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European Virus Archive goes global

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 653316

Status

Laufendes Projekt

  • Startdatum

    1 April 2015

  • Enddatum

    31 Juli 2020

Finanziert unter:

H2020-EU.1.4.1.2.

  • Gesamtbudget:

    € 12 168 054,68

  • EU-Beitrag

    € 10 792 868

Koordiniert durch:

UNIVERSITE D'AIX MARSEILLE

Deutsch DE

COVID-19-Pandemie: Sternstunde für die größte Virensammlung der Welt

Momentan gibt es weltweit nichts wichtigeres als COVID-19 einzudämmen oder vielleicht sogar ganz auszurotten. Doch dabei gerät eine wichtige Wahrheit ins Hintertreffen: die Konservierung von Viren ist zentraler Bestandteil der Forschung und die sichere Aufbewahrung von Viren könnte spätere globale Ausbrüche verhindern helfen.

Gesundheit
© wk1003mike, Shutterstock

Das war auch das Ziel des Konsortiums von EVAg (European Virus Archive goes global), das sich seit der Gründung des inzwischen weltweit tätigen Europäischen Virusarchivs (EVA) im Jahr 2008 nur damit befasst. Ab 2015 sollte in zwei aufeinander folgenden Projekten die Fragmentierung und das mögliche Verschwinden von Virusproben auf der ganzen Welt verhindert werden, um Forschung und Impfstoffentwicklung zu unterstützen. Momentan ist es höchst wahrscheinlich, dass Virensammlungen verloren sind, sobald ein Virologe oder eine Virologin in Rente geht oder ein Labor schließt. Das ist ein bedrohlicher Zustand. Durch verstärkte Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung ist es auch sehr schwierig geworden, hochgefährliche Krankheitserreger weiterzugeben oder Sammlungen gemeinsam zu nutzen. Eines Tages könnte sich das rächen, wenn uns die nächste Pandemie unvorbereitet trifft.

Diagnose-Sets und Virenstämme

Kernziel des Projekts ist es, Referenzmaterial für die Molekulardiagnostik zu entwickeln und herzustellen, vor allem auch nicht-infektiöse Reagenztechnologie für den schnellen weltweiten Versand. „Das ist besonders wichtig für die Distribution bei Zimmertemperatur in afrikanischen Ländern“, sagt Jean-Louis Romette, emeritierter Professor an der Universität Aix-Marseille und Koordinator des EU-finanzierten Projekts EVAg. „Zum Beispiel haben wir ein neues Konzept für Positivkontrollen, bei dem das Virus nachgeahmt wird, ohne Gefahr einer Infektion. So kann das Extraktionsverfahren validiert werden, was in der Molekulardiagnostik einen äußerst wichtigen Schritt darstellt. Auch für langfristige Vorhaben wie die Entwicklung eines Impfstoffs oder antiviraler Medikamente ist das von Bedeutung.“ Betrachten wir das aktuelle Beispiel COVID-19: Allen Forschenden, die aktiv am Kampf gegen das SARS-CoV-2-Virus beteiligt sind, stellt EVAg die stark nachgefragten PCR-Reagenzien für Tests bereit. Dazu gehören Positivkontrollen, vier SARS-CoV-2-Stämme und ein Spezifitätstest für das PCR-Assay mit RNA von fünf Viren (SARS-CoV, MERS-CoV, NL63, OC43 und 229E). Die Plattform funktioniert praktisch wie ein Online-Shop mit Versand und bietet Forschenden gegen Bezahlung Zugriff auf ausgewählte Ressourcen. „Die Anfragen reißen nicht ab“, bemerkt Romette. „Seit wir diese Virenstämme in unseren Katalog aufgenommen haben, sind ganze 2 336 Anfragen aus Wissenschaft und Wirtschaft gekommen. Einer unser Partner soll nun sogar auf Massenproduktion und -distribution der PCR-Reagenzien umstellen und innerhalb unseres Netzwerks wird immer mehr untereinander getauscht.“ Bisher hat das Konsortium über 2 300 Hilfsprodukte für die Diagnostik in mehr als 70 Länder versandt. Erst kürzlich wurden dem Gesundheitsministerium in Guatemala Reagenzien für 70 000 PCR-Tests bereitgestellt und dem Gesundheitsministerium der Slowakei 2 500. Die aktuelle Lage untermauert eigentlich nur die Bedeutung der Arbeiten in diesem Projekt, die seit elf Jahren laufen: Es liefert der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft qualitativ hochwertige Produkte; hilft Einrichtungen aus Ländern mit niedrigem Einkommen, bei lokal auftretenden Viruserkrankungen schnell eingreifen zu können; und wächst zum reaktionsschnellsten Netzwerk gegen Ausbrüche von Viruskrankheiten heran. „Es ist unsere Aufgabe, bei einem Notfall hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenzubringen, um direkt reagieren zu können. Wir werden schon tätig, bevor nationale und internationale Einrichtungen beginnen, Finanzmittel zu verteilen. Wir konnten weltweit erfolgreich gezielte Maßnahmen gegen Pandemien umsetzen, und zwar über einen zentralen Anlaufpunkt: einen internetbasierten Katalog, mit dem man ganz leicht nach passenden Produkten suchen kann“, erklärt Romette.

Ein Kraftakt ganz neuer Dimension

An EVAg sind aktuell 43 führende virologische Labore aus den Bereichen Human-, Tier- und Pflanzenforschung beteiligt. In seinem Online-Katalog sind über 3 000 Produkte verfügbar, u. a. Viren, Derivate und speziell gezüchtete Zellen. Zudem umfasst das Netzwerk 14 Einrichtungen, die mit Pathogensimulationen der Risikogruppe 4 (BSL4) arbeiten, und ist damit das größte BSL4-Netzwerk der Welt. So wie sein Team ist auch Romette überzeugt, dass EVAg schon bald die größte virtuelle Virensammlung aus Menschen-, Tieren- und Pflanzenviren bereitstellen wird. Um die Arbeiten nicht abreißen zu lassen, wenn das Projekt EVAg im Juli 2020 regulär ausläuft, steckt das Team schon in einem ganz neuen Horizont 2020-Projekt: EVA-GLOBAL hat im Januar 2020 begonnen und soll bis Ende 2023 dauern.

Schlüsselbegriffe

EVAg, Europäisches Virusarchiv, EVA, COVID-19, Diagnose, Virus, Katalog, Ausbruch, SARS-CoV-2, Molekulardiagnostik, PCR, Coronavirus

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 653316

Status

Laufendes Projekt

  • Startdatum

    1 April 2015

  • Enddatum

    31 Juli 2020

Finanziert unter:

H2020-EU.1.4.1.2.

  • Gesamtbudget:

    € 12 168 054,68

  • EU-Beitrag

    € 10 792 868

Koordiniert durch:

UNIVERSITE D'AIX MARSEILLE

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