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Wissenschaft im Trend: Der Verzehr von rotem Fleisch ist laut einer neuen Studie nicht ungesund

In kontroversen Berichten ist die Rede davon, dass es keinen tatsächlichen Beweis dafür gebe, dass rotes Fleisch ungesund sei.

Grundlagenforschung

Ist es an der Zeit, rotes Fleisch wieder auf die Speisekarte zu setzen? Ein Team von 14 Forschern aus sieben Ländern, das mehr als 130 Artikel und ein Dutzend randomisierte Studien untersuchte, vertritt diese Auffassung. Es wurden die Gesundheitsdaten von Millionen Menschen analysiert. Die in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ des American College of Physicians veröffentlichten Ergebnisse rügen die meisten globalen Gesundheitsrichtlinien, die Menschen dazu anhalten, den Konsum von rotem Fleisch zu reduzieren. Die Forscher folgern, dass die Beweise, welche den Verzehr von rotem Fleisch mit Krebs, Herzerkrankungen und Sterblichkeit in Verbindung brächten, schwach und unverlässlich seien. Bradley Johnston, Hauptautor und Professor für Volksgesundheit und Epidemiologie an der kanadischen Dalhousie University, berichtete der „CNN“, dass bei der Analyse nicht herausgekommen sei, dass „der Verzehr von rotem Fleisch oder verarbeitetem Fleisch mit Sicherheit Krebs, Diabetes oder Herzerkrankungen verursacht.“ Laut Prof. Johnston stellen die Ernährungsrichtlinien der Abhandlung eine „schwache Empfehlung“ auf der Grundlage „minderwertiger Beweise“ dar, die besagt, dass die meisten Menschen den Verzehr von rotem Fleisch oder verarbeitetem Fleisch nicht reduzieren müssten.

Etablierte wissenschaftliche und diätetische Erkenntnisse im Zweifel

Die Empfehlungen der Studie stehen entgegen der etablierten Forschung und unter anderem entgegen der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, der American Cancer Society und der American Heart Association. Prof. Johnston und sein Team sind für führende Experten zur leichten Beute geworden. „Dies ist eine überaus unverantwortliche öffentliche Gesundheitsempfehlung“, sagte Dr. Frank Hu, der Vorsitzende des Fachbereichs Ernährung an der Harvard T.H. Chan School of Public Health. „Die Empfehlungen spiegeln nicht die aktuelle Ernährungsliteratur wieder und werden für ein großes Maß an Verwirrung in der allgemeinen Öffentlichkeit sorgen.“ „Warum sollte man eine schwache Empfehlung zum Verzehr von roten und verarbeitetem Fleisch abgeben?“, fragte Christopher Gardner, Ernährungswissenschaftler an der Stanford School of Medicine. „Ich bin völlig verblüfft. Ich bin auch wirklich besorgt um die damit verbunden Gefahren.“ „Es gibt substanzielle Beweise dafür, dass verarbeitetes Fleisch Darmkrebs verursachen kann – so viele, dass die Weltgesundheitsorganisation dieses seit 2015 als krebserregend einstuft“, sagt Epidemiologe Tim Key von der Oxford University. „Falls die Erkenntnis aus dieser Publikation ist, dass ,rotes und verarbeitetes Fleisch‘ wieder zurück sind, wäre der Öffentlichkeit damit kein Gefallen getan“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Alice Lichtenstein, die Leiterin des Cardiovascular Nutrition Laboratory am Human Nutrition Research Center on Aging der Tufts University.

Rotes Fleisch gut, Interpretation von Ernährungsforschung schlecht

Die Abhandlung besagt nicht, dass rotes Fleisch unbedenklich sei, dass die vorhandenen Beweise jedoch nicht ausreichten, um verschiedene Empfehlungen über den Verzehr von rotem Fleisch zu geben. Es wird lediglich auf die nicht dem Standard von Ernährungsstudien entsprechenden Beweise hingewiesen. „Es ist eine Form von Bevormundung, wenn wir den Menschen einfach sagen, sie sollen ihren Fleischverzehr reduzieren“, lautete die Antwort von Prof. Johnston gegenüber „USA Today“. „Wir glauben nicht, dass es für die Bevölkerung als Ganze weitreichende öffentliche Gesundheitsempfehlungen geben sollte, die fast schon eine Einschüchterungstaktik sind.“ Auf was sich alle einigen können, ist, dass die aufgeheizte Debatte einen Dialog entfachen kann: „Was wir möchten, ist ein Gespräch mit Patientinnen und Patienten, sowie offene und ehrliche Diskussionen mit Patientinnen und Patienten“, sagte Dr. Jeffrey Mechanick, medizinischer Leiter des Marie-Josée and Henry R. Kravis Center for Cardiovascular Health an der Klinik Mount Sinai Heart. „Es kann (bei der Ernährung) einmal pro Woche oder einmal alle zwei Wochen Platz für ein Filet ohne Fettrand geben. Achten Sie einfach darauf, dass Sie auch gegartes Gemüse, Hülsenfrüchte, Salate und Beeren essen.“

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