Bericht verlagert Debatte über Forschungsinfrastrukturen von "Was?" zu "Wie?"
Es besteht ein Bedürfnis für die Verbesserung der Finanzierungseffizienz und für die Anhebung der Mittel für bestehende und künftige Infrastrukturen in Europa. Die Mitgliedstaaten müssen auch ihre Prioritäten hinsichtlich der Infrastrukturen mit den Prioritäten abstimmen, die im europäischen Fahrplan für Forschungsinfrastrukturen skizziert werden. Dies sind nur einige der Empfehlungen, die in einem Bericht der Expertengruppe zum Europäischen Forschungsraum (EFR) ausgesprochen wurden. Mit zunehmender Erweiterung der Forschungsgrenzen und dem Fortschritt der Forschung und der Technologie werden die Anforderungen für neue, aufgerüstete und aufwendigere Forschungsinfrastrukturen immer komplexer und teurer. Dadurch sind sie für einzelne Forschungsgruppen, Regionen, Länder oder sogar Kontinente oft unerreichbar. Mit der Einrichtung des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) und der Reflexionsgruppe für elektronische Infrastruktur (e-Infrastructure Reflection Group, e-IRG) wurde bereits ein erster Schritt für eine bessere Planung des Ausbaus der Forschungsinfrastrukturen auf europäischer Ebene getan. ESFRI stellte 2006 den ersten europäischen Fahrplan für neue und aufgerüstete große Forschungsinfrastrukturen auf. Der Fahrplan skizziert 35 Forschungsinfrastrukturprojekte, die für die Entwicklung von Wissenschaft und Innovation in Europa als ausschlaggebend angesehen werden. Jedoch würden diese Initiativen an sich nicht ausreichen, sagt Norbert Kroos, Vorsitzender der EFR-Expertengruppe. In einem neuen Bericht mit dem Titel "Schaffung von Forschungsinfrastrukturen von Weltniveau für den Europäischen Forschungsraum (EFR)" ("Developing world-class research infrastructures for the European Research Area" schreibt Kroos, die größte Herausforderung der heutigen Tage sei die Errichtung eines Prozesses, der Ideen in die Praxis umsetze, um das "Was" mit dem "Wie" zu ergänzen. Der Bericht führt an, dass der erste Schritt in diesem Prozess die Verbesserung der Finanzierungseffizienz für bestehende und künftige Infrastrukturen sowie die Erhöhung der Mittel sei. Um eine bessere Mittelzuweisung zu gewährleisten, empfiehlt der Bericht die Aufstellung von Leitlinien zur Bewertung von Forschungsinfrastrukturen. Zur Erhöhung der Mittel sollten die Konsortien, die diese Infrastrukturen entwickeln, dazu ermuntert werden, verschiedene Finanzierungsinstrumente besser auszuschöpfen. Dazu gehören auch EU-Strukturfonds, Darlehen der Europäischen Investitionsbank, öffentliche und private Partnerschaften sowie Steuervergünstigungen. Gleichzeitig sollten die Mitgliedstaaten ihre Förderung erhöhen und ihre Prioritäten mit den vom ESRFI skizzierten Prioritäten abstimmen, damit kleine und mittelgroße Infrastrukturen in große Anlagen integriert werden, schreiben die Autoren des Berichts. Auch das Management der nächsten Generation europaweiter Infrastrukturen ist ein Bereich, den es noch zu bewältigen gilt. Um effizient arbeiten zu können, würden die neuen Infrastrukturen rechtliche Rahmen und Steuerungsstrukturen benötigen, die einfach zu errichten und zu nutzen sind. Für den Betrieb der Infrastrukturen schlägt der Bericht die Gründung von zwischenstaatlichen Organisationen mit zugeschnittenem juristischen Rahmen vor. Diese würden dann ähnlich wie die bestehenden erfolgreichen Einrichtungen, beispielsweise die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) und die Europäische Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre (ESO), aussehen. Alternativ schlägt der Bericht die Entwicklung eines juristischen Rahmens auf EU-Ebene für interessierte Forschungseinrichtungen vor. Zusätzlich zu den fassbaren Forschungsinfrastrukturen erinnert uns der Bericht auch daran, dass die Verbreitung elektronischer Infrastrukturen für den künftigen Wohlstand Europas genauso wichtig ist. Deshalb müssen diese auch in eine kohärente Strategie für Forschungsinfrastrukturen eingeschlossen werden. Europa sollte seine Strategie zu den elektronischen Infrastrukturen stärken, schreiben die Autoren des Berichts, indem die Schaffung virtueller Forschergemeinschaften für deren Zusammenarbeit angekurbelt wird. Auch muss sichergestellt werden, dass Studenten und Forscher aus ganz Europa auf den höchsten Ebenen der Wissensgesellschaft miteinbezogen werden und an dieser teilnehmen. Der Bericht schaut auch auf die Rolle Europas bei den globalen Forschungsinfrastrukturen. Er empfiehlt ein geeignetes Forum zu bestimmen oder einzurichten, in dem über globale Forschungsinfrastrukturen diskutiert werden kann und, wo "Europa mit einer Stimme sprechen sollte". Strategische Leitlinien sollten entwickelt werden, die die vorrangige Behandlung der europäischen Beteiligung an diesen globalen Anlagen unterstützen. Außerdem fordern die Autoren des Berichts die Europäische Kommission auf, die Einrichtung spezifischer Mobilitätsprogramme anzuregen, damit Forscher die Möglichkeit erhalten, an Forschungseinrichtungen innerhalb und außerhalb Europas zu arbeiten. Abschließend betont der Bericht, wie wichtig es sei, einen Koordinationsmechanismus zwischen den Interessengruppen wie den Mitgliedstaaten, dem ESFRI, den Forschungseinrichtungen und der Industrie zu haben, um die in dem Bericht aufgeworfenen Themen anzugehen. Dieser Mechanismus würde die wirksame Einführung einer kohärenten Politik zu europaweiten Forschungsanlagen sicherstellen. Die Europäische Kommission wäre dabei in der besten Position, um eine zentrale Rolle bei der Entwicklung dieses Koordinationsmechanismus zu übernehmen. Die Autoren des Berichts argumentieren, dass es sich dabei um ein Europäisches Forschungsinfrastrukturprogramm handeln könnte, das zum Beispiel nach dem erfolgreichen europäischen Fusionsprogramm modelliert wird, mit gut integrierten nationalen und europäischen Maßnahmen.