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TO-REACH gibt eine Agenda für den länderübergreifenden Innovationstransfer im Gesundheitswesen vor

Obwohl die Vorteile einer verstärkten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Gesundheitswesen weithin anerkannt werden, ist ihre Umsetzung bislang ausgeblieben. Das Projekt TO-REACH hat nun eine strategische Forschungsagenda erstellt, um sie voranzutreiben und bessere Gesundheitsdienste und -systeme zu ermöglichen.

Gesundheit

Die europäischen Gesundheitsdienste und -systeme stehen unter Druck. Dabei war COVID-19 nur das jüngste Symptom eines tiefgreifenderen und grundlegenderen Leidens, das zum Teil auf eine mangelnde grenzüberschreitende Zusammenarbeit zurückzuführen ist. Die Frage ist nun, wie wir diese allgemein anerkannte Einschätzung in groß angelegte, nachhaltige und wirksame Gegenmaßnahmen umsetzen können. Die EU hat diese Frage mit TO-REACH (Transfer of Organisational innovations for Resilient, Effective, equitable, Accessible, sustainable and Comprehensive Health Services and Systems) beantwortet, einer Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahme, welche den Grundstein für ein gemeinsames europäisches Forschungsprogramm legen soll. Das damit verfolgte Ziel: Auf der Vielfalt Europas aufzubauen, um Forschungsergebnisse zu liefern, die eine widerstandsfähigere, wirksamere, gerechtere, zugänglichere, nachhaltigere und umfassendere Gesundheitsversorgung unterstützen. Zu diesem Zweck fördert das Projekt das transnationale Lernen, verbessert die Zusammenarbeit zwischen Ministerien und Finanzierungsstellen und hebt gemeinsame Interessen hervor, die weitere Investitionen wert sind, während es gleichzeitig auf fragmentierte und doppelte Bemühungen hinweist. „Wir haben Mittel und Wege zur Überwindung nach wie vor bestehender Hindernisse zwischen den verschiedenen Untersystemen des Gesundheitswesens gefunden“, so Walter Ricciardi, Professor für Hygiene und öffentliche Gesundheit an der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen in Rom. „Dabei haben wir insbesondere mehrere Lücken in der aktuellen Bewertung der Übertragbarkeit von Gesundheitsdiensten und Politikinnovationen aufgedeckt. Um einen erfolgreichen Transfer zu gewährleisten, benötigen wir jedoch mehr Informationen über den Kontext, der den Innovationserfolg in einem bestimmten Land ermöglicht, sowie über die Auswirkungen organisatorischer Vereinbarungen. Dazu müssen wir die Art der Nachweise, die für den Transfer von Dienstleistungs- und Politikinnovationen erforderlich sind, sowie die Faktoren, welche die Umsetzung und Skalierung von Innovationen aus anderen Ländern erleichtern bzw. behindern, ermitteln. Letztlich brauchen wir außerdem Belege für die Auswirkungen von Dienstleistungs- und Politikinnovationen auf die Leistungen.“

Ausrichtung auf politisch Verantwortliche

Um einen effektiveren Transfer zu ermöglichen, bringt TO-REACH ein einzigartiges Konsortium von Regierungs- und Finanzierungsstellen aus 20 Ländern innerhalb und außerhalb Europas zusammen. Alle diese Partner verfolgen das gleiche Ziel: Sie möchten systematisch mehr über die Organisation der Versorgung in anderen Umgebungen lernen und auf den unter TO-REACH ermittelten Herausforderungen und Prioritäten aufbauen. Dank einer Kartierung von Grundsatzdokumenten und strategischen Fahrplänen auf nationaler und internationaler Ebene sowie Konsultationen mit nationalen Fachleuten in den Partnerländern und einer Online-Konsultation mit der breiteren Wissenschaftsgemeinschaft und Interessengruppen konnten im Rahmen des Projekts zehn solcher prioritären Bereiche bestimmt werden. Dazu gehören die Integration von Diensten, die Neudefinition von Krankenhäusern, Bemühungen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, am Menschen orientierte Gesundheitsdienste und -systeme sowie die zunehmende Sorge um das Gesundheitspersonal. Der Projektabschluss von TO-REACH steht zwar erst im Mai 2021 bevor, doch sein wichtigstes vorgesehenes Ergebnis – die strategische Forschungsagenda – ist schon jetzt fertiggestellt. „Das Dokument bietet eine europäische Strategie, um unser Wissen und Verständnis für die Annahme, Umsetzung, potenzielle Skalierung und gemeinsame Entwicklung von Dienstleistungs- und Politikinnovationen zu erweitern. Es unterstützt ihre Übertragbarkeit auf andere Umgebungen innerhalb und zwischen Ländern und basiert auf drei Komponenten: festgestellte vorrangige Herausforderungen, Überprüfung der vorhandenen Literatur und durch ein konzeptionelles Modell vorgeschlagene strategische Forschungsprioritäten“, erläutert Ricciardi. Derzeit erstellen die Projektpartner eine Zusammenfassung der strategischen Forschungsagenda für politisch Verantwortliche. Ricciardi hofft, dass die Bemühungen des Projekts dazu beitragen werden, den geeigneten Rahmen für eine erfolgreiche länderübergreifende Zusammenarbeit zu schaffen. „Die Umsetzung der strategischen Forschungsagenda in die Praxis erfordert einen partnerschaftlichen und kooperativen Ansatz, der Interessengruppen wie Geldgebende, Forschende, politisch Verantwortliche, Praxisverantwortliche und die breite Öffentlichkeit an einen Tisch bringt. Denn innovative Lösungen, die in kleinen Pilotstudien funktionieren, werden den Erwartungen tatsächlich zu häufig nicht gerecht, wenn sie in nationalen Strategien eingeführt werden, oder können aufgrund kontextbezogener Unterschiede nicht von einem Land auf ein anderes übertragen werden“, sagt er abschließend. „Eine gemeinsame Vision, die auf gegenseitigem Lernen und der Zusammenarbeit zwischen den Ländern und Regionen in Europa beruht, ist der Schlüssel für einen Wandel der Gesundheits- und Pflegesysteme. Sie ist entscheidend, um diese Systeme stärker und effizienter zu gestalten und um bestehende und zukünftige Herausforderungen zu bewältigen.“

Schlüsselbegriffe

TO-REACH, Innovationstransfer, Gesundheitswesen, COVID-19, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, transnationales Lernen, strategische Forschungsagenda

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