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Einem nachhaltigen Extraktivsektor den Weg bereiten

Mit der Bewertung der gegenwärtigen Praktiken der mineralgewinnenden Industrie und deren Bedeutung für den Übergang zu mehr Nachhaltigkeit in diesem Sektor befasst sich ein kürzlich vorgestelltes Kurzdossier.

Klimawandel und Umwelt
Industrielle Technologien

Das EU-finanzierte Projekt SUMEX hat unlängst die zweite Ausgabe seines jährlichen Kurzdossiers veröffentlicht. In dem Dokument wird dargelegt, wie SUMEX Praktiken und ihre Relevanz für einen Übergang zur Nachhaltigkeit im mineralgewinnenden Sektor anhand der Analyse von Spannungen und Kompromissen, von Hebelpunkten, mithilfe des Ansatzes institutioneller Ressourcen und qualitativer politischer Analysen bewertet. Die Bemühungen um Nachhaltigkeit in der mineralgewinnenden Industrie (z. B. Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden, Erdölförderung) bei gleichzeitiger Berücksichtigung ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeitsaspekte erzeugen unweigerlich Spannungen zwischen den beteiligten Interessengruppen und führen zu Kompromissen zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Zielen. „Diese Spannungen und Zielkonflikte erstrecken sich über die gesamte Bandbreite des mineralgewinnenden Systems, da die Abbauaktivitäten Land beanspruchen, in die Natur eingreifen und Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden haben“, heißt es in dem Kurzdossier. Der erste Schritt besteht darin, diese Spannungen und Zielkonflikte zwischen den Interessengruppen zu ermitteln. In den nächsten Schritten gilt es, Bereiche zu erkennen, in denen Meinungsverschiedenheiten bestehen, deliberative und partizipative Lernansätze zu verfolgen und eindämmende Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer nachhaltigeren Mineraliengewinnung beitragen.

Spannungen, Kompromisse und Hebelpunkte

Wie in dem Dokument berichtet wird, rühren die meisten Spannungen und Zielkonflikte im europäischen Extraktivsektor von Fragen der Bodennutzung und der sozialen Akzeptanz her. Zudem „entsteht eine beachtliche Anzahl von Spannungen und Zielkonflikten durch den Bedarf an mineralischen Rohstoffen für grüne Technologien (z. B. Batterietechnologien oder Bereitstellung erneuerbarer Energien)“. Interessanterweise finden Spannungen und Zielkonflikte, die sich aus Menschenrechtsverletzungen, schädlichen Luftemissionen, Kreislaufwirtschaft und Recycling ergeben, nahezu gar keine Erwähnung. In der Diskussion über Hebelpunkte, „Stellen in einem System, an denen relativ geringe Interventionen signifikante Veränderungen bei bestimmten Ergebnissen herbeiführen können“, wurde festgestellt, dass die von den SUMEX-Interessengruppen abgeleiteten Ziele für ein nachhaltiges Landnutzungsmanagement eher an den Rändern der Hebelpunktskala liegen. Das bedeutet, dass sie auf „flache“ Hebelpunkte (gekennzeichnet durch einfache Interventionen mit geringem Potenzial für transformative Veränderungen) und „tiefe“ Hebelpunkte (gekennzeichnet durch anspruchsvolle Interventionen mit hohem Potenzial für transformative Veränderungen) ausgerichtet waren.

Institutionelle Ressourcen und qualitative Politikanalyse

Die traditionelle Umweltpolitik konzentriert sich eher darauf, die Umwelt als CO2-Senke zu nutzen, weshalb sie nur die Schadstoffemissionen reguliert. Zur Lösung dieses Problems bietet der Ansatz der institutionellen Ressourcen eine ressourcengestützte Methode für Nachhaltigkeit. „Im Zusammenhang mit institutionelle Ressourcen verlagert sich der Schwerpunkt von der Beschränkung der Umweltverschmutzung auf die Bewirtschaftung der ‚Bestände‘ einer Ressource auf eine Weise, die die Reproduktionskapazität der Ressourcensysteme gewährleistet“, heißt es in dem Kurzdossier. Es folgt eine qualitative Politikanalyse, die „die Umsetzung politischer Instrumente auf regionaler und lokaler Ebene untersucht, da dies für die Analyse der Fallstudien am relevantesten ist. Die qualitative Analyse befasst sich explizit mit den Bewertungskriterien Wirksamkeit, Gerechtigkeit und Legitimität“. Alle innerhalb des Projekts gesammelten Daten über bewährte Praktiken der EU-Industrie und der EU-Politik im Extraktivsektor sind in der Wissensdatenbank zu finden. Dieses Wissensarchiv steht allen Interessengruppen offen, die auf der Suche nach Informationen über mögliche Lösungen für die in der mineralgewinnenden Industrie auftretenden Probleme sind. Am 17. November 2022 veranstaltete SUMEX (SUstainable Management in EXtractive industries) einen Workshop, in dem die Ergebnisse regionaler Workshops zu den Themen Genehmigungen, Landnutzungsplanung, Gesundheit und Sicherheit, Berichterstattung sowie Abschätzungen sozioökonomischer Auswirkungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen zusammengefasst wurden. Außerdem wurde ein offener Online-Kurs über Nachhaltigkeit in der mineralgewinnenden Industrie gestartet. Weitere Informationen: SUMEX-Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

SUMEX, Kurzdossier, mineralgewinnender Sektor, Extraktivindustrie, Spannung, Kompromiss, Zielkonflikt, Hebelwirkung

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21 November 2022