Seminar über finnische Förderinstrumente für F&E
Mit welchen neuen Instrumenten soll in Finnland und den übrigen EU-Mitgliedsländern ein Umfeld geschaffen werden, das zur Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Innovation beiträgt? Dieser Frage ging ein Seminar auf den Grund, das am 10. November in Brüssel stattfand. Anita Lehikoinen, Leiterin der Abteilung für Bildung und Politikwissenschaften des finnischen Bildungsministeriums und Initiatorin der Veranstaltung, wies auf die Bedeutung der finnischen Hochschulstrategie hin, die eine Voraussetzung für die Leistungen auf dem Gebiet der F&E und Innovation in Finnland sei. Außerdem hob sie die Notwendigkeit hervor, die Forschungsstruktur des Landes zu internationalisieren. Professor Raimo Vayrynen, Präsident der Finnischen Akademie, schloss sich der Forderung nach einer "Internationalisierung" an. Er erläuterte die diesbezüglichen, jüngsten Bemühungen der Akademie und von Tekes, der finnischen Finanzierungsagentur für Technologie und Innovation, und wies auf das kürzlich aufgelegte Finland Distinguished Professor Programme (FiDiPro) hin. Das Programm soll Universitäten und Forschungsinstituten ermöglichen, hoch qualifizierte ausländische Forscher nach Finnland anzuwerben, damit diese die Forschung um wertvolle internationale Erfahrungen bereichern können. Darüber hinaus soll das neue Programm die forschungsgetriebene Ausrichtung von Universitäten und Forschungsinstituten fördern und neue Formen internationaler Zusammenarbeit zwischen universitären Forschungseinheiten und Unternehmen schaffen, um das wissenschaftliche und technologische Fachwissen und Know-how in Finnland zu erweitern. Das Programm unterscheidet sich insofern von anderen nationalen Förderinstrumenten, als es sich bei den Bewerbern um Universitäten und große Forschungsinstitute und nicht um Forschungsteams oder einzelne Forscher handelt. Dr. Martti af Heurlin, stellvertretender Generaldirektor von Tekes, präsentierte ein weiteres Förderinstrument, das die Leistungen des Landes auf dem Gebiet der F&E erhöhen soll: die neuen strategischen Zentren für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Centres for Science, Technology and Innovation - CSTI). Die Zentren sollen in Finnland gegründet werden und in künftigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kompetenzbereichen agieren. Zunächst ist die Einrichtung von Zentren für die folgenden Bereiche geplant: Energie und Umwelt, Automatisierungstechnik und Maschinenbau, Gesundheit und Wohlbefinden, forstwirtschaftliches Netzwerk sowie Informations- und Kommunikationsindustrie und -dienstleistungen. Dr. af Heurlin nannte das neue forstwirtschaftliche Netzwerk als Beispiel für ein CSTI, in dem gute Fortschritte erzielt würden und das dank des Engagements von Forstwirtschafts-, Chemie- und Maschinenbauunternehmen sowie von Universitäten und Forschungsinstituten Anfang 2007 eingerichtet werden könne. Im Rahmen des Seminars wurde außerdem die Entwicklung von Forschungsinfrastrukturen auf EU-Ebene erörtert. Nach der jüngsten Veröffentlichung der sogenannten Roadmap des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) bereitet die Europäische Kommission nun die Umsetzung der 35 wichtigsten Infrastrukturprojekte vor, die unter dem Siebten Rahmenprogramm eingerichtet oder verbessert werden sollen. Dr. Zoran Stancic, stellvertretender Generaldirektor der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission, erklärte, dass die EU das Bauwesen unterstützen könne, indem sie die Kreditvergabe durch die neue sogenannte "Risk-Sharing Finance Facility" (Finanzierungsfazilität mit Risikoteilung), die von der Europäischen Investitionsbank (EIB) geleitet werden soll, erleichtere. Darüber hinaus äußerte sich Dr. Stancic zum Europäischen Forschungsrat, der eine echte Innovation im RP7 sei, da er einen europaweiten Mechanismus zur Förderung der Grenzforschung biete. Der Europäische Forschungsrat soll nach dem Bottom-up-Prinzip organisiert werden, d. h. das Anregungen ausschließlich vonseiten der Forscher kommen. Der Schwerpunkt liegt also nicht auf der Umsetzung von politischen oder thematischen Prioritäten, sondern auf der Förderung von Spitzenforschung aus allen Fachgebieten durch die finanzielle Unterstützung einzelner Forscherteams, die auf der Grundlage des Exzellenzprinzips miteinander in offenen Wettbewerb treten. Der Dialog zwischen dem Europäischen Forschungsrat und den nationalen Forschungsfördereinrichtungen solle zudem zu einer positiven Weiterentwicklung des Europäischen Forschungsraums beitragen, so Dr. Stancic.
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