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EU-Studie: Sonnenschutzmittel bedrohen Korallen

Eine Forschergruppe von der polytechnischen Universität Marche in Ancona, Italien, hat Hinweise darauf gefunden, dass Sonnenschutzmittel an der Korallenbleiche schuld sind. Dieser Verlust der Korallenfarbe durch das stressbedingte Abstoßen von symbiotischen einzelligen Algen h...

Eine Forschergruppe von der polytechnischen Universität Marche in Ancona, Italien, hat Hinweise darauf gefunden, dass Sonnenschutzmittel an der Korallenbleiche schuld sind. Dieser Verlust der Korallenfarbe durch das stressbedingte Abstoßen von symbiotischen einzelligen Algen hat negative Auswirkungen auf die Biodiversität und das Funktionieren von Riffökosystemen. Diese von der EU finanzierte Arbeit wurde im US-amerikanischen Magazin Environmental Health Perspectives veröffentlicht. Die Forscher testeten die Wirkung von Sonnenschutzmittel auf drei unterschiedliche Korallenarten in Mexiko, Indonesien, Thailand und Ägypten. Ihre Tests zeigten, dass 18 bis 48 Stunden nach der Belastung mit Sonnenschutzmittel, selbst mit nur geringen Mengen (10 Mikroliter pro Liter Meerwasser), große Mengen von Algen und Korallenteilchen abgestoßen wurden. Nach 96 Stunden waren sie komplett ausgebleicht, wobei höhere Temperaturen den Prozess noch beschleunigten. "Unterschiedliche Marken von Sonnencremes, Schutzfaktoren und Konzentrationen wurden verglichen, und alle Behandlungen verursachten ein Ausbleichen von harten Korallen, wobei die Bleichraten schneller waren, wenn größere Mengen verwendet wurden", erklären die Wissenschaftler. Das Ausbleichen führt nicht nur zum Verlust von Fotosynthesepigmenten, sondern auch zu einer abnehmenden Membranintegrität bei den Algen. Darüber hinaus zeigte die Analyse des umgebenden Meerwassers beträchtlich erhöhte Virenkonzentrationen, bis zu 15-mal mehr als unter normalen Bedingungen. Die Forscher schlossen daraus, dass die Viren von den Korallen oder Algen abgestoßen werden und dass Sonnencremes auf diese Weise vielleicht latente Virusinfektionen fördern könnten. Die Korallenbleiche ist ein weltweites Phänomen, das in den letzten 20 Jahren stark zugenommen hat und üblicherweise mit einem Temperaturwandel, starker Ultraviolettstrahlung, Verschmutzung und bakteriellen Erregern in Verbindung gebracht wird. Schätzungen zufolge werden in tropischen Riffregionen jedes Jahr 4.000 bis 6.000 Tonnen Sonnenschutzmittel von rund 78 Millionen Touristen, die diese Riffe besuchen, freigegeben. Die Forscher warnen, dass bis zu 10% der weltweiten Korallenriffe bedroht sein könnten. Vorangegangene Forschungen haben bereits nachweisbare Konzentrationen chemischer Stoffe aus Sonnenschutzmitteln und anderen Pflegeprodukten sowohl in Meerwasser als auch in Süßwasser gefunden. Diese Stoffe sammeln sich in Wassertieren und haben auf diese eine ähnliche Wirkung wie Östrogen. Sie produzieren beim Abbau außerdem toxische Nebenprodukte. "Man könnte erwarten, dass die Auswirkungen von Sonnenschutzmitteln auf Atolle und Korallenriffe an der Küste mit schwachem Wasseraustausch und starker touristischer Anziehungskraft kritisch sind", schlussfolgern die Forscher. "Unsere Ergebnisse liefern starke wissenschaftliche Hinweise auf die potenziellen Folgen dieser Produkte in tropischen Lebensräumen und stellen einen Anhaltspunkt für die Erarbeitung spezifischer Verordnungen zum Schutz von Korallenriffen dar." "Weil tropische Ökosysteme und Korallenriffe durch den Menschen immer stärker genutzt werden, können wir voraussagen, dass die Folgen von Sonnenschutzmitteln auf die Korallenbleiche in Zukunft und auf globaler Ebene wesentlich wachsen werden", fügen die Forscher hinzu. "Daher sind Maßnahmen notwendig, um Forschung zu und die Nutzung von UV-Filtern, die das Überleben dieser bedrohten tropischen Ökosysteme nicht gefährden, anzuregen." Die Forschung wurde finanziell von den Projekten CORALZOO ("The development of an SME-friendly European breeding programme for hard corals") und REEFRES ("Developing ubiquitous restoration practices for Indo-Pacific reefs") unterstützt, die unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) der EU gefördert wurden.

Länder

Italien

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