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SHADOWS: Tackling Undeclared Work in the European Union

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Steuerangelegenheiten als Vertrauenssache

Schwarzarbeit ließe sich reduzieren, wenn das Vertrauen in öffentliche Institutionen und Mitbürger gestärkt würde, so das Ergebnis einer neuen EU-weiten Studie. Das Projekt SHADOWS empfiehlt Regierungen, stärker Vertrauen aufzubauen, statt nur auf Prüfungen und Strafzahlungen zu setzen.

Gesellschaft

Geldstrafen oder bessere Kontrollen auf unangemeldete Beschäftigung gelten bislang als beste Strategie im Kampf gegen Schwarzarbeit. Wie die EU-finanzierte Studie SHADOWS jedoch zeigte, sind diese Maßnahmen, wenn sie für sich allein stehen, nicht wirksam genug. „Obwohl der Staat zunehmend auf Abschreckung setzt, sind es andere Faktoren, die sowohl Bürger als auch Unternehmen zu Schwarzarbeit motivieren“, schlussfolgerten Forscherin Ioana Horodnic und ihr Kollege Colin Williams, Professor für öffentliche Ordnung an der Universität Sheffield. „Um nicht angemeldete Erwerbstätigkeit wirksamer zu bekämpfen, muss Abschreckung durch Vorbeugung und vertrauensfördernde Maßnahmen ergänzt werden“, empfehlen sie in ihrer Einschätzung der Ergebnisse von SHADOWS. Unterstützt durch das Marie-Skłodowska-Curie-Programm führte Horodnic 40 eingehende Befragungen bei Arbeitnehmern in Rumänien durch, wo Bürger den Anteil an Schwarzarbeit auf 50 bis 100 % schätzen, und in Großbritannien, wo der Anteil zwischen 10 und 50 % liegen soll.

Echte steuerliche Anreize

Horodnic sichtete frühere Fachliteratur zu Steuermoral und zwei Eurobarometer-Erhebungen in den EU-Mitgliedstaaten aus den Jahren 2007 und 2013 sowie zwei Datensätze aus einer Erhebung in Bulgarien, Kroatien und Nordmazedonien von 2015. Sie befragte zudem Arbeitgeber nach ihrer Meinung, warum Unternehmen keine Angaben zur Zahl der Arbeitnehmer und Höhe der Löhne machen. Schließlich analysierte sie die Leitlinien, die Vollzugsbehörden für wirksam halten. Wie SHADOWS überraschend verdeutlichte, sind die Gründe, dass Arbeit nicht angemeldet wird, EU-weit ähnlich. Entscheidende Faktoren dabei waren die Arbeitsweise zuständiger Stellen im Land, Arbeitnehmerschutz und das wahrgenommene Ausmaß an Korruption. „Das vorherrschende Motiv für Bürger, Erwerbstätigkeit nicht anzumelden, ist die Fehlleitung von Ressourcen“, so Horodnic. Während Rumänen das Steuersystem ihres Landes einer ungerechten Umverteilung bezichtigen, beklagten sich Bürger des Vereinigten Königreichs eher über mangelhafte Verfahrensgerechtigkeit. Ein Rumäne zeigte kein Verständnis dafür, Steuern zahlen zu müssen, obwohl die Beleuchtung und Instandhaltung der Straßen so schlecht ist, dass sein Auto Schaden nimmt. Zudem gelang es ihm erst mit einem Bestechungsgeld von 20 EUR, die Behandlung seines gebrochenen Fingers zu erwirken. Im Vereinigten Königreich beklagten sich die Bürger vor allem über Ungleichbehandlung. „Die Steuerbehörden in diesem Land konzentrieren sich zu sehr auf einfache Ziele“, sagte ein britischer Befragter. „Den großen Steuerhinterziehern das Handwerk zu legen, ist offenbar zu mühsam.“ Korruption war einer der wichtigsten Faktoren, der das Vertrauen in die Gesellschaft und die Einsicht untergräbt, dass durch Steuern öffentliche Dienstleistungen finanziert werden müssen. Im Vereinigten Königreich kritisieren Bürger vor allem machtvolle Institutionen, während Rumänen darüber hinaus auch ihre Mitbürger beschuldigen. Das Projekt SHADOWS könnte künftige Maßnahmen beitragen, um Arbeitnehmer zu ermutigen, von Schwarzarbeit abzusehen und angemeldeter Beschäftigung nachzugehen. Zusammen mit einer Facebook-Seite wurden die beiden im Rahmen des Projekts erstellten Kurzdossiers in die virtuelle Bibliothek der Europäischen Plattform zur Bekämpfung nicht angemeldeter Erwerbstätigkeit aufgenommen, die 2016 auf der Webseite der GD Beschäftigung, Soziales und Integration eingerichtet wurde und öffentlich einsehbar ist.

Schlüsselbegriffe

SHADOWS, Schwarzarbeit, nicht angemeldete Erwerbstätigkeit, Vertrauen, Korruption, Steuerwesen

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