Bericht gibt Überblick über Meeresforschung im RP6
Wenngleich es in der EU derzeit kein spezielles Finanzierungsprogramm für Meeresforschung gibt, ist die Annahme, die EU unterstütze die Erforschung der europäischen Meere nicht, ungerechtfertigt. Zwar liefen spezifische Meeresforschungsprogramme 1998 mit dem Ende des Vierten Rahmenprogramms (RP4) aus, doch wurden von Jahr zu Jahr mehr Fördermittel für die Meeresforschung bereitgestellt, sodass unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) 3,2 Prozent der Fördermittel auf Projekte in diesem Bereich entfielen. Diese Tendenz geht auch aus einem jüngst veröffentlichten Bericht der unabhängigen Organisation EurOcean - dem europäischen Informationszentrum für Meereswissenschaft und -technologie - hervor, der einen Überblick über die EU-finanzierten Projekte in den Bereichen Meereswissenschaft und -technologie gibt. Laurent d'Ozouville, der Leiter von EurOcean, musste im Interview mit CORDIS-Nachrichten nicht zweimal überlegen, um zu erklären, wieso Meeresforschung so wichtig ist. "70 Prozent unseres Planeten ist von Wasser bedeckt. Er sollte eigentlich Ozean genannt werden", so d'Ozouville. Und natürlich gibt es noch unzählige Dinge zu erforschen. Ein solcher Bericht war notwendig, um den Einfluss der Forschungsrahmenprogramme der EU und insbesondere des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) auf die Meeresforschung zu beleuchten und eine Online-Datenbank für Projekte einzurichten. Jeder Interessierte hat kostenlosen Zugang zu den bereitgestellten Informationen. EurOcean konnte bislang 245 meeresbezogene Projekte ermitteln, die von der Europäischen Kommission im Rahmen des RP6, das von 2002 bis 2006 lief, finanziert wurden und an denen 83 Länder beteiligt waren. Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, dass Großbritannien sich mit der Teilnahme an 164 Projekten auf diesem Gebiet am stärksten engagiert hat, gefolgt von Frankreich auf Platz zwei und Deutschland und Italien, die beide an gleich vielen Projekten beteiligt waren, auf Platz drei. Der Bericht verdeutlicht, dass Meereswissenschaft in den vielfältigsten Forschungsbereichen Anwendung finden kann, denn Projekte in diesem Bereich erhielten unter dem RP6 von 14 Unterprogrammen von insgesamt 19 Mittel. Der größte Zuschuss kam von dem vorrangigen Themenbereich "Globale Veränderungen und Ökosysteme", der mit über 171 Millionen Euro rund 22,8 Prozent seines Budgets für Meeresforschung zur Verfügung stellte. Dass der Meeresforschung Zug um Zug mehr Mittel zur Verfügung gestellt wurden, ist zum einen auf die Zunahme des durchschnittlichen Umfangs der Forschungsprojekte zurückzuführen, zum anderen darauf, dass die Meeresforschungsgemeinschaft sich inzwischen dahingehend organisiert hat, dass sie die verfügbaren Finanzierungsmittel in Anspruch nehmen kann. Der jüngste Anstieg der verfügbaren Finanzierungsmittel kann ferner auf das wachsende Interesse am Klimawandel und den Druck der Öffentlichkeit auf die Politiker zurückgeführt werden. Das größte finanzierungsfähige Projekt war bislang INTERSHIP, dessen Ziel es ist, durch die bessere Verknüpfung von Werkzeugen und Methoden zur Entwicklung und Herstellung komplexer Unikat-Schiffe die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Schiffsbauer zu erhöhen. Koordinator des Projekts, das von der Europäischen Kommission mit 19 Millionen Euro bezuschusst wurde, ist das norwegische Unternehmen Aker Finnyards. "Finanzierung durch die EU ist ein hervorragendes Mittel, um Länder zusammenzubringen", erklärt Dr. d'Ozouville. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit setzt sich in der Meeresforschung nicht so schnell durch wie in anderen Forschungsbereichen. Hier stellen nach wie vor die nationalen Behörden die Finanzierung bereit, und noch immer ziehen es die einzelnen Ländern vor, ihre eigenen Forschungsschiffe zu besitzen, anstatt gemeinsam Forschungsschiffe zu bauen. "Fortschritte werden hier nur sehr langsam erzielt, was sich jedoch ändert ist der Zugang zur Infrastruktur", so Dr. d'Ozouville. Die einzelnen Länder legen zwar nach wie vor Wert darauf, ihre eigenen Forschungsschiffe zu besitzen, gestatten jedoch Forschern aus anderen Ländern inzwischen zumindest die Nutzung. Den Zugang zu Meeresforschungsinfrastruktur in Europa zu erleichtern ist eine der wichtigsten Aufgaben, denen sich EurOcean widmet. Der Bericht begrüßt zwar die zusätzliche EU-Finanzierung für die Meeresforschung in den vergangenen rund zehn Jahren, betont aber auch, dass noch mehr Finanzierungsbedarf besteht. "Die 3,2 Prozent des RP6-Budgets, die für Meeresforschung bereitgestellt wurden, sind noch zu wenig im Vergleich zu anderen Bereichen der Forschung und technologischen Entwicklung, wenn die Meeresforschung die Meeresindustrie in Zukunft besser unterstützen soll", heißt es in dem Bericht.