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Wissenschaft im Trend: Laut einer Studie hat der Mensch regenerative Kräfte

Wissenschaftler behaupten, der Mensch wäre in der Lage zur Neubildung von Knorpel.

GRUNDLAGENFORSCHUNG

Wissenschaft im Trend

© Marek R. Swadzba, Shutterstock

Der Mensch kann seine Gliedmaßen nicht nachwachsen lassen, sofern nicht die Rede von Science-Fiction ist. In einer faszinierenden Studie in der Fachzeitschrift „Science Advances“ wird nahe gelegt, dass der menschliche Körper eine verborgene Fähigkeit zur Neubildung von Knorpel hätte. Dies ist das erste Mal, dass die Wissenschaftsgemeinde systematisch in menschlichem Gewebe nach Anzeichen auf Regeneration gesucht hat. Ein entsprechender Fund könnte bei der Behandlung von Gelenkverletzungen und sogar Arthritis helfen.

Kann sich der menschliche Körper selbst besser reparieren?

Ein Team von amerikanischen Forschern der Duke University wandte Massenspektrometrieverfahren auf 18 Gelenkgewebeproben von den Hüften, Knien oder Knöcheln von Patienten an, die einem chirurgischen Eingriff unterzogen worden waren. Es wurde ein Mechanismus ermittelt, durch den der Mensch Gewebe im Bereich von Knöchel, Knie und Hüfte repariert. Dieser Mechanismus ähnelt dem, den Amphibien nutzen, um ihre Beine nachwachsen zu lassen. „Wir glauben, dass ein Verständnis dieser ,salamanderähnlichen‘ regenerativen Fähigkeit beim Menschen und der wesentlichen fehlenden Komponenten dieses regulatorischen Kreislaufs das Fundament für neue Ansätze zur Reparatur von Gelenkgewebe und möglicherweise ganzer menschlicher Gliedmaßen legen könnte“, sagte die leitende Autorin Dr. Virginia Byers Kraus, Professorin an den Fachbereichen für Medizin, Pathologie und orthopädische Chirurgie an der Medizinischen Fakultät der Duke University, in einer Pressemitteilung.

Unseren „inneren Salamander“ kanalisieren

Salamander und andere Tiere mit der Fähigkeit zur Neubildung von Körperteilen haben eine Art Molekül namens microRNA, das die Regulierung der Reparatur von Gelenkgewebe unterstützt. Die Forscher fanden heraus, dass auch der Mensch microRNA nutzt. „Wir stellten gespannt fest, dass die Regulatoren für die Regeneration in Salamandergliedmaßen auch die Reparatur von Gelenkgewebe in menschlichen Gliedmaßen zu steuern scheinen“, sagte der leitende Autor Dr. Ming-Feng Hsueh. „Wir bezeichnen dies als die Fähigkeit unseres ,inneren Salamanders‘.“ Laut der Forscher könnte microRNA für die Medizin weiterentwickelt werden, um Arthritis vorzubeugen, zu verlangsamen oder umzukehren. „Wir glauben, wir könnten diese Regulatoren verbessern, um den abgebauten Knorpel von einem arthritischen Gelenk vollständig neu zu bilden. Falls wir herausfinden können, welche Regulatoren im Vergleich zum Salamander fehlen, ist es uns vielleicht möglich, die fehlenden Komponenten wieder hinzuzufügen und irgendwann eine Methode zu entwickeln, um eine verletzte menschliche Gliedmaße teilweise oder ganz wiederherzustellen“, erklärte Dr. Kraus. „Wir glauben, dass dies ein fundamentaler Reparaturmechanismus ist, der auf viele Gewebearten angewandt werden könnte, nicht nur auf Knorpel.“

Ist die Neubildung von menschlichen Gliedmaßen zu weit hergeholt?

„Die traditionelle Sichtweise ist, dass der Knorpel, der die Gelenke im ganzen Körper umgibt, identisch ist und nicht repariert oder wiederhergestellt wird“, berichtete Dr. Kraus der „Newsweek“. „Diese Forschung zeigt, dass der Knorpel an unterschiedlichen Stellen verschieden ist und dass der Knorpel eine natürliche Reparaturfähigkeit hat, die je nach Gelenkstelle unterschiedlich ist.“ „Die Implikationen sind weitreichend, sie legen neue Behandlungen nahe, die auf Verbesserungen der menschlichen Fähigkeit zur Knorpelreparatur mit regenerativer microRNA basieren“, fügte Dr. Kraus hinzu. „Wir fragen uns, ob es eines Tages, ausgehend von einem tieferen Verständnis der Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten von Mensch und Salamander, möglich sein könnte, eine menschliche Gliedmaße nachwachsen zu lassen.“

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