Europäische Expertenplattform für die Messung menschlicher Gefühle
Eine neue europäische Expertenplattform will über die besten Methoden zur Messung menschlicher Gefühle und Emotionen diskutieren. Die Erkenntnisse der Plattform FEEL EUROPE werden dabei helfen, die Grundlagen für neue Forschungsthemen, Technologien, Zusammenarbeit und Innovation quer über verschiedene Applikationen und industrielle Bereiche zu legen, glauben die Teilnehmer eines neuen EU-finanzierten Projekts. In den kommenden Monaten werden mehr als 30 Wissenschaftler, Ingenieure und andere Fachleute aus zehn europäischen Ländern nicht nur über Methoden zur Messung menschlicher Gefühlen diskutieren, sondern auch versuchen, sich ein Bild von spezifischen technischen Anwendungen zu machen. Allerdings beabsichtigt das derzeitige Projekt nicht, schon jetzt Lösungen zu finden, sagt Professor Klaus-Peter Hoffmann vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) in Deutschland, der das Projekt zusammen mit Professor Eduardo Fernandez von der Universität Miguel Hernandez in Elche, Spanien, organisiert. Als erster Schritt werden die Teilnehmer versuchen, den wissenschaftlichen Stand der Dinge zusammenzufassen und Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Diese werden im Laufe des Jahrs 2008 in einem Weißbuch veröffentlicht, erklärt Professor Hoffmann. "Das könnte dann die Grundlage für neue Projektideen im Siebten Rahmenprogramm (RP7) bilden." Solche Projekte könnten neuartige technisch-kognitive Systeme wie Mensch-Maschine-Schnittstellen, Systeme für emotionales Lernen oder vielleicht die Möglichkeit, Roboter mit der Fähigkeit zu versehen, Gefühle auszudrücken, untersuchen. Aber Gefühle und Emotionen sind naturgemäß ein sensibler Bereich. Daher wird die Plattform auch Geschlechterfragen und Themen zu Vielfalt und Ethik ansprechen. Beispielsweise wird die Frage gestellt: Sollten alle Robotersysteme fähig sein, Gefühle auszudrücken? Das Auftaktseminar in Deutschland zeigt deutlich, dass ein emotionaler Unterschied zwischen Mensch und Maschine erhalten bleiben muss. "Wir dachten an Kinder und Jugendliche: Man stelle sich vor, sie wachsen in einer Umgebung auf, in der Roboter weiter lächeln, wenn sie einen Schlag auf das Kinn bekommen. Dies könnte die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen ernsthaft behindern", macht Professor Hoffmann deutlich. Da Gefühle und Emotionen physiologische Effekte haben, gibt es verschiedene Messmethoden, mit deren Hilfe sie erfasst werden können, beispielsweise Stimmerkennung, Beobachtung von Blutdruck, Puls, Atmung oder gefühlsmäßige Hautreaktionen. Während "die Messungsgrundlagen heutzutage bekannt sind und der Körper mithilfe von elektrischen, magnetischen, thermischen, mechanischen, optischen, akustischen und chemischen Mitteln untersucht werden kann, sind neue Kombinationen dieser Methoden mit neuartigen Signalalgorithmen notwendig, um Gefühle zu messen", heißt es in dem Visionspapier des Projekts.