunil Mehra, Geschäftsführer vom Malaria Consortium. "Ein Kind kann innerhalb von 24 Stunden an Malaria sterben, also müssen wir noch heute handeln, um diese Kinder zu retten. Unsere Bemühungen im Kampf gegen Malaria beginnen gerade erst, Früchte zu tragen. Es wäre keine gute Idee, diese Bemühungen jetzt einzustellen und sich mit den Ergebnissen zufrieden zu geben", betonte er. "Malaria gilt als komplizierte Krankheit", fuhr Mehra fort. "Um bei der Bekämpfung von Malaria und der Senkung von Schulden Ergebnisse erzielen zu können, sind nachhaltige Fördermittel sowie ausgebildete und erfahrene Fachkräfte nötig. Malariaparasiten haben eine tödliche Wirkung und Stechmücken sind äußerst verbreitet, aber kompliziert ist eigentlich nur der Mensch." Tatsächlich kann man Malaria fast vollständig vorbeugen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts konnte man sich in Südeuropa mit Malaria infizieren. Zuvor war Malaria selbst in nördlichen Regionen wie Großbritannien bekannt, wenn die Krankheit auch auf Gebiete beschränkt blieb, in denen ein entsprechendes Mikroklima herrschte. Die bekannteste Methode zur Malariaprävention besteht darin, der Vermehrung des Krankheitsüberträgers - der Stechmücke - vorzubeugen. Dies kann dadurch erreicht werden, dass man den Vermehrungszyklus der Stechmücken unterbricht, indem man Öl auf die Wasseroberfläche von stehenden Gewässern - den Brutstätten der Stechmücken - gießt. Leider funktioniert diese Methode nicht in Gebieten, die zu groß sind, um sie flächendeckend anzuwenden, oder wenn nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, wie es in zahlreichen afrikanischen Ländern der Fall ist. Ein weiteres Problem, mit dem man konfrontiert ist, wenn man versucht, die Ausbreitung von Malaria einzudämmen, ist die mangelnde Wirkung von Arzneimitteln. Durch den weit verbreiteten und unkontrollierten Gebrauch von Arzneimitteln sind viele Malariastämme resistent geworden, sodass diese Arzneimittel nun wirkungslos sind. Die Partner der Initiative "Roll Back Malaria" haben am 24. April angekündigt, dass sie ihre Bemühungen auf Artemisinin-Kombinationspräparate (ACT - Artemisinin-based Combination Treatments) konzentrieren werden, da diese die wirksamsten Präparate zur Behandlung von Malaria sind, die es zurzeit auf dem Markt gibt. Die Geschichte der Verbreitung von Artemisinin ist äußerst interessant. Anfang der 1970er Jahre wurde Artemisinin auf der Basis eines traditionellen chinesischen Arzneimittels (Artemisia annua oder einjähriger Beifuß) entwickelt. Aufgrund der Geheimhaltung während des Kalten Kriegs kam das Arzneimittel 20 Jahre lang nicht auf den Markt, obwohl die Patienten, denen Artesiminin verabreicht wurde, erstaunlich hohe Genesungsraten aufwiesen. Später stellte sich heraus, dass es sich bei der Pflanze, aus der der Arzneimittelwirkstoff gewonnen wird, um einen in den USA verbreiteten Korbblütler handelt. Rasch folgten Versuche zu Artemisinin und seinen Derivaten. Bei der Behandlung von Malaria hat sich Artemisinin in 90 Prozent aller Fälle als wirksam erwiesen, selbst bei den schwersten Formen von Malaria und bei Malariastämmen, die derzeit gegen andere Behandlungsmethoden resistent sind. Bei der ACT-Behandlung werden Artemisinin oder entsprechende Derivate mit anderen, verbreiteteren Behandlungsmethoden kombiniert. Ziel der "Roll Back Malaria"-Kampagne 2006, deren Slogan "Get your ACT together" lautet, ist die verstärkte Einbeziehung von ACT in die Malariabehandlung, vor allem in Afrika. "Neben stärkerer finanzieller Hilfe benötigen die betroffenen Länder eine umfassende technische Unterstützung bezüglich Organisation und Arzneimittelbeschaffung, um ihre Pläne umsetzen zu können", so Professor Coll-Seck. Wirksame Behandlungen stehen zwar zur Verfügung, aber der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist der einzige große Fördermittelgeber für Arzneimittel gegen Malaria, vor allem ACT. Nun könnte aber dieser einzige große Geldgeber für die ACT-Behandlung theoretisch beschließen, die Fördermittel zu kürzen bzw. zu streichen, und das, obwohl die Bekämpfung von Malaria ein weltweites Ziel ist. Der Vorstand des Globalen Fonds entscheidet im Rahmen seiner Sitzung vom 26. bis 28. April über die Verteilung der Fördermittel. Sollte der Globale Fonds höhere Spendengelder einnehmen, so wird auch die Zahl der ACT-Programme erhöht. Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben seit der Gründung des Globalen Fonds einen Förderbeitrag in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar (2,01 Milliarden Euro) geleistet. "Die Europäische Union ist der wichtigste Geldgeber des Globalen Fonds", betonte MdEP Thierry Cornillet (UDF), der im Europaparlament die Pressekonferenz organisiert hat. "Die EU hat als Mitbegründer dieses Fonds ein großes Interesse an der Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria, die die Menschen schwächen und sterben lassen. Diese Krankheiten stellen eine der Hauptursachen für die schwache afrikanische Wirtschaft dar", so Cornillet. Zur Bekämpfung von Malaria wird nicht nur auf eine ACT-Behandlung gesetzt, sondern es werden überdies zahlreiche Forschungsprojekte zur Entwicklung von wirksamen Impfstoffen und Behandlungsmethoden durchgeführt. Da sich Malariaparasiten auf recht komplizierte Art und Weise vermehren (siehe unten), bieten sich den Forschern sehr viele mögliche Punkte, an denen die Bekämpfung von Malaria ansetzen kann. Im Rahmen von rund 190 verschiedenen Projekten wurden innerhalb des Sechsten Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Kommission verschiedene Aspekte von Malaria, Verbreitung und Vorbeugung, untersucht. Für diejenigen, die bereits mit Malaria infiziert sind, stellt ACT eine wirksame Behandlung dar. Die Forscher setzen ihre Hoffnungen nun auf die Einführung von Impfstoffen, um zu erreichen, dass sich Menschen aus Risikogruppen gar nicht erst mit der Krankheit infizieren. Der Pharmariese GlaxoSmithKline erhält für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria die finanzielle Unterstützung der Bill & Melinda Gates Foundation und damit des reichsten Mannes der Welt. Im Oktober 2005 spendete das Ehepaar Gates der PATH Malaria Vaccine Initiative (MVI) 107,6 Millionen US-Dollar (86,63 Millionen Euro). Ein Sprecher von GlaxoSmithKline berichtete CORDIS Nachrichten: "Seit Ende der 1980er Jahre führen wir klinische Studien zu Malariaimpfstoffen durch. Im Rahmen einer Wirksamkeitsstudie wurde nun ein Malariaimpfstoff an ein- bis vierjährigen Kindern aus Mosambik erfolgreich getestet [�]. Bei nicht tödlich verlaufenden Formen von Malaria ist der Impfstoff in 35 Prozent aller Fälle wirksam, bei tödlichen Malariaformen liegt die Erfolgsrate sogar bei 49 Prozent. Dies sind äußerst positive Ergebnisse, wobei sich letztendlich erst in 18 Monaten zeigen wird, ob sich noch weitere Erfolge verzeichnen lassen. Wir werden einen Zulassungsantrag für den derzeit in der Testphase befindlichen Impfstoff stellen, um festzustellen, ob wir die klinischen Studien ausweiten können. Außerdem beabsichtigen wir, den Impfstoff in das erweiterte Impfprogramm der Unicef (EPI - "Expanded programme of immunisation"), das einen breiten Bereich abdeckt, aufnehmen zu lassen. Danach werden wir versuchen, den Impfstoff dahingehend weiterzuentwickeln, dass er noch jüngeren Kindern verabreicht werden kann." Malaria wird durch Stechmücken übertragen, jedoch verursachen andere Lebewesen die Krankheit, nämlich protozoische Parasiten (gemeinhin als Plasmodien bekannt), die sich im Blut vermehren. Der Forscher Ronald Ross fand den Parasiten Plasmodium1898 im Magen der Anophelesmücke und erhielt für diese bahnbrechende Entdeckung 1902 den Nobelpreis. Seine Forschungsergebnisse lösten das Rätsel um die mysteriöse Krankheit Malaria, deren Ursache bis dahin vollkommen unbekannt war. Das Wort Malaria stammt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie "schlechte Luft". Durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke gelangen Sporozoiten, winzige einzellige Erreger, in den Blutkreislauf des Menschen. Die Erreger setzen sich in der Leber des Wirts fest. Dort vermehren sie sich rasch und reifen zu Merozoiten heran, die die Leber verlassen und die roten Blutkörperchen befallen. Diese Merozoiten vermehren sich wiederum und infizieren immer neue Blutkörperchen. Einige reifen zu Gametozyten heran, von denen es männliche und weibliche Formen gibt. Die Gametozyten werden von weiblichen Stechmücken aufgenommen, sobald diese einen mit Malaria infizierten Menschen stechen. Die Gametozyten reifen im Magen der Stechmücke heran und vermehren sich. Dabei entstehen winzige Sporozoiten, mit denen wiederum Menschen infiziert werden, so dass sich der Kreislauf schließt und der Zyklus von neuem beginnt. Der Parasit braucht sowohl den Menschen als auch die Stechmücke als Wirt, um seinen Lebenszyklus vollenden zu können. Nur von vier der bekannten Plasmodiumarten ist bekannt, dass sie Menschen infizieren und dadurch Malaria verbreiten. Plasmodium falciparum ist die tödlichste Form, während Plasmodium vivax, Plasmodium ovale und Plasmodium malariae häufig als "milde" Malariaformen bezeichnet werden, da sie in der Regel nicht lebensbedrohlich sind. Aufgrund der recht komplizierten Vermehrungsweise des Parasiten könnte jeder Schritt im Malariazyklus einen möglichen Angriffspunkt für die Forscher bieten, um den Zyklus durch prophylaktische Maßnahmen, Impfstoffe und andere Behandlungen zu unterbrechen. Obwohl Malaria in den EU-Mitgliedstaaten seit langem ausgestorben ist, könnte die Anophelesmücke aufgrund der vorausgesagten globalen Erwärmung leicht in nördliche Klimazonen zurückkehren. Ein Temperaturanstieg würde den Malariaparasiten also auch zu uns bringen.

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