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Lücken bei internationalen Migrationsdaten schließen

Ein kürzlich veröffentlichtes Kurzdossier befasst sich mit bestehenden Lücken bei Migrationsdaten, die eine effektive Politikgestaltung behindern, und empfiehlt Lösungen.

Gesellschaft

Etwa 281 Millionen Menschen, d. h. 3,6 % der Weltbevölkerung, leben gegenwärtig nicht in ihrem Geburtsland. Ob aufgrund von bewaffneten Konflikten, Armut, Menschenrechtsverletzungen, politischer Unterdrückung oder Wirtschafts- und Bildungschancen – Migration ist für viele Regierungen nach wie vor ein Thema von enormer sozialer und politischer Bedeutung. Eine wirksame Migrationspolitik muss auf verlässlichen Daten beruhen, daher arbeitet das EU-finanzierte Projekt HumMingBird daran, das Wissen über sich verändernde Migrationsströme und ihre Triebkräfte zu verbessern. Verschiedene internationale und regionale Organisationen sammeln internationale Migrationsdaten, aber Datenlücken erschweren es politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern, konstruktive Strategien zu entwickeln. Das HumMingBird-Konsortium veröffentlichte kürzlich sein erstes Kurzdossier zur Behebung von Defiziten bei internationalen Migrationsdaten.

Bestehende Datenlücken und empfohlene Lösungen

Das Kurzdossier benennt verschiedene Schwächen in internationalen Migrationsdaten. Dazu gehören zum einen Inkonsistenzen bei Definitionen und bei der Datenerhebung, die es erschweren, Daten aus verschiedenen Ländern zusammenzuführen und miteinander zu vergleichen. Des weiteren werden die Vernachlässigung der Gründe und Triebkräfte für eine Migration angeführt. Zudem sind bestimmte geografische Regionen und demographische Merkmale von Migrantinnen und Migranten unterrepräsentiert. Auch eine zeitliche Verzögerung bei der Bereitstellung von Daten für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger wird genannt. Laut einer von HumMingBird finanzierten wissenschaftlichen Arbeit, die die Lücken in internationalen Migrationsdaten aus 76 Studien analysiert, liegt das Hauptproblem in nicht miteinander vergleichbaren Definitionen und Datenerhebungen, die sich auf 611 der 916 identifizierten Lücken beliefen. Dem folgten demografische Merkmale (113 Lücken), Triebkräfte der Migration (101), geografische Abdeckung (48) und Aktualität der Daten (43). Damit Regierungen effektive Strategien entwerfen können, sind laut Kurzdossier Prognosen und Szenarien erforderlich, die auf einem besseren Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen und Triebkräfte von Migration beruhen. Die Autorenschaft betont, wie wichtig es ist, quantitative Daten durch qualitative zu ergänzen, die soziokulturelle Aspekte, komplexes soziales Verhalten und die Rolle der individuellen Entscheidungsfindung miteinbeziehen. Geschlechtsspezifische Lücken in Migrationsdaten werden als „eiternde Wunde“ bezeichnet, die dazu führt, dass die Bedürfnisse und Gesundheitsprobleme von Migrantinnen übersehen werden, so dass sie, so das Kurzdossier, „in Gefahr und ohne Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen“ sind. Ein besseres Verständnis darüber, wie das Geschlecht die Bedürfnisse und Entscheidungsprozesse von Migrantinnen und Migranten beeinflusst, ist daher erforderlich, um die Migrationspolitik darüber aufzuklären. Die Autorinnen und Autoren betonen zudem die Notwendigkeit alternativer Datenquellen und Methoden wie Big-Data-Analysen, um aktuelle Datenprobleme zu lösen. Prof. Albert Ali Salah kommentiert die Verwendung von Handydaten zur Verfolgung von Migrationsmustern in einer Pressemitteilung auf der Website des HumMingBird-Projektpartners, der Universität Utrecht: „Handydaten können eine gute Abdeckung bieten und wichtige Datenlücken in der Migrationsforschung schließen. Die datenschutzkonforme und ethische Verarbeitung solcher Daten erfordert jedoch neue Ansätze.“ Es wird zudem betont, wie wichtig es ist, nicht nur die Daten Einzelner, sondern auch die von Gruppen zu schützen. „Wenn Sie die Bewegungsmuster von Flüchtlingen auslesen, kann dies Konsequenzen für Flüchtlinge haben, durch politische Veränderungen, die von Ihren Ergebnissen oder von Reaktionen der Medien beeinflusst werden“, erläutert Prof. Salah. „Es reicht nicht aus, dass die Datenverarbeitung gesetzlichen Anforderungen genügt, sie muss auch ethisch überprüft werden. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.“ Das vierjährige Projekt HumMingBird (Enhanced migration measures from a multidimensional perspective) endet im November 2023. Weitere Informationen: Projektwebsite HumMingBird

Schlüsselbegriffe

HumMingBird, Migration, Daten, Politik, Migrant

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2 März 2021