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Wie staubig war Europa während der kältesten Perioden der letzten Eiszeit?

Neue Schätzungen über europäische Sedimentablagerungen deuten darauf hin, dass Europa vor etwa 21 500 Jahren die staubhaltigste Region der Erde gewesen sein könnte.

Klimawandel und Umwelt
Grundlagenforschung

Die Erde hat in den vergangenen 25 000 Jahren drastische Klimaänderungen durchlebt. Die letzte Gletscherperiode fand vor 21 500 Jahren, während des letzten glazialen Maximums, der letzten Phase während dieser Gletscherperiode, als große Teile des Planeten von Eisdecken bedeckt waren, die wesentlichen Einfluss auf das Klima hatten, ihren Höhepunkt. Die Wissenschaft hat jetzt festgestellt, dass während der kältesten Perioden des letzten glazialen Maximums riesige Sandstürme über Europa fegten, die häufig den westlichen Teil des Kontinents mit einigen der dicksten Staubschichten bedeckten, die in der Eiszeit auf der Erde entdeckt wurden. Die Erkenntnisse sind in einer Studie erläutert, die in der Fachzeitschrift „Quaternary Science Reviews“ veröffentlicht wurde. Mit der Unterstützung durch das EU-finanzierte Projekt TiPES gewannen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Erkenntnisse unter Verwendung neuer Schätzungen und Massenanhäufungsraten in Bezug auf europäische Lössschichten. Löss ist eine Sedimentablagerung von feinem, schluffigem Material, das vor allem durch den Wind von trockenen, öden Gebieten transportiert wird. Das Team erforschte zunächst die Lössschichten von Nußloch, Deutschland. Laut einer Pressemitteilung, die auf der Website „EurekAlert!“ veröffentlicht wurde, fand man heraus, dass sich dunklere Paläobodenschichten mit Lössschichten abwechseln, wobei jede Schicht für eine Veränderung der Klimabedingungen steht. „In Nußloch stammen die Paläoböden aus milderen Klimaperioden während der Eiszeit, die als Interstadiale bezeichnet werden. Die äolischen Schichten wurden während der Kälteperioden abgelagert und bestehen hauptsächlich aus Sand und Schluff von den trockenen Flussbetten des Rheins“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Paläoklimatologie ging ursprünglich davon aus, dass sich interstadiale Paläoböden während milderer Klimaperioden, welche die Entwicklung von Pflanzen und Tieren in der Region begünstigten, über der darunter liegenden äolischen Schicht anhäuften. Eine gründliche Beprobung in Kombination mit einer Radiokarbon- und Lumineszenzdatierung der Lösssedimentation in Nußloch hat diese bislang geltende Annahme widerlegt. Das Forschungsteam fand heraus, dass sich Paläoböden in Europa nicht auf der äolischen Schicht anhäuften, sondern sich nach unten in den oberen Teil der Schicht arbeiteten. Die Studie wurde auf andere europäische Aufzeichnungen ausgeweitet, indem Sedimentschichten mit dem Standort in Nußloch verglichen wurden. „In Europa werden die Paleoböden in die äolischen Ablagerungen eingebettet. Und wenn man dies bedenkt, gilt es bei der Bewertung der Staubablagerung die Dicke des Paläobodens zu berücksichtigen. Dann entdeckten wir äolische Anhäufungs- und Ablagerungsraten, die weitaus präziser als bislang waren“, beobachtet der Hauptautor der Studie Denis-Didier Rousseau von der École normale supérieure, Frankreich, in der gleichen Pressemitteilung.

Staubiger als China

Schließlich wurden die Schätzungen in Bezug auf die europäischen Lössschichten auch mit Schätzungen in Bezug auf chinesische Lössschichten verglichen. Der Vergleich offenbarte, dass Europa während des letzten glazialen Maximums dreimal staubiger war als China. „Die Behauptung eines staubigeren Europas impliziert allerdings nicht, dass die Sandsturmhäufigkeiten in Europa höher waren, sondern vielmehr, dass während eines bestimmten Sandsturms in Europa mehr Staub ausgestoßen wurde, als in Asien“, verdeutlicht die Autorenschaft in der Studie. Die Ergebnisse der Studie könnten dabei helfen, mehr Erkenntnisse über klimatische Kipp-Punkte zu gewinnen, die im Fokus von TiPES (Tipping Points in the Earth System) stehen. Das vierjährige Projekt wird durch die Universität Kopenhagen koordiniert. Weitere Informationen: TiPES-Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

TiPES, Löss, äolisch, Eiszeit, Sandsturm, Gletscherperiode, letztes glaziales Maximums

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