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West Africa's Role in Human Evolution

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Westafrika: die letzte große Unbekannte in der Erforschung der menschlichen Evolution

Die archäologische Feldforschung in Westafrika bringt unser Wissen über die Evolution des Menschen stetig voran und gibt Aufschluss über die Hintergründe unseres Erfolgs als Spezies.

Gesellschaft

Man ging lange davon aus, dass sich der Homo sapiens aus einer einzigen Population an einem einzigen Ort in Afrika entwickelte. Neue Belege stellen diese Annahme nun jedoch in Frage. „Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Mensch aus verschiedenen afrikanischen Populationsgruppen entwickelt hat, die in unterschiedlichen Regionen vom heutigen Marokko bis Südafrika lebten“, so Eleanor Scerri, Leiterin der Pan-African Evolution Research Group am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Im Rahmen des Forschungsprojekts aWARE, das durch die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen unterstützt wurde, machte sich Scerri daran, die unterschiedlichen Umgebungen und Regionen, die uns als Spezies geprägt haben, näher zu erforschen. „Um die Lücken in unserer Entstehungsgeschichte zu schließen, führten wir archäologische Untersuchungen in Westafrika durch – einer der letzten großen Unbekannten in der Erforschung der menschlichen Evolution“, fügt Scerri hinzu.

Bahnbrechende Entdeckungen

Scerri sagt, sie habe bei Projektbeginn noch nichts von dem archäologischen Reichtum geahnt, der sie in Westafrika erwarten würde. „Zuallererst musste ich eine Strategie ausarbeiten und entscheiden, welche Schlüsselstätten als Priorität einzustufen waren“, erklärt sie. „Da sich diese Schlüsselstätten allerdings oft an sehr entlegenen und schwer erreichbaren Orten befanden, musste ich außerdem einen aufwendigen Feldforschungsplan aufstellen.“ Diese Planung machte sich bezahlt: Scerris Feldforschung führte zu zahlreichen bahnbrechenden Entdeckungen. So zeigte sich zum Beispiel, dass die erste und längste kulturelle Phase im Zusammenhang mit Menschen in Afrika vor rund 300 000 Jahren begann. Um die Zeit vor etwa 50 000 Jahren wurde diese ursprüngliche Kultur, die als Mittelsteinzeit bezeichnet wird, nach und nach durch eine grundlegend andere ersetzt. Diese Entwicklung fand in ganz Afrika statt – mit Ausnahme von Westafrika, wo die Mittelsteinzeit noch weitere 20 000 Jahre währen sollte. „Wie unsere Forschung ergab, existierten um die Zeit vor etwa 11 000 Jahren im selben Flusstal mehrere Gruppen von Jägern und Sammlern, die jeweils sehr unterschiedliche materielle Kulturen hatten“, merkt Scerri an. „Es handelt sich hier um eines der ersten Beispiele für kulturelle Grenzen in der Menschheitsgeschichte.“ Die abgeschiedene Lage und ökologische Vielfalt der Region könnten laut Scerri ein Faktor dafür gewesen sein, dass die neuen Technologien und Lebensweisen, die zu dieser Zeit auf dem restlichen Kontinent Einzug hielten, in Westafrika nicht Fuß fassten. „Die bisherigen Beweise legen nahe, dass die Region im Laufe der Zeit gewissermaßen ein Schutzgebiet für die materielle Kultur und möglicherweise sogar für die biologische Vielfalt darstellte“, fügt sie an. Wenn sich dies bestätigt, könnte Westafrika in der Menschheitsgeschichte eine zentrale Rolle gespielt haben. „Bisher ging man immer davon aus, dass viele frühzeitliche Menschengruppen in unterschiedlichen afrikanischen Regionen ausstarben“, merkt Scerri an. „Die Entdeckung von Gebieten, in denen sie möglicherweise noch längere Zeit weiterbestanden – und vielleicht sogar eine Blütezeit erfuhren –, macht es uns leichter, die Geschichte unseres Erfolgs als Spezies lückenlos aufzuklären.“

Eine Region von größter Bedeutung

Als erstes Projekt seiner Art legte aWARE seinen Schwerpunkt auf die menschliche Evolution in Westafrika und führte dazu in mehreren Ländern und Ökosystemen interdisziplinäre Feldforschungen durch. Mit dieser Arbeit legte es den Grundstein für weiterführende Studien und etablierte Westafrika als eine Region von größter Bedeutung für ein umfassendes Verständnis der menschlichen Evolution – eine Region, die wir nicht länger übergehen können. „Der Gedanke, unter dem Gesichtspunkt der menschlichen Evolution Afrika als Ganzes zu erforschen, galt lange Zeit als reines Randthema“, so Scerri abschließend. „Inzwischen repräsentiert er hingegen, auch dank der Arbeit des aWARE-Projekts, zunehmend die vorherrschende Meinung.“

Schlüsselbegriffe

aWARE, Westafrika, menschliche Evolution, archäologisch, Mittelsteinzeit, materielle Kultur

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