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Greifen die Visionen der großen Ölkonzerne zur Bekämpfung des Klimawandels zu kurz?

Die Prognosen der großen Ölkonzerne stehen im Widerspruch zu den Zielen des Übereinkommens von Paris.

Klimawandel und Umwelt
Energie

Ölgiganten wie BP und Shell veröffentlichen regelmäßig Szenarien zur Vorhersage der Zukunft des Energiesektors. Sie enthalten Visionen für den Umgang mit dem Klimawandel, darunter auch Szenarien, die mit dem Übereinkommen von Paris in Einklang stehen. Dieser 2015 angenommene völkerrechtliche Vertrag zum Klimawandel wurde von fast allen Ländern der Erde unterzeichnet. Er regelt den Klimaschutz. Diese Szenarien haben sowohl für Unternehmen als auch für die Politik einen großen Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Doch inwieweit sind sie mit dem Übereinkommen von Paris vereinbar?

Ziele von Paris werden nicht erreicht

In einer Studie, die teilweise von den EU-finanzierten Projekten INTERACTION und CONSTRAIN unterstützt und in der Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, heißt es, dass die Szenarien mit den Zielen des Übereinkommens von Paris unvereinbar sind. Mittels einer neuartigen Technik, die für den direkten Vergleich solcher Energieszenarien entwickelt wurde, analysierte ein internationales Forschungsteam vier dieser Szenarien sowie zwei von der Internationalen Energieagentur (IEA) Frankreichs veröffentlichte Szenarien für den Zeitraum zwischen 2020 und Mitte 2021. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass fünf davon nicht mit den Zielen des Übereinkommens von Paris übereinstimmten, darunter Szenarien von BP, Royal Dutch Shell und Equinor. Eines der ehrgeizigsten Ziele des Übereinkommens von Paris ist es, den globalen Temperaturanstieg auf unter 1,5 °C zu begrenzen. Dafür müssen die Emissionen bis 2030 um etwa 50 % gesenkt werden. „Wir haben bei der Analyse der Dekarbonisierungsszenarien der Energieunternehmen festgestellt, dass jene von BP, Shell und Equinor die Begrenzung des Übereinkommens von Paris auf 1,5 °C deutlich überschreiten, wobei nur das Szenario von BP eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % besitzt, die Temperaturen bis 2100 auf 1,5 °C zu senken“, schrieben Prof. Robert Brecha und Doktorand Gaurav Ganti in einem Artikel für „The Conversation“. Prof. Brecha und Ganti stehen mit dem INTERACTION-Projektkoordinator Climate Analytics in Verbindung, einem gemeinnützigen wissenschaftlichen und politischen Forschungsinstitut in Deutschland, das die Forschung leitete. Nur das IEA-Szenario „Netto-Null bis 2050“ sieht eine Energiezukunft vor, die mit dem Ziel von 1,5 °C vereinbar ist. Bei diesem Szenario besteht eine 33%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die Erwärmung nicht über 1,5 °C steigt, eine 50%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die Temperaturen bis zum Jahr 2100 um 1,5 °C oder weniger steigen, und eine fast 90%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die Erwärmung dauerhaft unter 2 °C verbleibt.

Nicht genug, um die Erwärmung bei 1,5 °C zu stoppen

Im Artikel kam man zu dem Schluss: „Es wird eine Herausforderung darstellen, das 1,5 °C-Ziel zu erreichen. Die Erde hat sich seit dem vorindustriellen Zeitalter bereits um 1,1 °C erwärmt, und die Menschen leiden unter tödlichen Hitzewellen, Dürren, Waldbränden und extremen Stürmen, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Bei der Umgestaltung der Energie-, Landwirtschafts- und Industriesysteme der Länder auf dem Weg zu einer Netto-Null-Emission von Treibhausgasen besteht wenig Spielraum für Fehlstarts und Sackgassen.“ Dr. Matthew Gidden, Mitverfasser der Studie, der ebenfalls für Climate Analytics tätig ist, fügte in einer Pressemitteilung des Imperial College London hinzu: „Institutionelle Bewertungen waren in der Vergangenheit in Bezug auf die Klimaergebnisse undurchsichtig. Unsere Studie verdeutlicht den direkten Zusammenhang zwischen den Plänen und der Temperatur. Regierungen sollten diese Instrumente nutzen, um eine solide Bewertung der Energiewende vorzunehmen, damit die Ziele des Übereinkommens von Paris erreicht werden können.“ INTERACTION (resIlieNT EneRgy systems for climAte Change and susTaInable develOpmeNt) endete im August 2021. CONSTRAIN (Constraining uncertainty of multi decadal climate projections) endet im Juni 2023. Weitere Informationen: INTERACTION-Projektwebsite CONSTRAIN-Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

INTERACTION, CONSTRAIN, Übereinkommen von Paris, Klimawandel, Energie, Temperatur, Emission, Dekarbonisierung, Treibhausgas

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