EU-Projekt fischt im Meer nach pharmazeutischen Ressourcen
Die Ozeane als Medizinschrank der Menschheit? Prominentes Beispiel: "Crème de la Mer" ist eines der weltweit angesehensten Hautpflegeprodukte und enthält fermentierten Seetang, der zur Hautbefeuchtung eingesetzt wird. Die Creme wurde ursprünglich von Max Huber, Wissenschaftler der US-Weltraumbehörde NASA, zur Behandlung schwerer Verätzungen entwickelt. Unternehmen rund um die Welt arbeiten daran, verschiedene natürliche Quellen von Verbindungen zu identifizieren und auszuschöpfen, die sich möglicherweise als wirksame Arzneimittel und andere nützliche Produkte erweisen. An diesen Bemühungen ist ein EU-finanziertes Wissenschaftlerteam beteiligt, das auf der Jagd nach biologisch aktiven Substanzen in Meeresorganismen ist, die sich als Basis pharmazeutischer Erzeugnisse eignen könnten. Das MAREX-Projekt ("Exploring marine resources for bioactive compounds: from discovery to sustainable production and industrial applications") erhielt innerhalb des Themenbereichs "Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei sowie Biotechnologie" (KBBE) des Siebten EU-Rahmenprogramms (RP7) 6 Mio. EUR. Aufgabe des Projekts ist es, marine Organismen einschließlich Seeanemonen, Manteltiere sowie Mikro- und Makroalgen aus dem Mittelmeer, der Ostsee und dem Arabischen Meer sowie im Atlantischen, Pazifischen und Indischen Ozean zu sammeln, zu isolieren und zu klassifizieren. Die von der Universität Helsinki in Finnland koordinierten MAREX-Partner nehmen die aus marinen Organismen isolierten, chemisch modifizierten Verbindungen genauer unter die Lupe, um geeignete medizinische Einsatzzwecke zu finden. Dieser Prozess sei recht komplex, so das MAREX-Team, eine umfassende und sorgfältige Planung sei allerdings der Schlüssel zum Erfolg und man sehe gute Chancen auf "interessante wirksame Verbindungen zur Entwicklung von Arzneimitteln" gegen etliche Erkrankungen wie beispielsweise Krebs. Ganz oben auf der Aufgabenliste steht das Sammeln von Proben. Nach Angaben des 19-köpfigen Konsortiums schadet diese Vorgehensweise den Ökosystemen der Ozeane und Meere in keiner Weise. Während durchaus auch bereits vorhandene Probenkollektionen betrachtet werden, konzentrieren die Partner ihre Anstrengungen ganz besonders auf Materialien, die bislang noch nie untersucht wurden. "Wir werden gleich von Anfang an prüfen, ob eine Alge oder ein anderer Rohstoffe aus dem Meer im industriellen Maßstab genutzt werden kann", erklärt Dr. Päivi Tammela, Forscherin an der Fakultät für Pharmazie der Universität Helsinki. Professor Jari Yli-Kauhaluoma und Dr. Paula Kiuru von der Universität Helsinki weisen darauf hin, dass die aus Meeresorganismen gewonnenen Verbindungen meist eine sehr komplexe chemische Struktur hätten. Die Partner verfolgen das Ziel, die wesentlichsten Strukturen der "interessantesten Verbindungen" zu identifizieren. Sobald diese Informationen vorliegen, könne das Team die Struktur einer komplexen Verbindung vereinfachen, ohne die biologische Aktivität zu verändern. Wesentliche Beiträge zu diesem Projekt leisten Forscher und Industrieunternehmen aus Belgien, Chile, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, dem Libanon, Polen, Slowenien, Spanien, Schweden, Türkei und dem Vereinigten Königreich. Die MAREX-Ergebnisse werden neben der Zielsetzung der industriellen Produktentwicklung dazu beitragen, das Wachstum und die Produktivität der marinen Biotechnologie in Europa zu fördern. Die Partner werden an der Steigerung des Bewusstseins für die Beschaffung mariner Biotechnologieprodukte sowie die Artenvielfalt und das Potenzial des Meeres arbeiten. Das im August 2010 gestartete MAREX-Projekt, das im Juli 2014 enden soll, wird letztlich die europäische Industrie dabei unterstützen, ihr Produktportfolio bei verschiedenen Anwendungen in den Sektoren Pharmazeutika, Nutrazeutika, Kosmetik, Agrochemie und Nahrungsmittelverarbeitung zu stärken.
Länder
Belgien, Chile, Spanien, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Libanon, Polen, Schweden, Slowenien, Türkei, Vereinigtes Königreich