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Forschung weist nach: Armutsraten in der EU variieren

Gibt es zwischen den EU- Mitgliedstaaten Diskrepanzen im Hinblick auf die Anteile der in Armut lebenden Bevölkerung? Das Europäische Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung sagt, dass es diese gibt. Neuste Daten zeigen, dass die Armutsraten von 10% bis 23% zwischen d...

Gibt es zwischen den EU- Mitgliedstaaten Diskrepanzen im Hinblick auf die Anteile der in Armut lebenden Bevölkerung? Das Europäische Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung sagt, dass es diese gibt. Neuste Daten zeigen, dass die Armutsraten von 10% bis 23% zwischen den Mitgliedstaaten variieren. Die Länder mit der geringsten Armutsrate sind die skandinavischen Länder, die Tschechische Republik, Österreich, die Slowakei und Slowenien. In der baltischen Region und in der Mittelmeerregion sind die höchsten Anteile anzutreffen. Die Erhebung betraf Daten aus 24 EU-Mitgliedstaaten, Island und Norwegen. Den Zahlen zufolge sind rund 75 Millionen Menschen in der EU von Armut bedroht. Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und das Vereinigte Königreich sind sechs Länder mit dem höchsten Armutsanteil in der Bevölkerung. Besteht ein Unterschied zwischen jungen und alten Menschen im Hinblick auf die Armutsrate? Für Dänemark, Finnland, Norwegen und Zypern ist der Armutsanteil unter den alten Menschen höher als unter den jungen, wogegen in Polen und Ungarn das Risiko der Armut für Kinder besonders hoch ist. Die Forscher sagten, dass es in anderen EU-Ländern keine Altersverzerrung bei der sozialen Absicherung gäbe. Dort lägen die Armutsraten sowohl für junge als auch für alte Menschen über dem Durchschnitt. Im Hinblick auf das regionale Gefälle würden die Armutsanteile zwischen 11 Mitgliedstaaten, für die Daten verfügbar sind, schwanken. Zwischen der niedrigsten und der höchsten regionalen Armut in Griechenland, Spanien und Italien zum Beispiel bestehe ein 3,5-4,0-facher Unterschied. Die Forscher erklärten, dass der Unterschied zwischen absoluter Armut (Anzahl von Menschen unter einer bestimmten Armutsgrenze unabhängig von Zeitpunkt und Ort) und relativer Armut (Zustand des Mangels, der von sozialen Normen definiert wird) zwischen den EU-Ländern erheblich variiert. Durch die Berechnung der beiden unterschiedlichen Schwellen mit Werten von 5 Euro und 10 Euro pro Tag und indem diese an die jeweilige Kaufkraft der Länder angeglichen wurde, konnten die Forscher herausfinden, dass die EU-Mitgliedstaaten mit der höchsten absoluten Armut die Staaten des Baltikums - d.h. Estland, Lettland und Litauen - sowie Polen, Ungarn und die Slowakei sind. Sie erklärten, dass das Maß der Anpassung wesentlich sei. Das Preisniveau liege in der Slowakei bei nur 50% im Vergleich mit dem EU-27-Durchschnitt und erreiche 106% bis 119% in Deutschland, Frankreich oder Schweden. Die Daten zeigten auch, dass die Anzahl der Kinder in einem Haushalt und die Frage, ob jemand in einem Ein-Personen-Haushalt lebt - unabhängig davon, ob es abhängige Kinder gibt oder nicht -, zwei Hauptrisiken sind, die die Haushaltsstruktur beeinflussen könnten. Ein-Personen-Haushalte, die von Armut betroffen sind, haben in Estland, Irland, Lettland, Slowenien und Zypern die 40%-Marke erreicht. In den meisten der 26 untersuchten Länder erreichen oder überschreiten diese Haushalte die 30%-Marke. Die Lissabon-Agenda der EU unterstützt eine größere soziale Kohäsion und die Schaffung neuer und besserer Arbeitsplätze. Die Forscher bemerkten, dass einerseits die Länder, die die niedrigsten Armutsanteile berichten ,auch die höchsten Beschäftigungsraten vorzuweisen haben. Dazu gehören auch die Niederlande und Schweden. Auf der anderen Seite haben die EU-Mitgliedstaaten Griechenland, Italien und Spanien niedrige Beschäftigungsraten, was höhere Armutsraten mit sich bringt. Für die Durchführung ihrer Studie verwendeten die Forscher den EU-SILC-Datensatz (Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen). EU-SILC ist ein Instrument zur jährlichen Sammlung aktueller und vergleichbarer mehrdimensionaler Mikrodaten über Einkommen, Armut, soziale Ausgrenzung und Lebensbedingungen. Es werden sowohl Querschnitts- als auch Longitudinaldaten erhoben.

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