Eine tragfähigen europäischen Markt für Biomethan schaffen
Biomethan, ein erneuerbares Gas, das aus organischen Stoffen wie Abfällen und landwirtschaftlichen Nebenprodukten gewonnen wird, könnte eine entscheidende Rolle bei der Dekarbonisierung des EU-Energiesystems spielen. Ein wesentlicher Kostenvorteil besteht in der Möglichkeit, das für diesen Zweck bestehende Gasverteilungsnetze genutzt werden können. Technologische Fortschritte sind jedoch nur ein Teil des Puzzles. Damit Biomethan zu einem Bestandteil des europäischen Energiemixes werden kann, sind ein förderliches Markt- und Politikumfeld sowie eine breite gesellschaftliche Akzeptanz erforderlich.
Biomethanmöglichkeiten sichten
Das EU-finanzierte Projekt GreenMeUp(öffnet in neuem Fenster) wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, Möglichkeiten für Biomethan in den europäischen Energie- und Verkehrssektoren zu sichten. Hierzu wurden potenzielle Produktionsrouten, Rohmassen und Endnutzungsfälle sowie die Marktbedingungen in sieben europäischen Ländern analysiert. „In jedem dieser Länder wurden Zentren eingerichtet, damit die Biogasverbände eng mit der Industrie, den politischen Entscheidungsbefugten und der Öffentlichkeit zusammenarbeiten können“, erklärt Projektkoordinatorin Myrsini Christou von Centre for Renewable Energy Sources and Saving Foundation(öffnet in neuem Fenster) in Griechenland. „Wir haben mehr als 500 Interessengruppen zu einem sinnvollen Dialog zusammengebracht.“
Sichtweisen von Industrie, Politik und Bevölkerung
Durch die Einbeziehung der drei Elemente Industrie, Politik und Öffentlichkeit in die Diskussionen konnte das Projektteam die Sichtweisen verschiedener gesellschaftlicher Sektoren in Bezug auf die Produktion und Nutzung von Biomethan besser verstehen. All diese Erkenntnisse flossen in detaillierte Länderberichte(öffnet in neuem Fenster) ein, die die spezifischen Markt-, Politik- und Soziallandschaften der beteiligten Länder erfassten. Es wurden mehr als zehn Biomethananlagen besichtigt sowie Rohmasse- und Technologiebewertungen durchgeführt. Dadurch konnte das Projektteam ein solides Verständnis über die verschiedenen verwendeten Rohmassen, die involvierten Technologien und einige der wichtigsten Herausforderungen, mit denen der Sektor konfrontiert ist, erlangen. „Wir haben auch Erfahrungen und bewährte Verfahren aus fortschrittlichen europäischen Ländern sowie aus Ländern wie Brasilien, Kanada, China, Indien und den Vereinigten Staaten herangezogen“, sagt Christou. „Diese Erkenntnisse wurden überdies in einem wertvollen Bericht für den Wissensaustausch zusammengefasst.“ Die Feldforschung berücksichtigte ferner Antworten von 2.200 Befragten und nutzte innovative Werkzeuge wie Fuzzy Cognitive Maps(öffnet in neuem Fenster), um die Beziehungen zwischen den Einflussfaktoren für die Marktentwicklung zu visualisieren. „Wir haben insgesamt 323 Konzepte entwickelt und analysiert“, so Christou. „Die Ergebnisse deuten auf eine geringe Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit, aber auf ein großes Wachstumspotenzial hin.“
Ressourcen und innovative Technologien maximieren
Das Projekt hat verschiedene wichtige Empfehlungen vorgelegt. Diese beinhalten unter anderem die Nutzungsmaximierung von landwirtschaftlichen und organischen Abfällen, die Förderung innovativer Veredelungstechnologien und die Realisierung der Netzeinspeisung. Das Projektteam betonte außerdem die Wichtigkeit von Investitionen in innovative Technologien und nachhaltige Rohmasselieferketten. „Die Sensibilisierung für die Umweltvorteile von Biomethan und die Integration von Biomethan in den Verkehrs- und Wärmesektor zählen zu den wichtigsten Strategien“, so Christou. „Wir haben auch Vorschläge für finanzielle Instrumente wie Subventionen und die Investitionsförderung sowie für erleichterte Genehmigungsverfahren und einen kohärenten politischen Rahmen unter Miteinbeziehung von Landwirtschaft, Abfallwirtschaft, Energiesektor und Verkehrssektor unterbreitet.“ Neben einem standardisierten Satz von Kriterien wurden acht vielseitig anwendbare Indikatoren(öffnet in neuem Fenster) zur Bewertung der Integration des Biomethanmarktes auf nationaler Ebene entwickelt. Die Einbindung von Industrie, Bevölkerung und Politik hat dazu beigetragen, dass bei der Markteinführung von Biomethan im großen Maßstab eine breite Palette von Erkenntnissen und Prioritäten berücksichtigt wird. Die im Rahmen von GreenMeUp eingerichteten Zentren werden weiterhin Biomethan unterstützen und Brücken für die Kommunikation mit politischen Entscheidungsbefugten bauen. „Ich freue mich sehr, dass das Projekt seine Ziele erreicht hat und eine zentrale Rolle bei der Begleitung und Unterstützung neuer Maßnahmen spielen wird“, so Christou.