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Inhalt archiviert am 2023-03-16

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Blick auf den Supersturm auf Saturn

Dank der Fähigkeiten der Cassini-Sonde, Wärme zu erkennen, und zweier Bodenteleskope, konnten Astronomen einen ersten Blick auf die Nachwirkungen des Großen Frühlingssturms auf Saturn werfen. Auch wenn das kosmische Ereignis mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist, bleibt ei...

Dank der Fähigkeiten der Cassini-Sonde, Wärme zu erkennen, und zweier Bodenteleskope, konnten Astronomen einen ersten Blick auf die Nachwirkungen des Großen Frühlingssturms auf Saturn werfen. Auch wenn das kosmische Ereignis mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist, bleibt ein riesiger ovaler Wirbel auch noch lange nachdem die sichtbaren Auswirkungen des Sturms nachgelassen haben bestehen. Diese spektakulären Beobachtungen wurden dank der bodengestützten Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile und der Infrarotteleskopanlage der NASA auf dem Gipfel des Mauna Kea in Hawaii möglich. Die lebhaften Wolkenstrukturen erschienen erstmals im Dezember 2010 und verwüsteten bis weit in das Jahr 2011 hinein weite Teile der mittel-nördlichen Breiten der Saturn-Atmosphäre, was die Fantasie der Amateur- und professionellen Astronomen gleichermaßen stark anregte. Doch nach neuen Berichten, die sich auf Temperaturen, Wind und Zusammensetzung der Saturnatmosphäre konzentrieren, entdecken die Wissenschaftler jetzt, dass die spektakulären Wolkenformationen nur ein Teil der Geschichte sind. Ein Großteil der damit verbundenen Aktivität fand außerhalb der Reichweite der Kameras statt, die nur sichtbares Licht erfassen, und die Nachwirkungen dauern bis heute fort. "Es ist das erste Mal, dass wir so etwas wie dies auf einem Planeten im Sonnensystem beobachten", sagt Leigh Fletcher von der Universität Oxford, Vereinigtes Königreich, Hauptautor des Papiers, das in der ICARUS veröffentlicht wurde. "Es ist sehr ungewöhnlich, da wir den Wirbel nur bei infraroten Wellenlängen sehen können - er liegt unter der Wolkendecke und ist nicht so einfach zu erkennen." Eine ergänzende Arbeit von B. Hesman et al. wurde ebenfalls für die Veröffentlichung im Astrophysical Journal akzeptiert. Als der sichtbare Sturm in der tosenden Wolkendecke der Saturntroposphäre losbrach, kletterten Energiewellen über Hunderte von Kilometern nach oben und ließen ihre Energie in Form zweier riesiger "Feuer" aus heißer Luft in der Stratosphäre zurück. Diese Feuer sollten eigentlich abkühlen und sich zerstreuen. Doch Ende April 2011 hatten gleißende Wolken den gesamten Planeten umgeben und die Heißen Flecken hatten sich zusammengeschlossen und bildeten einen enormen Wirbel, der eine kurze Zeit lang sogar die Größe des berühmten Großen Roten Flecks des Jupiter übertrafen. Ferner war die Temperatur des Wirbels weit höher als erwartet, etwa 80 Grad Celsius wärmer als die umgebende Atmosphäre. Gleichzeitig wurden große Spitzen bei Gasen wie Ethylen und Acetylen entdeckt. Der Saturnwirbel ähnelt in mancher Hinsicht dem Großen Roten Fleck: er isoliert ebenfalls die Atmosphäre in ihren Kern von der Umgebung, wodurch die einzigartige Chemie und die hohen Temperaturen innerhalb der Mauern mächtiger Winde, die um seinen Rand peitschen, am Rand, gefesselt werden. "Aber der Jupiterwirbel ist tief in die turbulente Wetterzone eingebettet, während der riesige Wirbel auf Saturn höher in der Atmosphäre liegt, wo man seine Bildung normalerweise nicht erwarten würde", sagt Dr. Fletcher. "Obwohl sich Parallelen zwischen beiden ziehen lassen, scheinen die Mechanismen, durch die sie gebildet wurden und die Dauer, für die sie existieren werden, sehr unterschiedlich zu sein." Jupiters berühmter Wirbel tobt seit mindestens 300 Jahren und durchläuft den Planeten einmal alle 120 Tage, doch seit Mai 2011 kühlt Saturns großer Wirbelsturm ab und schrumpft. Wissenschaftler erwarten, dass er bis Ende 2013 komplett verblassen wird. Die Frage bleibt nun, ob die Energie, die den Saturnsturm angefacht hat, vollends geschwächt ist oder ob er sich wieder entfachen wird. Der Ausbruch überraschte die Beobachter bereits bei seiner Ankunft während des Frühlings auf der nördlichen Hemisphäre des Planeten, Jahre vor den vorhersehbaren Sommerstürmen. "Schön ist, dass Cassini noch bis zur Sommersonnenwende im Saturnsystem im Jahr 2017 betriebsbereit sein wird, sodass wir dabei sein werden, wenn ein anderes globales Ereignis wie dieses geschieht", sagt Cassini-Projektwissenschaftler Nicolas Altobelli von der ESA. Die Cassini-Huygens-Mission ist ein Gemeinschaftsprojekt der NASA, der Europäischen Weltraumorganisation und der italienischen Weltraumagentur. Das Jet Propulsion Laboratory, eine Abteilung des California Institute of Technology in Pasadena, leitet die Mission für die Wissenschaftlichen Missionen der NASA (Science Mission Directorate), Washington, DC.Weitere Informationen sind abrufbar unter: ICARUS http://www.journals.elsevier.com/icarus/(öffnet in neuem Fenster) ESA http://www.esa.int(öffnet in neuem Fenster)

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