Vorrang für auf den Menschen ausgerichtete Frühwarnsysteme
Europa ist der am schnellsten erwärmende Kontinent(öffnet in neuem Fenster), so die Weltorganisation für Meteorologie. Dies hat verheerende Folgen, denn extreme Wetter- und Klimaereignisse nehmen an Intensität zu. Zum Beispiel waren rund 2 Millionen Menschen(öffnet in neuem Fenster) in Mitteleuropa im Jahr 2024 von Überschwemmungen betroffen, gefolgt von verheerende Sturzfluten in Valencia(öffnet in neuem Fenster), Spanien, einige Wochen später. Infolgedessen wächst das Bewusstsein für die Notwendigkeit vorausschauenden Handelns. „Das Problem bestehender Frühwarnsysteme besteht darin, dass sie darauf ausgelegt sind, Gefahren zu erkennen, und nicht darauf, umsetzbare Informationen bereitzustellen oder Auswirkungen vorherzusagen“, erklärt Daniel Sempere-Torres, Projektkoordinator des GOBEYOND(öffnet in neuem Fenster) –Projekts von der Polytechnische Universität Katalonien(öffnet in neuem Fenster).
Bewertung der geologischen und wetterbedingten Risiken
Um diese Lücke zu schließen, entwickelt GOBEYOND ein fortgeschrittenes 'Multi-Risk Impact-based Early Warning System' (MR-IEWS). Dabei werden geologische und wetterbedingte Risiken bewertet und nicht nur festgestellt, wo und wann eine Katastrophe eintreten wird, sondern auch, wer und was am ehesten betroffen sein wird. Diese Informationen werden dann in digitale Instrumente eingespeist, um die Entscheidungsfindung der Katastrophenschutzbehörden und Ersthelfer zu verbessern. „Anstatt das Rad neu zu erfinden, baut MR-IEWS auf bestehenden Lösungen früherer EU-Projekte auf, wie etwa ANYWHERE(öffnet in neuem Fenster), das Pionierarbeit bei der Echtzeitvorhersage von Wetterauswirkungen und Entscheidungsunterstützungs-Tools geleistet hat“, sagt Sempere-Torres. MR-IEWS wurde im Rahmen von Living Labs(öffnet in neuem Fenster) gemeinsam entwickelt. Hier arbeiteten Wissenschaftler, Technologieentwickler, Behörden des Zivilschutzes, Einsatzkräfte und Gemeinschaften (regional und lokal) gemeinsam daran, Bedürfnisse zu definieren und Lösungen zu testen. „Vielfältige Daten in umsetzbare Informationen zu überführen, ist sehr anspruchsvoll“, fügt Sempere-Torres hinzu. „Lokale Datensätze zu Gefährdung und Verwundbarkeit unterscheiden sich in Detailtiefe und Format, während geophysikalische und meteorologische Frühwarnalgorithmen in ihrer Art und in den Zeitskalen variieren.“
Testen von wirkungsbezogenen Warnungen
Aus dieser Arbeit sind zwei Familien von Plattformen hervorgegangen. Das erste bietet Vorhersagen für Europa und den Mittelmeerraum (EW4EU bzw. EW4MED), während das andere maßgeschneiderte regionale/lokale Entscheidungshilfesysteme (DSS) anbietet. Die DSS-Plattform verbindet auswirkungsbasierte Vorhersagen mit ortsspezifischen Warnungen vor bevorstehenden Ereignissen wie Stürmen oder Überschwemmungen und löst vordefinierte Zivilschutz- oder Evakuierungsprotokolle aus. Die zuständigen Behörden können über ein digitales Dashboard auf diese Informationen zugreifen, und es können auch automatische Warnungen an Notfallmanager gesendet werden. Das Team führt derzeit Echtzeit(öffnet in neuem Fenster) –Betriebsdemonstrationen des DSS an fünf regionalen und fünf kommunalen Pilotstandorten durch. Diese Standorte repräsentieren eine Vielzahl von Kontexten und Gefahrenprofilen, darunter Waldbrände, Überschwemmungen sowie Trockenheit. „Diese praxisnahen Tests bestätigen bereits, dass wirkungsbasierte Warnungen zu schnelleren Reaktionen und besserer Lageeinschätzung während kritischer Ereignisse führen. Indem wir reale Notfalleinsatzabläufe integrieren und von Anfang an mit den Endnutzer:innen zusammenarbeiten, stellen wir sicher, dass die Lösung operativ praktikabel, effektiv und vollständig skalierbar ist“, erklärt Sempere-Torres.
Personenzentrierte und umsetzbare Informationen
Ein wichtiger Meilenstein wurde Anfang 2025 mit den ersten einsatzfähigen Prototypen der Plattformen EW4EU und EW4MED erreicht. „Seit der Demonstration der ersten Funktionen dieser Plattformen arbeiten wir weiterhin eng mit Zivilschutzbehörden und Einsatzkräften zusammen“, sagt Sempere-Torres. „So wurde beispielsweise der lokale Plattformprototyp im vergangenen November erfolgreich während einer Tsunami-Übung in Cádiz eingesetzt.“ Während diese 24/7 Echtzeit-Pilotdemonstrationen fortgesetzt werden, wird eine Community of Practice(öffnet in neuem Fenster) aufgebaut, um die Kapazitäten der Einsatzkräfte zu stärken, ergänzt durch praxisnahe Schulungen. Parallel dazu untersuchen die Partner die Möglichkeiten der Kommerzialisierung mit praktischen Anwendungsoptionen für Behörden und Betreiber sowie Leitlinien für Interoperabilität und Datenverwaltung. Die endgültige Reihe validierter MR-IEWS-Plattformen soll im Sommer 2027 auf dem abschließenden GOBEYOND-Workshop in Athen veröffentlicht werden, der allen Interessierten offensteht. Da GOBEYOND sich mehr auf Folgenabschätzungen als auf Gefahrenabschätzungen konzentriert, trägt es zur Umsetzung der Ziele einer Reihe von EU-Initiativen bei. Dazu gehören der Mechanismus der Union zum Zivilschutz(öffnet in neuem Fenster), die EU-Strategie zur Vorsorge(öffnet in neuem Fenster) sowie die EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel(öffnet in neuem Fenster). Das Projekt steht auch im Einklang mit den Zielen des Sendai-Rahmenwerks für Katastrophenrisikominderung 2015–2030(öffnet in neuem Fenster) der Vereinten Nationen.