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Korallenriffe in der Karibik seit den 1970ern stark zerstört

Die ursprünglich filigran verästelten, farbenprächtigen Korallenriffe sind in den letzten 40 Jahren in der gesamten Karibik größtenteils "abgeflacht" - zu dem traurigen Resultat kommt eine neue Studie von Forschern aus dem Vereinigten Königreich und aus Kanada. Ihre Ergebnisse...

Die ursprünglich filigran verästelten, farbenprächtigen Korallenriffe sind in den letzten 40 Jahren in der gesamten Karibik größtenteils "abgeflacht" - zu dem traurigen Resultat kommt eine neue Studie von Forschern aus dem Vereinigten Königreich und aus Kanada. Ihre Ergebnisse kamen in den Proceedings of the Royal Society B zur Veröffentlichung. Gesunde Korallenriffe enthalten Millionen von Organismen, die in der komplexen biologischen Vielfalt der Ozeane allesamt eine Rolle spielen. Ihre Zerstörung hat sowohl für die Biodiversität der Ozeane als auch für den Küstenschutz gravierende Auswirkungen. Weil Korallen Zuflucht, Nahrung und Brutplätze für ein Viertel aller Fischarten der Ozeane bieten und die Küsten schützen, spielen sie eine Schlüsselrolle im Lebensraum Meer. Wissenschaftler wissen schon lange über die fortschreitende Zerstörung der Korallenriffe Bescheid, aber die neue Studie stellt die erste große und umfassende Übersicht über das Phänomen und seine Auswirkungen auf die Artenvielfalt und das Meer sowie auch den Küstenschutz dar. Diese Forschungsarbeit zeigt auf, dass die meisten Riffe in der Karibik in den letzten Jahrzehnten ihre feine Struktur und ihren stark verzweigten, formenprächtigen Aufbau verloren haben und gleichförmiger - also flacher - geworden sind, und dass ganze Riffe fast völlig zerstört sind. Das Team von der University of East Anglia (UEA) im Vereinigten Königreich und der Simon Fraser University in Kanada analysierte Veränderungen in 200 Korallenriffen in der Karibik und berücksichtigte 500 Untersuchungen aus der Zeit zwischen 1969 und 2008. Die Forscher fanden heraus, dass im Vergleich zu den 1970er Jahren 75% der Riffe heute abgeflacht sind. "Die architektonische Komplexität der karibischen Riffe hat nichtlinear mit dem baldigen Verschwinden der komplexesten Riffe in den letzten 40 Jahren abgenommen", so die Studie. "Seit den frühen 1980er Jahren war die Abflachung der Riffe in der Karibik ganz offensichtlich, gefolgt von einem Zeitraum des Stillstands zwischen 1985 und 1998, und einer bis heute andauernden Fortsetzung des Rückgangs der Komplexität." Die Erhebungen ergaben, dass Korallen in flachen, mitteltiefen und tiefen Gewässern in ähnlicher Weise betroffen sind. Nach Angaben der Forscher haben zwei wichtige Ereignisse wesentlich zum Niedergang der Korallenriffe in der Karibik beigetragen. Das erste war in den 1970er Jahren eine sich in den Gewässern zwischen Florida und der Karibik ausbreitende Krankheit, die 90% der Elch- und Hirschgeweihkorallen zerstörte. Das zweite Ereignis ist der Klimawandel unserer Tage, der zu steigenden Temperaturen der Ozeane geführt und dementsprechend auch das Vorkommen der Korallenbleiche erhöht hat. Dies war 1998 ganz besonders zu spüren, als es weltweit zu einer verstärkten Ausbleichung kam. Die Hauptschuld der Korallenriffzerstörung trägt der Mensch mit all seinen destruktiven Aktivitäten. Überfischung, vor allem die vernichtende Praxis der Grundschleppnetzfischerei, hatte verheerende Auswirkungen auf die Korallenriffe, so wurden dabei nicht selten große Teile der in Tausenden von Jahren gewachsenen Riffe abgerissen. Die Umweltverschmutzung durch Industrie und Landwirtschaft trägt außerdem zur Versauerung des Ozeans mit ihren tödlichen Folgen für die Korallen bei. Sogar die Sonnenanbeter sind nicht ohne Schuld. Das Benutzen von Sonnenschutzmitteln beim Baden im Meer kann Korallen schädigen, da sich der Effekt der jährlich in das Meer freigesetzten Tausenden Tonnen von Chemikalien aus Sonnenschutzmitteln akkumuliert. Forschungsleiter Lorenzo Alvarez-Filip von der University of East Anglia warnt: "Dieser drastische Verlust der architektonischen Komplexität führt ganz eindeutig zu einem erheblichen Rückgang der biologischen Vielfalt, was wiederum Auswirkungen auf die Küstenfischerei haben wird. Der Verlust der Struktur reduziert außerdem den natürlichen Küstenschutz der Karibik in erheblichem Maße, wodurch das Risiko für Küstenerosion und Überflutungen massiv ansteigt."

Länder

Kanada

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