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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Desperate Housewives? EU-Untersuchung zeigt, dass die Kultur am Arbeitsplatz familienfreundliche Maßnahmen untergräbt

Eine von der EU geförderte Untersuchung wirft ein Schlaglicht auf den Konflikt zwischen Globalisierung und Intensivierung der Arbeitsbelastung auf der einen Seite und der Notwendigkeit und dem Bedürfnis der Eltern, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen auf der anderen Seite. I...

Eine von der EU geförderte Untersuchung wirft ein Schlaglicht auf den Konflikt zwischen Globalisierung und Intensivierung der Arbeitsbelastung auf der einen Seite und der Notwendigkeit und dem Bedürfnis der Eltern, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen auf der anderen Seite. In den letzten Jahren haben sowohl Regierungen als auch Unternehmen in verschiedenem Maße Politiken eingeführt, die es den Arbeitnehmern - Frauen und Männern - ermöglichen, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren. Zu diesen Maßnahmen gehören Erziehungsurlaub, Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeit und die Möglichkeit der Teilzeitarbeit. Das Projekt "Transitions", das unter der Schlüsselaktion "Verbesserung der sozioökonomischen Wissensgrundlage" des Fünften Rahmenprogramms (RP5) finanziert wurde, hat untersucht, wie junge Eltern in sieben europäischen Ländern ihre Doppelbelastung in der Familie und am Arbeitsplatz organisieren. Die Eltern waren dabei sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor beschäftigt. Laut Untersuchung gibt es zwar offizielle Maßnahmen sowohl seitens der Regierungen als auch seitens der Unternehmen, die den Eltern helfen sollen, doch diese Maßnahmen werden allzu häufig von der Arbeitsplatzkultur und der Verschärfung der Arbeitsbelastung unterminiert. Umstrukturierungen und Reorganisation in den Unternehmen, einschließlich des Abbaus von Arbeitsplätzen und anderer Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz, haben tendenziell zu einer höheren Arbeitsbelastung für den Einzelnen geführt. Diese Erfahrung machten Eltern in ganz Europa und im privaten ebenso wie im öffentlichen Sektor. Das Phänomen der höheren Arbeitsbelastung steht in vielerlei Hinsicht im Konflikt mit familienfreundlicher Politik. So können flexible Arbeitszeiten einerseits Eltern helfen, Erwerbstätigkeit und Familienleben unter einen Hut zu bringen, vor dem Hintergrund der Intensivierung allerdings können sie die Grenzen zwischen Arbeit und Familie verwischen, und längere Arbeitszeiten gehen auf Kosten der Zeit für die Familie. Darüber hinaus macht die höhere Arbeitsbelastung flexible Arbeitszeiten für einige Arbeitsnehmer so gut wie unmöglich. So zögern Eltern oft, sich aus familiären Gründen frei zu nehmen, weil dann ihre Arbeit liegen bleibt. Die hohe Arbeitsbelastung macht es auch Managern schwer, aus familiären Gründen dem Arbeitsplatz fern zu bleiben. Wenn Eltern sich frei nehmen müssen, werden die Aufgaben entweder einem anderen, ebenfalls schon überlasteten Kollegen aufgebürdet, oder die Arbeit stapelt sich während der Abwesenheit auf dem Schreibtisch. Auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hält viele Eltern davon ab, den ihnen zustehenden Erziehungsurlaub in Anspruch zu nehmen. So haben insbesondere Eltern, die sich für Teilzeitarbeit entschieden haben, das Gefühl, ihr Einsatz und Engagement für die Arbeit werde angezweifelt. Die Untersuchung hat herausgefunden, dass die Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen einer der wichtigsten Faktoren ist, der die Entscheidung der Eltern beeinflusst, von ihren Rechten Gebrauch zu machen. Die Realität der Elternrolle ist nach wie vor der Lackmustest für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Sogar in Norwegen und Schweden, den untersuchten Ländern, in denen die Gleichberechtigung am weitesten fortgeschritten ist, ist die Realität der Elternrolle stark durch das soziale Geschlecht determiniert. Europaweit sind es die Väter, die nach wie vor Vollzeit arbeiten - ein Trend, der dadurch verstärkt wird, dass viele Vorgesetzte der Meinung sind, familienfreundliche Politik werde vor allem oder sogar ausschließlich für Mütter gemacht. In den seltenen Fällen, in den aus praktischen Erwägungen der Vater zu Hause bleibt und die Mutter Vollzeit arbeitet, gehen beide Elternteile unweigerlich durch Krisen, in denen sie ihre Identität als Frau oder Mann in Frage stellen. Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern praktisch keine Möglichkeit haben, die familienfreundlichen Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. So haben Angestellte mit direktem Kundenkontakt meist weniger flexible Arbeitszeiten als andere. Viele große Unternehmen und Organisationen vergeben Arbeit extern, insbesondere für ungelernte Aufgaben wie Putzen. Da diese Arbeitskräfte nicht direkt im Unternehmen angestellt sind, haben sie auch keinen Zugang zu den Rechten und Leistungen, die das Unternehmen den eigenen Beschäftigten bietet. In ihren Empfehlungen fordern die Autoren Regierungen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und andere dringend auf, diesen Konflikt zwischen der steigender Arbeitsbelastung und den Bedürfnissen von Eltern und Kindern in Angriff zu nehmen. Eine Debatte über diesen Konflikt wird unweigerlich zu größeren Fragen über die Ziele und Werte eines geeinten Europas führen. Die Arbeitgeber müssen klarere Praktiken und Verfahren einführen, die Eltern, auch Vätern, helfen, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren, ohne dass die Grenzen zwischen beiden Bereichen verschwimmen. Ende des Jahres werden einige der Fallstudien des Projekts in Buchform erscheinen. Mehrere Projektpartner werden an einem weiteren EU-Projekt zusammenarbeiten, das die Lebensqualität in Organisationen und Familien in ganz Europa untersucht.

Länder

Bulgarien, Frankreich, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Slowenien, Vereinigtes Königreich

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