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Gesundheitsaktivisten drängen Politiker, gegen chemische Substanzen vorzugehen, die Brustkrebs verursachen können

Gesundheitsaktivisten drängen Politiker angesichts weiterer wissenschaftlicher Beweise über einen Zusammenhang zwischen bestimmten chemischen Substanzen und dem rapide zunehmenden Brustkrebsrisiko zum Handeln. Bereits seit Jahrzehnten ist wissenschaftlich erwiesen, dass Östr...

Gesundheitsaktivisten drängen Politiker angesichts weiterer wissenschaftlicher Beweise über einen Zusammenhang zwischen bestimmten chemischen Substanzen und dem rapide zunehmenden Brustkrebsrisiko zum Handeln. Bereits seit Jahrzehnten ist wissenschaftlich erwiesen, dass Östrogene das Risiko für Brustkrebs begünstigen, gleich, ob sie vom Körper der Frau selbst produziert oder künstlich in Tablettenform zugeführt werden, wie beispielsweise bei der Hormonersatztherapie (HET). Jetzt weist ein neuer Bericht "Breast cancer and exposure to hormonally active chemicals" auf die Rolle synthetisch hergestellter chemischer Substanzen hin, die östrogen (hormonähnlich) wirken und zur Entstehung von Brustkrebs beitragen können. Der Bericht war von der Health and Environment Alliance (HEAL) und der Stiftung CHEM Trust in Auftrag gegeben und am 2. April im Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt worden. "Umfangreiche Laborarbeit und epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass synthetisch hergestellte Östrogenpräparate Brustkrebs begünstigen", erklärte der Verfasser des Berichts, Professor Andreas Kortenkamp von der School of Pharmacy der Universität London. "Wir werden nicht in der Lage sein, das Brustkrebsrisiko zu mindern, ohne dabei auch vermeidbare Ursachen in Angriff zu nehmen, insbesondere den Einfluss chemischer Substanzen." Die Brustkrebsrate in Europa ist im Steigen begriffen und weltweit erkranken inzwischen jährlich mehr als eine Million Frauen an Brustkrebs. "Obwohl das Brustkrebsrisiko mit dem Alter der Erstgebärenden steigt und auch durch genetische Faktoren begünstigt wird, erklärt dies noch immer nicht die hohe Zahl von Neudiagnosen", so heißt es in dem Bericht. "Belege scheinen zu bestätigen, dass auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen, unter anderem der Kontakt mit chemischen Substanzen." Anlässlich der Veröffentlichung des Berichts präsentierte Professor Kortenkamp Forschungsergebnisse, die belegen, dass niedrig dosierte einzelne Stoffe keinen erkennbaren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko haben, sich diese Substanzen in Kombination allerdings sehr wohl begünstigend auswirken, selbst wenn die jeweilige Einzeldosis sehr niedrig ist. Professor Kortenkamp betonte auch die Bedeutung des Alters der Frau beim Kontakt mit diesen Stoffen. Besonders im Mutterleib, während das Brustgewebe angelegt wird, und in der Pubertät, wenn sich die Milchgänge in der weiblichen Brust ausbilden, sind Frauen sensibel gegen erhöhte Östrogenwerte. Die Forschungen ergaben beispielsweise, dass Frauen, die in der Pubertät dem Pestizid DDT ausgesetzt waren, eher an Brustkrebs erkranken als Frauen, die in einem späteren Alter mit der Chemikalie in Berührung kamen, wenn das Brustgewebe nicht mehr so empfindlich war. Eine weitere Studie befasste sich mit Frauen, deren Mütter das Medikament DES (Diethylstilboestrol) einnahmen, um einer Fehlgeburt vorzubeugen, und auf diese Weise im Mutterleib synthetischen Östrogenen ausgesetzt waren. Die Ergebnisse zeigten, dass solche Frauen ein doppeltes Brustkrebsrisiko tragen. Die Liste an östrogenen chemischen Substanzen und Produkten, die diese enthalten, ist lang. Obwohl einige dieser Chemikalien, unter anderem DDT und andere Pestizide, inzwischen verboten sind, sind viele andere noch in Verwendung, z.B. Bisphenol A (BPA) in Nahrungsverpackungen aus Kunststoff, Parabene in Kosmetika, UV-Filter in Sonnencremes sowie Alkylphenole in Kunststoffprodukten, Farben, Tinte und Reinigungsmitteln. Wissenschaftler und Gesundheitsaktivisten argumentieren, dass diese Chemikalien in derart vielen Produkten zu finden seien, dass Frauen sie unmöglich umgehen könnten. Daher sei die Zeit gekommen, mithilfe politischer Maßnahmen diese Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen. Wie Professor Kortenkamp betonte, hat die Europäische Union bereits viele hervorragende Forschungsprogramme zu dieser Problematik finanziert. Diesen sei jedoch "keine ausreichend durchdachte und begründete politische Strategie an die Seite gestellt worden, um auf diese neuen wissenschaftlichen Fakten einzugehen", sagte er in einem Interview mit CORDIS-Nachrichten. Inzwischen seien weitere Forschungen nötig. "Durch weitere epidemiologische Studien müssen wir herausfinden, warum Frauen Brustkrebs entwickeln - und worin sie sich von Frauen unterscheiden, die nicht daran erkranken", sagte Dr. Annie Sasco, Leiterin der Abteilung Epidemiologie zur Krebsprävention am Französischen Institut für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM). Diese Studien erfordern den Einsatz biologischer Marker, um festzustellen, welchen Produkten die Menschen ausgesetzt waren. Außerdem müssten toxikologische Studien und experimentelle Untersuchungen an Tieren durchgeführt werden, sagte Dr. Sasco. "Wir müssen unsere Bemühungen bei der Suche nach östrogenen Chemikalien verdoppeln", erklärte Professor Kortenkamp. "Bis jetzt sind wir noch weit von einem vollständigen Bild entfernt."

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