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HI-Virus im Wettrüsten mit dem menschlichen Immunsystem

Das HI-Virus (das Virus der Immunschwächekrankheit AIDS) entwickelt sich in Höchstgeschwindigkeit weiter, um der Immunabwehr des menschlichen Körpers zu entkommen, so lautet das Ergebnis einer neuen Forschungsarbeit eines internationalen Teams von Wissenschaftlern. Die ernücht...

Das HI-Virus (das Virus der Immunschwächekrankheit AIDS) entwickelt sich in Höchstgeschwindigkeit weiter, um der Immunabwehr des menschlichen Körpers zu entkommen, so lautet das Ergebnis einer neuen Forschungsarbeit eines internationalen Teams von Wissenschaftlern. Die ernüchternden Ergebnisse betonen die Schwierigkeit der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen das schnell mutierende Virus. Die Studie, die teilweise über ein Marie-Curie-Stipendium der EU finanziert wurde, erschien online in der Zeitschrift Nature. Eine Gruppe hoch spezialisierter Proteine, die humanen Leukozytenantigene (HLA) bilden sozusagen das Herz des menschlichen Immunsystems. Diese Proteine melden den auf HIV spezialisierten T-Zellen winzige Fragmente des HI-Virus und sind dem Immunsystem auf diese Weise behilflich, mit dem Virus infizierte Zellen zu erkennen und zu zerstören. Wir erben die Gene, welche die HLA-Proteine codieren, von unseren Eltern und so haben verschiedene Menschen geringfügig unterschiedliche HLA-Proteine. Diese kleinen Unterschiede können erklären, warum manche HIV-positive Menschen ohne Anti-HIV-Therapie für viele Jahre überleben können, während AIDS ( erworbenes Immundefektsyndrom) bei anderen Patienten innerhalb weniger Monate ausbricht. Hinzu kommt, dass bestimmte HLA-Varianten in einigen Teilen der Welt häufiger als in anderen auftreten. Nur allzu oft mutiert das HI-Virus allerdings auf eine Art und Weise, dass es selbst den wirksamsten HLA-Proteinen ein Schnippchen schlägt. In dieser jüngsten Studie untersuchten die Wissenschaftler, wie sich das HI-Virus an menschliche Immunreaktionen anpasst. Dazu analysierten sie bei über 2.800 HIV-Patienten aus 5 Ländern die genetischen Sequenzen der HLA-Gene und des HI-Virus. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die mit einem speziellen HLA-Gen in Zusammenhang stehenden Mutationen, die dem HI-Virus gestatten, einer Immunreaktion zu entkommen, am zahlreichsten in den Bevölkerungsgruppen auftraten, in denen auch dieses HLA-Gen häufig war. Ein Gen mit der Bezeichnung HLA-B*51 ist zum Beispiel äußerst effektiv bei der Kontrolle des HI-Virus. Bei den meisten Menschen mit diesem HLA-Gen mutiert das Virus jedoch extrem schnell, um den durch das Gen erzeugten Proteinen zu entgehen. In Japan ist HLA-B*51 recht häufig und die Forscher fanden bei 66% der Patienten, die das HLA-B*51-Gen nicht hatten, die relevanten HIV-Flucht-Mutationen. Im Gegensatz dazu lag diese Zahl im Vereinigten Königreich und in Afrika, wo das HLA-B*51-Gen seltener ist, zwischen 15% und 25%. "Wenn in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ein günstiges HLA-Gen in hohem Maße vorhanden ist, so gibt es auch ein hohes Maß an Mutationen, die es dem HI-Virus ermöglichen, diesem speziellen Geneffekt Widerstand zu leisten", erläutert Professor Rodney Phillips von der Universität Oxford im Vereinigten Königreich. "Man könnte sagen: Das Virus läuft der menschlichen Variation davon." "Wir beobachteten ähnliche Effekte bei wirklich jeder Mutation", die wir uns anschauten, fügt sein Kollege Professor Philip Goulder hinzu. "Dies zeigt uns, dass das HI-Virus bei der Anpassung an die Immunreaktion von Bevölkerungsgruppen, die das Virus am wirkungsvollsten zügeln können, unglaublich geschickt ist." Die Erkenntnisse haben unweigerlich Auswirkungen auf die Entwicklung von HIV-Impfstoffen, da diese in der Regel die stärksten natürlichen Immunantworten zu verstärken versuchen. "Das Ganze hat dann die Auswirkung, dass ein einmal gefundener wirksamer Impfstoff häufig verändert werden muss, um mit dem sich ständig wandelnden Virus Schritt zu halten. Ähnlich verfährt man ja heutzutage mit dem Grippeimpfstoff", kommentiert Professor Goulder. Professor Christian Brander vom spanischen Institut de Recerca de la Sida IrsiCaixa hebt hervor: "Diese neue Studie verdeutlicht, dass die Entwicklung eines Impfstoffs mit Studien zur menschlichen Genetik einhergehen muss, die bei der Ermittlung der Unterschiede, aber auch der gemeinsamen Eigenschaften in der Impfbevölkerung helfen." Professor Goulder bewahrt sich jedoch eine optimistische Sicht auf die Erkenntnisse. "Die Versuchung ist groß, dies als schlechte Nachricht aufzufassen, zu denken, dass diese Ergebnisse bedeuten, dass das Virus die Schlacht gewinnt", gibt er zu bedenken. "Das muss aber nicht unbedingt der Fall sein. Es könnte gleichermaßen sein, dass bei einem sich verändernden Virus verschiedene Immunreaktionen ins Spiel kommen, die dann weitaus wirksamer ausfallen." Derzeit leben weltweit über 33 Millionen HIV-infizierte Menschen, über 2,5 Millionen Menschen werden jedes Jahr neu infiziert. Auf das Konto der heimtückischen Krankheit gehen bereits mindestens 25 Millionen Tote.

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