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Alternativtherapien zur Behandlung von rheumatoider Arthritis

Um bei Menschen mit rheumatoider Arthritis die Ansprache auf die Behandlung zu verbessern, hat eine Forscherin aus der EU ein neues, zielgerichtetes synthetisches Antirheumatikum entwickelt.

Gesundheit

Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische Entzündung der Gelenke, von der bis zu 1 % der Bevölkerung betroffen sind. Die Erkrankung entsteht in der Regel im Erwachsenenalter und verursacht schmerzhafte Schwellungen und in manchen Fällen Knochenerosion und Gelenkfehlstellungen. Rheumatoide Arthritis ist nicht heilbar und viele Patienten sprechen nicht auf die verschiedenen Medikamente an, die für die Behandlung der Erkrankung erhältlich sind. Das EU-finanzierte Projekt SmallDrugRheuma (Discovery of Immune Therapeutic Targets and Immunomodulators for the Development of Novel Therapies in Rheumatoid Arthritis) möchte diese Behandlungslücke schließen. „Meine Forschung konzentriert sich nicht auf den typischen zielorientierten Ansatz, sondern zielt darauf ab, immunologisches Fachwissen und modernste Technologien für das Arzneimittel-Screening zu integrieren“, so Iria Gómez-Touriño, Forschungsbeauftragte bei der Biofarma Group. Ihre Arbeit wird von Mabel Loza betreut, einer Professorin am Forschungszentrum für Molekularmedizin und chronische Erkrankungen (CiMUS) der Universität Santiago de Compostela. „Das langfristige Ziel ist die Entwicklung einer unvoreingenommenen Methode zur Identifizierung neuartiger immunmodulierender Wirkstoffe für rheumatoide Arthritis.“ Die Forschung von Iria Gómez-Touriño wurde im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen gefördert.

Vorteile durch tsDMARD

Die meisten Fälle von rheumatoider Arthritis werden mit Antirheumatika behandelt, die in verschiedenen Klassen erhältlich sind. Konventionelle synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika sind zum Beispiel wirksam zur Symptomlinderung. Doch sie können weder den Krankheitsverlauf aufhalten noch seine eigentliche Ursache bekämpfen. Biologische krankheitsmodifizierende Antirheumatika sind zwar wirksamer, um eine Remission der Erkrankung herbeizuführen, doch 20 bis 40 % der Behandelten sprechen nicht darauf an oder zeigen keine bedeutende Verbesserung. „Es besteht ein klarer Bedarf an alternativen Therapien“, merkt Gómez-Touriño an. „Diese Alternative sind die zielgerichteten synthetischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika.“ Bei den zielgerichteten krankheitsmodifizierenden Antirheumatika handelt es sich um kleine, niedermolekulare Moleküle. Da diese sich gegen intrazelluläre Komponenten richten können, wirkt die Therapie auf ein breiteres Spektrum an Signalwegen ein. Ein weiterer Vorteil von zielgerichteten krankheitsmodifizierenden Antirheumatika besteht darin, dass sie oral verabreicht werden können. Das verbessert die Compliance und Behandlungswirksamkeit. Zudem sind sie günstiger in der Herstellung.

Grundsteinlegung für eine wirksamere Behandlung rheumatoider Arthritis

Obwohl die Forschungsarbeit noch nicht beendet ist, arbeitet Gómez-Touriño bereits daran, neue zielgerichtete krankheitsmodifizierende Antirheumatika für rheumatoide Arthritis zu identifizieren. Durch den Einsatz der umfangreichen chemischen Bibliotheken der USC und des Konsortiums für eine europäische Forschungsinfrastruktur EU-OPENSCREEN gepaart mit dem profunden Wissen der Gastgeber konnte das Projekt bisher bereits eine Reihe wichtiger Ergebnisse verzeichnen. Dazu zählen unter anderem die Entwicklung, Miniaturisierung und Validierung mehrerer Assay-Technologien auf der Grundlage peripherer mononukleärer Blutzellen (PBMZ). Ein Assay ist ein Laborverfahren für die qualitative Bewertung oder Messung der Präsenz, Menge oder Aktivität einer untersuchten Größe. „Das ist ein unschätzbar wertvoller, innovativer translationaler Assay für das Hochdurchsatz-Screening von Komponenten anhand von primären Suspensionszellen“, erklärt Gómez-Touriño. „Er hat nicht nur für unser Projekt Relevanz, sondern für die gesamte wissenschaftliche Gemeinschaft.“ Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Entstehung einer „immunomodulatorischen Substanzbibliothek“, wie Gómez-Touriño sie nennt. Die Bibliothek umfasst 16 Verbindungen mit bislang unbeschriebenen immunomodulatorischen Wirkungen. „Zwölf davon erzielten eine Senkung der Sekretion von proinflammatorischen Zytokinen, einer der Hauptursachen von Gelenkschwellungen und Komplikationen bei rheumatoider Arthritis“, fasst Gómez-Touriño zusammen. „Somit könnten sie zur Kontrolle von Entzündungskrankheiten beitragen.“ Das Projekt arbeitet derzeit an der Validierung dieser Ergebnisse. Dazu wird die entzündungshemmende Wirkung der Wirkstoffkandidaten in Zellen von nicht vorbehandelten ansprechenden und nicht ansprechenden Betroffenen mit rheumatoider Arthritis bewertet. Im Anschluss daran erfolgt die Forschung an der ersten Phase der patientenorientierten Arzneimittelforschung.

Schlüsselbegriffe

SmallDrugRheuma, rheumatoide Arthritis, RA, Immunologie, Marie Skłodowska-Curie-Maßnahme, Antirheumatika, zielgerichtete synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika

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