Humanressourcen ins Zentrum des EFR rücken
Mobilität, Anwerbung, Geschlechterfragen, soziale Sicherheit sowie die Charta und der Verhaltenskodex waren nur einige der Themen, die von der hochrangigen Sachverständigengruppe zum EFR (Europäischer Forschungsraum) für Forscher hervorgehoben wurden. Die Gruppe präsentierte ihre vorläufigen Ergebnisse auf der Konferenz zur Zukunft von Wissenschaft und Technologie in Europa in Lissabon, Portugal. Nach der Veröffentlichung des Grünbuchs zum EFR ernannte die Kommission eine Reihe von Sachverständigengruppen, die sich eingehender mit spezifischen Aspekten des EFR beschäftigen sollten. Die Gruppe "Forscher" wurde von Alex Quintanilha vom Institut für Molekular- und Zellbiologie in Porto, Portugal, geleitet. Die Konsultation zum Grünbuch enthüllt, dass viele Interessenvertreter einen systematischen Ansatz für die Humanressourcen als grundlegend für den Erfolg des EFR ansehen. Hinsichtlich der Anwerbung und der Strukturen für den Laufbahnbeginn kritisiert die Gruppe die Tatsache, dass akademische Forscherstellen zu häufig nicht angemessen ausgeschrieben werden und Bewerbern aus dem eigenen Land oder sogar aus dem eigenen Haus vorbehalten sind. "Die Ausschreibung von offenen Stellen muss zur Pflicht werden", sagte Professor Quintanilha. Darüber hinaus empfiehlt die Gruppe, dass das gesamte Einstellungsverfahren so transparent wie möglich sein müsse, wobei die Stelle zusammen mit den Auswahlkriterien mit einer ausreichenden Vorlaufzeit ausgeschrieben werden sollte. Die Lebensläufe sowohl der Mitglieder des Auswahlgremiums als auch der Kandidaten sollten zur Verfügung gestellt werden. Koen Van Dam, Vorsitzender von EURODOC (European Council of Doctoral Candidates and Young Researchers), der Europäischen Vereinigung für Promotionsanwärter und Nachwuchsforscher, fügte in seinem Bericht über die vorläufigen Ergebnisse hinzu, dass diese Kriterien auch für Doktorandenstellen gelten sollten. Van Dam rief außerdem zu verbesserten Arbeitsbedingungen für Promotionsanwärter auf. "Forschung ist auf allen Ebenen ein Beruf, einschließlich der Promotionsphase", sagte er und ergänzte, dass Gehälter und soziale Versicherungsleistungen diese Tatsache widerspiegeln sollten. Ein großes Hindernis für Mobilität in Europa ist die Unsicherheit hinsichtlich der Übertragbarkeit von Sozialversicherungs- und Rentenansprüchen. Ungefähr 53% der Beiträge zur breiteren Konsultation der Kommission über den EFR forderten auch einen neuen europäischen Gesetzesrahmen, der gemeinsame, an die hochgradig mobilen Forscher angepasste Regelungen bietet. In ihrem vorläufigen Bericht ruft die Sachverständigengruppe die Kommission und die Mitgliedstaaten dazu auf, eine umfassendere Koordination der Sozialversicherungssysteme sicherzustellen. Die Attraktivität des EFR für Frauen zu stärken, wurde ebenfalls als Priorität festgestellt. Die Gruppe identifiziert die Auswahl- und Einstellungsverfahren an Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie die "nicht besonders frauenfreundliche Kultur" in diesen Einrichtungen als zwei der Haupthindernisse, die Frauen von der Aufnahme einer wissenschaftlichen Laufbahn abhalten. "Die politischen Entscheidungsträger sollten positive und dringende Maßnahmen zur Förderung der Geschlechterrepräsentation in allen (Auswahl-) Gremien, Ausschüssen und Führungsgremien von Forschungseinrichtungen ergreifen und dies zu einem Kriterium für die Förderwürdigkeit auf verschiedenen Ebenen machen", schreibt die Sachverständigengruppe. Die Experten schlagen auch vor, dass ein bestimmter Anteil der Fördermittel aus dem Siebten Rahmenprogramm (RP7) für von Frauen geleitete Forschungen reserviert werden sollte, während die wissenschaftliche Exzellenz als Basiskriterium für eine Förderung beibehalten wird. Die Expertengruppe merkt an, dass viele der während ihrer Arbeit identifizierten Fragestellungen bewältigt werden könnten, wenn die Grundsätze der Charta für Forscher und des Verhaltenskodex für die Einstellung von Forschern, die erstmals im Jahr 2005 erarbeitet wurden, angewendet würden. Allerdings sind die Charta und der Kodex sowohl den erfahrenen als auch den Nachwuchswissenschaftlern nicht sehr bewusst. Die Gruppe drängt die Europäische Kommission, Kenntnis und Bewusstsein im Bezug auf die Charta und den Kodex zu fördern und fordert die Förderungsagenturen dazu auf, die Grundsätze hinsichtlich Mobilität, Einstellung, Arbeitsbedingungen und sozialer Sicherheit in den Vertragsbedingungen all ihrer Finanzhilfevereinbarungen umzusetzen. "Die Umsetzung der Grundsätze der Charta und des Kodex ist ein anspruchsvolles Ziel, und die Ansprüche sollten immer mit den Ressourcen abgestimmt werden. Politischer Wille und Engagement könnten durch die Vergabe eines Kennzeichens/Signets für Institutionen, die der Anwendung der Grundsätze verpflichtet sind, angekurbelt werden", schlägt die Gruppe vor. Professor Quintanilha hob die Tatsache hervor, dass der in Lissabon präsentierte Bericht zu einem großen Maß noch vorläufig sei und dass eine neue Version gegen Ende des Jahres veröffentlicht werden solle.
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