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Unraveling the persuasive power of 360º-video Virtual Reality narratives

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Kann virtuelle Realität unsere Sichtweise auf Themen wie Klimawandel und Einwanderung verändern?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des Projekts PersVR, das die Überzeugungskraft von 360°-Erzählungen in virtueller Realität untersuchen sollte. Die Ergebnisse ihrer empirischen Studie könnten die Art und Weise, wie Entwicklerinnen und Entwickler und der Journalismus virtuelle Realität als Mittel zur Erzählung überzeugender Geschichten betrachten, sehr wohl verändern.

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Gesellschaft

Überall auf der Welt wird die virtuelle Realität (VR) für das Gefühl der Immersion gelobt, das sie vermittelt. In der Tat sind das Ingenieurswesen und die Entwicklung dem Ziel, die Grenzen zwischen Realität und virtueller Realität zu verwischen, bisher am nächsten gekommen. Aber welchen genauen Wert hat eine solche Immersion? Kann sie die Art und Weise verändern, wie wir die reale Welt wahrnehmen, oder uns dazu bringen, unsere Meinung über etwas zu ändern? Und wenn ja, schneidet sie in dieser Hinsicht besser als ein Film oder eine Dokumentation ab? So überraschend es auch klingen mag, wir wissen es nicht genau. Da sich die VR-Technologie weiterentwickelt und die Möglichkeiten sich vergrößern, kommt das Projekt PersVR (Unraveling the persuasive power of 360º-video Virtual Reality narratives) gerade rechtzeitig, um diese Frage zu klären. Das Projekt konzentriert sich speziell auf 360°-Video-Erzählungen in virtueller Realität, um herauszufinden, ob sie die Meinung des Publikums zu zwei grundlegenden Problemen der Menschheit beeinflussen können: Klimawandel und Einwanderung. „Die Themen Klimawandel und Flüchtlinge fühlen sich für uns oft weit weg an. Wir hören oder sehen vielleicht Bilder von der schlechten Lebensqualität in Flüchtlingslagern oder dem Abschmelzen der Arktis, aber sobald wir den Fernseher ausschalten oder die Zeitung weglegen, werden die Dinge immer abstrakter und weniger emotional ergreifend. Das Problem besteht darin, dass wir diese Herausforderungen jetzt angehen müssen, und die Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger ist ein Schlüsselelement für rechtzeitiges Handeln“, sagt Tilo Hartmann, Professor für virtuelle Realität und Kommunikation an der VU Amsterdam. Der Grundgedanke hinter PersVR ist einfach. Wenn VR besser als traditionelle Medien in der Lage ist, die mit diesen beiden Problematiken verbundene psychologische Distanz zu überwinden, dann werden vielleicht tatsächliche empirische Daten helfen, Investitionen in diese Technologie zu rechtfertigen.

Die Macht der Erzählung in virtueller Realität

„VR besitzt die Macht, Dinge sehr konkret darzulegen“, erklärt Hartmann. „Man kann das Schmelzen der Arktis direkt vor seinen Augen sehen oder sich mitten in einem Waldbrand befinden, wodurch man diese Ereignisse direkt bezeugen kann. Bei PersVR geht es wirklich darum zu sehen, wie VR genutzt werden kann, um sich das Beste aus beiden Welten zunutze zu machen: die starken Erzählungen, die guter Journalismus mit sich bringt, und die Immersion, die ein VR-Headset bietet. Wir wollen diese beiden Mechanismen verknüpfen und herausfinden, wie sie zusammen funktionieren, was bei anderen VR-bezogenen Studien noch nie der Fall war.“ Hartmann und der über die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen mit einem Stipendium ausgestattete Miguel Barreda setzten bereits vorhandene 360°-Videoclips zu Klimawandel und Einwanderung ein, um empirische Erkenntnisse zu gewinnen. In letzterem Fall fiel die Wahl auf „Clouds over Sidra“ – einen von der Kritik gefeierten 360°-Web-VR-Film über die syrische Flüchtlingskrise, der von VRSE und den Vereinten Nationen koproduziert wurde. In diesem Film lernen die Zuschauer Sidra kennen, ein 12-jähriges Mädchen, das ihnen das Flüchtlingslager Zaatari und ihren Alltag dort näherbringt. „Die empirische Studie hat sich aufgrund von COVID-19 verzögert, aber die Idee besteht darin, diese Videos verschiedenen Gruppen in verschiedenen Formaten zu zeigen und verschiedene Zustände der Immersion zu erzeugen, um den Zeugeneffekt zu variieren“, fügt Hartmann hinzu. „Die Versuchspersonen werden zunächst nicht darüber in Kenntnis gesetzt, worum es bei dem Test geht: Sie werden nach der VR-Erfahrung einen Fragebogen ausfüllen, und wir werden ihre physiologischen Parameter messen, während sie die Videoclips ansehen.“ Nach Ende des Experiments sollten Hartmann und Barreda ein besseres Gefühl dafür haben, wie narrative VR-Erfahrungen tatsächlich auf die Teilnehmenden wirken. Das Projekt ist derzeit auf Eis gelegt, aber die Arbeiten werden nach dem Ende der Beschränkungen wieder aufgenommen, voraussichtlich nach dem Sommer 2021. In der Zwischenzeit hat das Team den Einsatz der VR-Technologie als Alternative zu Kursen mit Videoanrufsoftware untersucht, und ihre Ergebnisse stoßen bereits bei verschiedenen Universitäten auf Interesse.

Schlüsselbegriffe

PersVR, virtuelle Realität, VR, Narrativ, Erzählung, Klimawandel, Einwanderung, 360°-Video

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