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Big Data für bessere Entscheidungen bei der Stadtentwicklung an Küsten

Am Wasser liegende Städte haben immer schon versucht, Flüsse, Meere und Seen in ihrer Nähe optimal zu nutzen. Während sich der Rest der Gesellschaft darauf vorbereitet, Big Data für die Gestaltung ihrer Zukunft zu nutzen, können sie es sich nicht leisten, dass dieser Zug ohne sie abfährt. Das CUTLER-Projekt hat eine Datenanalyseplattform entwickelt, die Entscheidungsprozesse verbessern soll.

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Die meisten Städte des Altertums wurden in der Nähe von Gewässern erbaut. Einige am Meer, andere in der Nähe von Flüssen, aber immer aus denselben Gründen: um Zugang zum Wasser selbst, dessen Ressourcen sowie dessen Komfort im Hinblick auf den Fernhandel zu erhalten. Wasser sorgt auch für schöne Städte mit großer Anziehungskraft für den Tourismus. Trotz all dieser Vorteile erschwert die Entwicklung einer Stadt in Wassernähe Entscheidungsprozesse erheblich. „Wasser bringt wirtschaftliches Wachstum, aber auch soziale und ökologische Belastungen wie potenzielle Überschwemmungen. Es ist schwierig, die Auswirkungen und Folgen öffentlicher Maßnahmen abzuschätzen. Dabei geht es nicht einmal nur um mehrstufige Entscheidungsprozesse, die von öffentlichen Verwaltungen übernommen wurden, eine (zumindest bis etwa ins vergangene Jahrzehnt) eher von Intuition als von Daten geleitete Entscheidungsfindung sowie die Tatsache, dass für Entscheidungen Verantwortliche häufig Schwierigkeiten haben, verfügbare Daten richtig zu nutzen“, sagt Filareti Tsalakanidou, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITI-CERTH und eine der Koordinatorinnen des Projekts CUTLER (Coastal Urban developmenT through the LEnses of Resiliency). Laut Tsalakanidou ist es notwendig, dass am Wasser liegende Städte Big Data und Datenwissenschaften wirklich in ihre politischen Entscheidungsprozesse miteinbeziehen. Sie hofft, dass diese Städte durch die Schaffung einer entsprechenden Plattform endlich ihr volles Potenzial entfalten können. „Wir haben in jüngster Zeit eine Explosion der Datenmenge gesehen, die täglich von Städten generiert wird. Warum diese also nicht nutzen? Unser Vorschlag besteht darin, Echtzeitdaten von festverdrahteten Sensoren, durch Nutzerinnen und Nutzer bereitgestellte Inhalte (etwa aus sozialen Medien), offizielle statistische Daten und GIS-Daten zu kombinieren. Auf diese Weise können wir die politischen Entscheidungsprozesse maßgeblich verbessern“, fügt sie hinzu. Die Hauptinnovation von CUTLER ist eine Plattform zur Entscheidungsunterstützung, die auf einem innovativen methodischen Ansatz für politische Entscheidungsprozesse basiert. Die Plattform sammelt Daten aus allen oben genannten Quellen und verwendet Big-Data-Analysemethoden, um wirtschaftliche Aktivität zu messen, Umweltauswirkungen einzuschätzen sowie die sozialen Folgen der untersuchten Richtlinien zu bewerten. Die sich daraus ergebenden Beweise können dann für politische Entscheidungsprozesse verwendet werden. Die CUTLER-Plattform sorgt für eine konkrete und maßgebliche Entlastung der Entscheidungsträger. Zum einen ermöglicht sie den Zugang zu Daten der öffentlichen Verwaltungen, dem privaten Sektor, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, zum anderen bietet sie gleichzeitig einen soliden rechtlichen Rahmen für die Verwendung dieser Daten. Sie bietet eine ganzheitliche Sicht auf politische Probleme, indem relevante Daten präsentiert, die Auswirkungen und Konsequenzen der Entscheidungsfindung modelliert und das Feedback der Bürgerinnen und Bürger erfasst werden. Nicht zuletzt sorgt dies für eine Modernisierung der öffentlichen Verwaltungen. Diese erfolgt durch Schließung der Lücke zwischen Big Data und bestehenden Abläufen zur Richtlinienentwicklung und der reibungslosen Einführung neuer IT-Anwendungen in ihren Alltag.

Fünf Städte, verschiedene Arten von Gewässern und Stadtentwicklungspolitik

Die CUTLER-Plattform wird in fünf Städten ausgiebig getestet: Thessaloniki (Griechenland), Antalya (Türkei), Antwerpen (Belgien), Cork (Irland) und Vicenza (Italien). In Antwerpen konzentriert sich das Pilotprojekt auf die Auswirkungen des Klimawandels und Anpassungsszenarien, wobei Maßnahmen wie „Gartenstraßen“ zur Reduzierung von Überschwemmungen untersucht werden. In Cork konzentrierte sich das Team darauf, dem Publikum den Zugang zum Camden Fort Meagher – einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden Festung im Hafen von Cork – zu ermöglichen, indem neue Zugangspunkte und Einrichtungen geschaffen wurden. „Wir arbeiten auch mit den Behörden von Antalya zusammen, um die Besucherzahlen im Gebiet des Düdener Wasserfalls zu erhöhen und gleichzeitig Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Wasserstandes während des ganzen Jahres zu ergreifen“, merkt Tsalakanidou an. „Unterdessen haben wir in Vicenza mögliche Schutzmaßnahmen gegen die Überschwemmung des Bacchiglione untersucht. In Thessaloniki schließlich haben wir uns auf die Optimierung eines kontrollierten Parksystems in der Nähe der Bucht von Thermaikos konzentriert.“ Nachdem die verschiedenen Softwarekomponenten und theoretischen Methoden nun verfeinert sind, wird das Team mit der Entwicklung der endgültigen Versionen der pilotspezifischen Dashboards sowie der Verbreitung der Projektergebnisse beginnen. „Unsere Plattform wird hoffentlich zu ausgewogeneren, präziseren, belastbareren, legitimeren und effektiveren Entscheidungen führen“, schließt Tsalakanidou.

Schlüsselbegriffe

CUTLER, Entscheidungsfindung, Städte am Wasser, Entwicklung von Küstenstädten, Big Data

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