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Stadtplanung unter dem Vorzeichen des Klimawandels

Seit 1907 heißt das offizielle Motto der Pfadfinderbewegung "Allzeit bereit!", zu gut Englisch "Be Prepared!". Und der Klimawandel verlangt von uns, auf Unerwartetes vorbereitet zu sein. Ein neues Werkzeug wird den Stadtplanern dabei zur Hand gehen, unsere Städte auf sich verä...

Seit 1907 heißt das offizielle Motto der Pfadfinderbewegung "Allzeit bereit!", zu gut Englisch "Be Prepared!". Und der Klimawandel verlangt von uns, auf Unerwartetes vorbereitet zu sein. Ein neues Werkzeug wird den Stadtplanern dabei zur Hand gehen, unsere Städte auf sich verändernde Witterungsbedingungen vorzubereiten und nachhaltigere Städte zu erschaffen. Das betreffende Instrument ist ein internetbasiertes Planungs-, Prognose- und Trainingswerkzeug, das dazu eingesetzt werden kann, Entscheidungen bei der langfristigen Stadtplanung zu treffen. Das Tool wurde im Rahmen des SUDPLAN-Projekts ("Sustainable urban development planner for climate change adaptation") entwickelt, das unter dem Programm "IKT für Umweltdienstleistungen und Anpassung an den Klimawandel" (ICT for environmental services and climate change adaptation) des Siebten EU-Rahmenprogramms (RP7) mehr als 2,5 Millionen EUR erhielt. Die Entwickler des Werkzeugs gehen davon aus, dass der Klimawandel für die europäischen Städte im Vergleich zur Vergangenheit neuen und ganz anderen Umweltstress bringen wird. SUDPLAN soll zur Sicherung der Gesundheit der Bevölkerung, zu Wohnkomfort, Sicherheit und Lebensqualität sowie zur Nachhaltigkeit der Investitionen in Einrichtungen und Infrastrukturen unter den Bedingungen eines sich wandelnden Klimas beitragen. SUDPLAN sorgt mit seiner offenen Beschaffenheit und architektonischen Gestaltung für einen gemeinsamen Informationsraum in Europa. Das Forscherteam erstellte zu diesem Zweck Prognosen über den Klimawandel und analysierte ihre Auswirkungen auf Stadtebene. Lars Gidhagen vom Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Institut (Sveriges Meteorologiska och Hydrologiska Institut, SMHI) in Norrköping und Projektkoordinator erklärt dazu: "Man sieht die Dinge in 3-D. Will man etwas über die Überflutung einer Straße erfahren, kann man sehen, wie weit sich das Wasser in Bezug auf umliegende Gebäude ausbreiten wird." Viele europäische Städte haben es bereits mit dem Einfluss des Klimawandels zu tun bekommen: Überschwemmungen entlang der Flüsse nehmen zu. Diese stehen meist mit den Niederschlägen und der Schneeschmelze in vorgelagerten Flusseinzugsgebieten im Zusammenhang und kaum mit der Stadt selbst. SUDPLAN vereinfacht die Planung derartiger Überschwemmungen sowie auch anderer Szenarien wie Überflutungen durch Starkregen oder, falls es ins andere Extrem umschlägt, Dürren und Wasserknappheit. Außerdem kann die zunehmende Luftverschmutzung in Verbindung mit nationalen Standards und ökologischen Zielen sowie in Bezug auf eine Zukunft mit verändertem Klima bewertet werden. Eine Stadt, die bereits mit den Folgen von Überschwemmungen leben muss, ist Wuppertal in Deutschland. Wuppertal hat 350.000 Einwohner und liegt in einer hügeligen Landschaft. Bei starken Regenfällen wird die Regen- und Abwasserkanalisation schnell von überlaufenden Bächen blockiert, wodurch die Niederschläge dann auf der Oberfläche abfließen. Dieser oberflächlich abfließende Starkregen beschädigt oftmals wertvolle öffentliche Infrastrukturen und Privateigentum. Was diese Situation noch verschärft, ist die Tatsache, dass von einem immer stärkeren Einfluss des Klimawandels auf die Häufigkeit von Starkregen in Wuppertal auszugehen ist. Und diese Faktoren machen das nordrhein-westfälische Industriezentrum zu einer idealen Teststadt für das SUDPLAN-Projekt. "Wuppertal hat ernsthafte Hochwasserprobleme: die Fluten ergießen sich wie Flüsse durch die Straßen. Dort kann unser Simulationsinstrument eingesetzt werden, um die zur Veränderung der Stadttopographie ergriffenen Maßnahmen wie etwa den Einbau kleiner Barrieren in die Straßen und das Anheben von Bürgersteigen, um das Eindringen von Wasser in Häuser zu verhindern, zu beobachten", meint Lars Gidhagen. Das Instrument wurde auch in anderen Städten getestet. Stockholm in Schweden und Prag in der Tschechischen Republik wurden für Luftqualitätstests ausgewählt; Linz in Österreich stand mit seinen Regen- und Abwasserkanalsystemen auf den Prüfstand. Die 3D-Visualisierungskomponente von SUDPLAN, welche den schwierigsten Teil des SUDPLAN-Szenariomanagementsystems (Scenario Management System, SMS) beinhaltet, steht derzeit der Öffentlichkeit für Tests zur Verfügung. Diese Komponente sorgt für die Visualisierung von SUDPLAN- Daten und Resultaten in einem geographischen 3D-Kontext. Sie integriert das Geoinformationssystem (GIS), Visualisierungs- und Simulationsergebnisse unter Einsatz des World Wind-Softwareentwicklungsbaukastens (Software Development Kit, SDK). Zu den von der SUDPLAN-3D-Komponente unterstützten Datentypen zählen eindimensionale Daten (z. B. georeferenzierte Niederschlagsmessungen) bis hin zu zeitlichen 3D-Datensätzen (z. B. Luftverschmutzungszeitreihen in 3D).Weitere Informationen sind abrufbar bei: SUDPLAN: http://www.smhi.se/sudplan Swedish Meteorological and Hydrological Institute: http://www.smhi.se/en

Länder

Österreich, Tschechien, Deutschland, Schweden

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