Stickstoff löscht Wiesenblumen aus
Eine Studie, in der bereits nachgewiesen wurde, welcher Schaden durch Stickstoffemissionen an der biologischen Vielfalt von Wiesen im Vereinigten Königreich angerichtet werden kann, weist jetzt auch nach, dass dieser Effekt in Wirklichkeit europaweit auftritt. Europäische Wissenschaftler haben im vergangenen Jahr 70 Grasflächen in neun Ländern untersucht. Die ersten Feldergebnisse scheinen das im Vereinigten Königreich angetroffene Muster zu bestätigen: einen direkten Zusammenhang zwischen dem Artensterben und einer andauernden Stickstoffbelastung. "Der Verlust in Großbritannien ist weit größer als man es sich vorgestellt hatte", sagt Nancy Dise von der Metropolitan University in Manchester. "Sie betrifft fasst 25% der Arten bei einer durchschnittlichen Depositionsrate." Die am härtesten betroffenen Arten sind Wildblumen und andere breitblättrige Pflanzen. Dagegen scheinen Gräser nicht in demselben Maße betroffen zu sein. "Wenn dies europaweit stattfinden sollte, liegt hiermit eine wichtige Erkenntnis vor", fährt Dr. Dise fort. In den Augen der Wissenschaftler könnte dadurch bestätigt werden, dass die Notwendigkeit zur Veränderung der gegenwärtigen Strategien zum Schutz der Ökosysteme besteht. Landwirtschaft und Emissionen fossiler Brennstoffe sind die vom Menschen verursachten Hauptgründe für Stickstoffbildung. Im Vereinigten Königreich schwankt die Depositionsrate im Jahr zwischen 5 kg und 35 kg pro Hektar, wobei die höchsten Raten in dicht besiedelten Gebieten zu vermerken sind. Die erste Studie zeigte, dass für jede zusätzlichen 2,5 kg Stickstoff, die sich pro Hektar und Jahr ablagern, eine Pflanzenart ausstirbt. Das Ziel besteht jetzt darin, nicht nur ähnliche Daten aus anderen Teilen Europas zu sammeln, die Wissenschaftler versuchen auch Wege zu finden, um die Artenvielfalt trotz der Stickstoffablagerung zu erhalten. "Wenn wir [einen Weg] finden, können wir eine Managementstrategie für die Bewahrung der Natur vorlegen", erklärt David Gowing von der Open University in Milton Keynes. Ein möglicher Ansatz könnte zusätzliches Mähen und Grasen sein, sogenanntes "Abziehen der Biomasse" (biomass stripping). Die Forscher hoffen auch, künftige Entwicklungen voraussagen zu können. "Die Stickstoffablagerung hatte in Europa wahrscheinlich in den 1990er Jahren ihren Höhepunkt erreicht und nimmt jetzt wieder an vielen Stellen ab", hebt Dr. Gowning hervor. "Nachdem wir 40 Jahre lang Stickstoff akkumuliert haben, könnten wir uns jetzt am Rande eines Abgrunds befinden, an dem die Gemeinschaften sich plötzlich ändern werden. Vielleicht können wir sagen: wir können noch fünf weitere Jahre mit diesen Akkumulationsraten weitermachen, deshalb müssen wir jetzt etwas tun." Das Projekt begann als Doktorarbeit im Vereinigten Königreich und wurde auf Deutschland, Frankreich und die Niederlande ausgeweitet. Es untersucht die Auswirkungen von Stickstoff auf zahlreiche Grasflächen an der Seite Europas, die dem Atlantik zugewandt ist, da "flache Länder und Norddeutschland im Epizentrum der europäischen Stickstoffablagerung liegen". Die Studie ist Teil des Projekts "Biodiversity of European grasslands - the impact of atmospheric nitrogen deposition (BEGIN)" (Biodiversität europäischer Grasflächen - die Folgen der atmosphärischen Stickstoffdeposition), das unter dem EuroDIVERSITY-Programm der Europäischen Wissenschaftsstiftung gefördert wird.