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Blutanalyse: Der Schlüssel zu einer frühzeitigen Behandlung von Alzheimer?

Die wegweisende Erforschung der Frage, ob altersbedingte Blutfaktoren die Hirngesundheit beeinflussen, könnte eines Tages neue Therapieansätze zur Behandlung von Alzheimer ermöglichen.

Gesundheit

Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, die mit einer fortschreitenden Schädigung der Hirnfunktionen in Verbindung steht. Sie tritt bei etwa jedem 20. Menschen im Alter über 65 Jahren auf und ist damit die am häufigsten auftretende Form der Demenz. „Alzheimer wird wahrscheinlich durch eine komplexe Wechselwirkung zwischen genetischen und umweltbedingten Faktoren ausgelöst“, erklärt Marc Suárez-Calvet, Projektkoordinator von BioALFA und Neurologe am BarcelonaBeta Brain Research Center (BBRC) in Spanien. „Wir konnten unser Verständnis von den Mechanismen der Alzheimer-Krankheit zwar erheblich vertiefen, doch bei der Umsetzung dieses Wissens in Therapien, die den Krankheitsverlauf verändern könnten, ging es bislang leider nur stockend voran.“ Laut Suárez-Calvet sind Therapien, die auf den größten Risikofaktor für Alzheimer – das Altern – abzielen, noch relativ unerforscht. Das erkläre sich wahrscheinlich durch das noch unzureichende Wissen über die Mechanismen, die das Altern mit Alzheimer in Verbindung bringen. „Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umstand, dass die meisten klinischen Studien an Personen durchgeführt wurden, bei denen bereits eine Demenz-Erkrankung vorlag“, ergänzt er. „Das asymptomatische präklinische Stadium ist bei Alzheimer recht lang, und es zeigt sich immer mehr, dass die Erfolgschancen höher sind, je früher wir Alzheimer behandeln.“

Beobachtung der präklinischen Stadien

Um diese Forschungslücke zu schließen, wollte das Projekt BioALFA mehr über die präklinischen Alzheimer-Stadien herausfinden. Die Forschung von Suárez-Calvet wurde im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen gefördert. Eines der Hauptziele war es, bei Menschen bestimmte Faktoren im Blut ausfindig zu machen, die bei Mäusen einen Verjüngungs- oder Alterungseffekt im Gehirn auslösen. Dazu wurden Analyseverfahren entwickelt, die dann auf eine Gruppe von 400 Personen ohne kognitive Beeinträchtigung, darunter auch einige im präklinischen Alzheimer-Stadium, angewendet wurde. „In der ersten Phase des Projekts konzentrierten wir uns auf die Entwicklung und Validierung von Blutbiomarker-Tests“, erklärt Suárez-Calvet. „Wir haben unterschiedliche Antikörper getestet und eine Reihe kommerzieller Tests erprobt. Daraus konnten wir dann diejenigen auswählen, die zuverlässigere Ergebnisse erzielten.“ Im Anschluss führte das Projektteam eine Pilotstudie durch, um Blutfaktoren der Verjüngung und Alterung bei verschiedenen Altersgruppen zu messen. Die Studiengruppe umfasste Jugendliche, junge Erwachsene sowie ältere Erwachsene. Das Team untersuchte außerdem auch Nabelschnurplasma. Bei dieser Pilotstudie stellten Suárez-Calvet und seine Kollegen fest, dass bestimmte Blutfaktoren der Alterung – Beta2-Mikroglobulin (β2-M), Eotaxin-1 und MCP1 – mit fortschreitender Alterung zunehmen. Der verjüngende Blutfaktor Oxytocin wurde wiederum im Nabelschnurplasma in wesentlich höheren Konzentrationen gemessen. Interessanterweise war die höhere Oxytocin-Konzentration bei jüngeren Erwachsenen mit einer geringeren Konzentration von Neurofilamenten (NfL), einem Marker für neuronale Schäden, assoziiert. Höhere Konzentrationen an β2-M und MCP1 standen mit höheren NfL-Konzentrationen bei älteren Erwachsenen im Zusammenhang.

Neue therapeutische Ziele

Zum Ende des Projekts hatte BioALFA sein Hauptziel, die Messung aller Blutfaktoren der Verjüngung und Alterung innerhalb der Zielgruppe, erreicht. Das Projekt konnte bei den Teilnehmenden der Studie darüber hinaus auch weitere Biomarker im Blut und in der Zerebrospinalflüssigkeit messen, die für die Entstehung von Alzheimer und Neurodegeneration relevant sein könnten. Die Ergebnisse wurden vor Kurzem zur Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Alzheimer’s and Dementia“ angenommen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Ergebnisse im Verlauf des Jahres veröffentlichen können“, fügt Suárez-Calvet hinzu. „Sobald wir die Analyse der Daten abgeschlossen haben, sollte es uns außerdem möglich sein, zu beurteilen, ob die Blutfaktoren der Alterung und Verjüngung mit der Neurodegeneration bei präklinischem Alzheimer in Verbindung stehen.“ Auf lange Sicht werden diese Erkenntnisse dazu beitragen können, zu klären, ob bestimmte Blutfaktoren die Hirngesundheit beeinflussen und als therapeutische Ziele sinnvoll sind.

Schlüsselbegriffe

BioALFA, Alzheimer, neurodegenerativ, Gehirn, Erkrankung, Alterungsprozess, Blut, Demenz, kognitiv

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